Dein Kind spielt jetzt Fußball im Verein?

Dein Kind spielt jetzt Fußball im Verein? Was du beachten solltest und was dich erwartet. Über Trainer, Vereine, Verhaltensregeln, Organisation, damit dein Kind viel Freude am Fußball und mit den anderen Kindern hat.

Ich wünsche dir und deinem Kind viele spannende Fußballjahre im Verein.

Elternratgeber - Wie du das erste Spiel deines Kindes überstehst

Pauls Geschichte

Du hast es geschafft, dein Kind Paul ist endlich in einem Fußballverein. Die ersten Trainingseinheiten sind absolviert, du hast mit dem Trainer gesprochen und weißt, was der Trainer von dir und Paul erwartet. Die Spielberechtigung ist da und die Nervosität steigt bei dir, denn jetzt geht es los mit dem richtigen Fußball.

Bevor ihr zum Treffpunkt fahrt erklärst du Paul, wie wichtig das Spiel heute ist und er sich viel bewegen muss, keinen Ball verloren geben darf und er keine Angst haben soll, denn er kann das. Paul nickt, hat er überhaupt die guten Ratschläge verstanden, oder will er dir nur gefallen?

Trainingshilfsmittel für Trainer und Vereine

Das Spiel beginnt, Paul ist nicht in der Startelf. Der Trainer stellt die Mannschaft auf und wer „neu“ ist schaut erstmal zu, soweit ist das klar. Du beobachtest Paul genau und verstehst nicht, warum er nicht wenigstens beim Spiel zuschaut um was zu lernen. Er ist mit anderen Dingen beschäftigt und wirkt in seinem Trikot, der Übergang zwischen Hemd, Hose und Stutzen ist fließend, relativ hilflos und nicht wie ein Fußballer. Es war nicht einfach für einen Fünfjährigen gute Fußballschuhe und Schienbeinschützer zu finden, hoffentlich war das kein Fehlkauf denkst du noch ... dann wird er eingewechselt. Deine Nervosität steigt weiter an, hoffentlich geht alles gut.

Paul ist auf dem Feld und schon geht es los, der erste offizielle Ballkontakt in einer großen Fußballerkarriere. Dein Puls steigt und du kannst dir das Rufen nicht verkneifen: „Geh, Paul, geh!“

Er dribbelt ein paar Meter und dann nimmt ihm ein Mitspieler den Ball vom Fuß. Paul wollte eigentlich gerade schießen, tritt in die Luft und fällt um. Eigentlich ist dir das unangenehm, du überspielst die Situation mit einem Lächeln. Im Hintergrund hörst du: „Na ja, der ist neu, hoffentlich macht er uns nicht das Spiel kaputt.“

Paul spielt immer intensiver mit und schon kommt er wieder an den Ball. Der Trainer ruft „dribble“, andere Eltern rufen „spiel ab“ und bevor du auch eine Anweisung geben kannst ist der Ball wieder weg, ein Gegenspieler erobert den Ball.

„Was machst du denn da?“, du traust deinen Augen nicht. Paul sitzt, heißgelaufen und müde, auf dem Rasen. Er pflückt Blümchen und wirft die Blüten mit einem Lächeln in die Luft. Du denkst „War das bei Toni Kroos mit fünf Jahren auch so?“, während Paul verschreckt aufsteht und wieder am Spiel teilnimmt.

Bevor du jetzt denkst, dein Kind hat keine Lust und kein Talent, lies weiter, du findest einige Ratschläge, wie du nicht nur das erste Spiel, sondern mindestens eine Saison überstehst.

Warum machst du dir diesen Stress?

Nein, nicht Paul hat nicht verstanden, du hast Paul nicht verstanden. Er gibt immer alles wenn er spielt und nicht nur in einem offiziellen Fußballspiel. Er will einfach nur Spaß haben und Fußballspielen. Du baust den Druck auf und bist vor dem ersten Spiel vielleicht nervöser als Paul.

Warum machst du dir und Paul diesen Stress? Genieße das Fußballspielen deines Kindes, es ist so einfach.

Erwartungshaltung anpassen

Worum geht es, wenn Kinder mit dem Fußballspielen beginnen? Den Kindern wird die Freude am Sport und am Fußball vermittelt, die sportliche Vielseitigkeit wird gefördert und Bewegungsmängel werden ausgeglichen, neue Bewegungskompetenzen werden erlernt.

Fußballerisch lernt das Kind, immer spielerisch verpackt, mit dem Ball zu dribbeln, zum Ball zu laufen und den Kick aufs Tor. Spielstrategien oder gar Taktik werden viel später erlernt, je nach Kind, manchmal auch sehr viel später.

Kinder lernen über viele Bewegungsaktivitäten, sich gegenseitig zu unterstützen, Rücksichtsname, aber auch eigene Interesse umzusetzen. Gefördert wird ganzheitlich und dies bedeutet: geistig, sozial und körperlich. Die Freude am gemeinsamen Spiel steht immer im Vordergrund.

Habe deshalb Geduld mit deinem Kind und genieße seine Entwicklung, dein Fußballfachwissen ist nicht gefragt. Freue dich mit deinem Kind, lobe es immer wieder und habt gemeinsam viel Spaß beim Fußball im Verein.

Organisation - Spielbetrieb, Essen, Trinken und Spielausrüstung

Ist dir aufgefallen, dass in Pauls Geschichte alles von dir für Paul getan wurde, aber nichts fürs Team?

Leider kann der Mannschaftssport so nicht existieren. Viele Aufgaben werden ehrenamtlich erledigt und schnell kommt es zur Überforderung der Verantwortlichen. Deshalb ist jede helfende Hand gern gesehen und wenn es bei den kleinen Kickern nur das Binden der Fußballschuhe ist und auch mal Fahrdienste übernommen werden. Du solltest deshalb mit dem Trainer nicht nur besprechen, was für dein Kind wichtig ist. Frag doch mal: Wie kann ich dem Team ich helfen?

Im Fußball fördern wir bei den Kindern die soziale Kompetenz, Mittelpunkt ist das Team und der Trainer. Als Elternteil bist du Vorbild und solltest deinem Kind zeigen, dass du diese Gedanken durch deinen Einsatz unterstützt. Dein Kind wird das wahrnehmen und daraus zusätzlich lernen.

Was solltest du noch tun, damit dein Kind sich wohlfühlt?

Im Erwachsenensport wird es immer wieder hervorgehoben: Wer Sport treibt, sollte sich gut ernähren und während des Sports entsprechend trinken. Dies gilt natürlich auch für Kinder und du solltest darauf achten. Wir haben es nicht mit Leistungssportlern zu tun, lediglich mit Kindern, die ihren Bewegungsdrang ausleben und deshalb ist eine ausgewogene Ernährung auch ohne Sport eine Selbstverständlichkeit. Eine spezielle Ernährung oder gar Energy-Drinks oder Sportler-Nahrung, sind natürlich überflüssig.

Wichtig ist, dass dein Kind immer die Möglichkeit zu trinken. Du solltest deshalb zu jeder Aktivität ausreichend Getränke mitnehmen. Am besten Mineralwasser oder Fruchtsaftschorlen, die machen fit und „sportlich leistungsfähig“.

Du weißt am besten, was dein Kind benötigt. Vielleicht solltest du daran denken, dass nicht alle Kinder so umsorgt werden und den Getränkevorrat anpassen.

In die Sporttasche gehören neben Fußballschuhen auch Schienbeinschoner. Bei Spielen wird das Trikot meistens vom Verein gestellt. Bespreche mit dem Trainer, wie das Waschen der Trikots organisiert ist, eventuell kannst du auch hier unterstützen. Weiter gehört in die Tasche ein Handtuch und Waschutensilien. Ob das Duschen verpflichtend ist, solltest du ebenfalls beim Trainer erfragen. Dieses Thema wird heftig diskutiert, lese hierzu bitte den Artikel „Duschen nach Spiel und Fußballtraining - Pflicht oder freiwillig?“. Bei kaltem oder nassem Wetter sollte dein Kind über wetterfeste und warme Kleidung verfügen (Mütze, Jacke, lange Hose, Handschuhe, Handschuhe).

Für die medizinische Erstversorgung sorgt der Trainer, sicherheitshalber solltest du nachfragen. Informiere den Trainer über Erkrankungen deines Kindes, damit gegebenenfalls entsprechend reagiert werden kann.

Du bist ein Teil des Teams, genieße es

Beim Lesen des Artikels wirst du bemerkt haben, du kannst dich um viele Dinge kümmern, damit dein Kind Spaß am Sport hat. Was fehlt ist der „Fußball“, darum kümmert sich der Trainer. Lasse dein Kind einfach soziale Erfahrungen machen und mit seinen Teamkollegen den Sport erleben, schaue zu und genieße es.

Sage einfach mal „Hallo“ zu den anderen Eltern und suche das Gespräch. Lehne dich zurück und genieße vielleicht einfach nur einen Kaffee. Vielleicht ergeben sich nette Verbindungen auch außerhalb des Fußballs. Eine Stunde Spiel oder Training, nutze dies als Erholungsphase. Schnell wirst du merken, dass ständige Anweisungen und Aufregung am Spielfeldrand unnötigen Stress bedeuten.

Kritik und am Ende entscheidet dein Kind

Um ehrlich zu sein, nicht immer läuft es in Vereinen so harmonisch ab. Ich gehe aber davon aus, du hast dich gut informiert und entsprechend Gespräche geführt, bevor du und dein Kind dich für einen Verein entschieden habt. Die Praxis sieht dann manchmal anders aus, wie reagierst du dann?

Kritik sollte erwünscht sein, wenn es offensichtliche Missstände im Team und seinem Umfeld gibt. Du bist mit deinem Kind aber neu im Team und, ähnlich wie im neuen Job, sollte man nicht alles kritisieren, was sich bisher eingeschliffen hat. Lasse etwas Zeit vergehen, beobachte genau und spreche dann über Probleme zuerst mit dem Trainer. Niemals hinter seinem Rücken oder in Eltern-Grüppchen. Denke an den Teamgedanken und im Team bespricht man Probleme grundsätzlich gemeinsam.

Beobachte dein Kind genau, hat es wirklich Spaß beim Fußball oder bleibt es dabei, um dir zu gefallen? Falls es dann gar nicht mehr geht, hilft manchmal eine kleine Fußballpause, oder die Suche einer anderen Sportart.

Ich wünsche dir und deinem Kind viele spannende Fußballjahre im Verein.

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