Der vertikale Pass - Rondo-Spielform

Der Pass in die Tiefe, das vertikale Passspiel, ist im Wettkampf selten zu sehen?

Das ist oft ein Kopfproblem. Im Artikel kommen wir über die Theorie zur Rondo-Spielform 4+4 gegen 4. Intelligent trainieren, durch Stärkung der mentalen Fähigkeiten deiner Spieler.

Der Pass in die Tiefe aus dem Zentrum

Um ein erfolgreiches Passspiel in die Tiefe im Wettkampf umzusetzen, gehört mehr, als den Pass zu beherrschen:

„Fußball müsste eigentlich Kopfball heißen!“

Es beginnt alles im Kopf, denn die Spieler, die den Pass in die Tiefe spielen sollen, müssen grundsätzlich offensiv denken. Die Spieler müssen bereits vor oder während der Ballannahme die Möglichkeit wahrnehmen, den Tiefenpass erkennen und dann handlungsschnell ausführen. Das Risiko eines Ballverlustes ist relativ groß, den Passgebern ist aber bewusst, dass ein Ballverlust im letzten Spielfelddrittel durch Gegenpressing kompensiert werden kann und deshalb kein direkter Nachteil entstehen muss. Als Trainer kannst du dieses Verhalten durch gezielte Trainingsformen provozieren und coachen. Eine Spielform, Rondo im 4+4 gegen 4, findest du weiter unten, inklusive PDF.

Glaubt man der Statistik, fallen 75 bis 85 % aller Tore in tornähe. Es ist deshalb sinnvoll, diese Situationen immer wieder zu trainieren. Für Spielformen bietet sich an, die Übungsfelder so aufzubauen, dass den Spielern dazu Räume angeboten werden, die sie sofort wiedererkennen, so können sie Situationen praxisnah umsetzen. Die Abläufe auf dem Übungsfeld werden durch Zonen und Regeln gesteuert.

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Der vertikale Pass ist ein Risiko

Der Pass in die Tiefe, der vertikale Pass, ist nicht immer vielversprechend, die Spielsituation entscheidet, ob dieser Pass sinnvoll ist. Beim Ballgewinn im Forechecking, öffnen sich oft bereits im gegnerischen Drittel Räume, die einen vertikalen Pass ermöglichen. Entsprechendes gilt bei der Balleroberung im Mittelfeld, der schnelle Pass in die Tiefe ist erfolgreich, weil das gegnerische Team noch nicht sortiert ist. Aber auch bei tiefstehenden Gegnern reißt der vertikale Pass Lücken in die Abwehr. Durch Spielverlagerung wird die Abwehr auf eine Spielfeldseite gezogen und dann mit wenigen Kontakten gegen die Bewegung agiert. Es öffnen sich Räume für den vertikalen Pass.

Mit dem vertikalen Pass überwinden wir die gegnerische Kompaktheit im Mittelfeld mit einem Pass. Die nächste Aktion kann das Klatschenlassen auf nachrückende Spieler oder der direkte Torabschluss sein. Voraussetzung dieser taktischen Variante ist ein präzises, druckvolles Passspiel und dies muss im Training regelmäßig Berücksichtigung finden.

Handlungsschnelligkeit, Antizipation, Wahrnehmung, Mut und Selbstbewusstsein

In der Einleitung wurde bereits erwähnt, dass der Pass in die Tiefe auch eine Kopf-/Charaktersache ist, denn technische und taktische Fähigkeiten allein reichen nicht aus. Handlungsschnelligkeit, Antizipation, Wahrnehmung, Mut und Selbstbewusstsein, beeinflussen die Bereitschaft, den Pass in die Tiefe zu riskieren. Es ist deshalb wichtig, dass jeder Spieler weiß, dass ein möglicher Ballverlust im gegnerischen Drittel kein Nachteil sein muss. Der Trainer sollte seinen Spielern vermitteln, dieses Risiko einzugehen und bei einem Ballverlust geschlossen zu agieren, um den Ball zurückzuerobern.

Der vertikale Pass setzt eine gute defensiv Basis voraus

Daraus ergibt sich, dass Risikobereitschaft eine gute defensive Basis voraussetzt. Hier ist dann wieder der Trainer gefordert, denn bei Ballverlust benötigen wir sofort, neben dem Gegenpressing, eine defensive Absicherung. Konter müssen vermieden und das Gegenpressing ist dabei nur eine Maßnahme. Es verhindert einen langen Pass, der Ballbesitzer wird eng und aggressiv angegriffen. Die letzte Reihe verengt die Zwischenräume und reduziert so die Optionen für den Gegner. Es ist optimal bereits bei Ballbesitzt, sich gedanklich mit der Situation im Falle eines Ballverlustes zu beschäftigen. Dies ist stark abhängig von den individuellen mentalen Fähigkeiten. Der Spieler, der bereits gedanklich vordeckt, sich entsprechend orientiert, bereitet so sein schnelles Umschalten vor.

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Coaching der Spielform über Kanäle

Das Coaching reduziert sich darauf, die Spielern bei der Umsetzung der taktischen Vorgaben auf dem Feld zu unterstützen. Während einer Trainingsform bieten sich verschiedenen Möglichkeiten, die Spieler im Verhalten zu korrigieren. Die Vermittlung bezieht die Spieler gedanklich mit ein und er wird daran beteiligt, Lösungen zu entwickeln. So versteht er den Sinn besser und wird sich damit identifizieren.

Der Trainer erreicht den Spieler über drei Sinneskanäle. Über den taktischen Kanal bei eingefrorenen Spielsituationen (siehe unten), kann man den Spieler in bestimmte Bereiche ziehen. Visuell können taktische Elemente mit einer Taktiktafel vermittelt werden und auditiv, durch gezieltes Coaching, wird das Verhalten kurz und präzise korrigiert. Das Feedback sollte aber zeitnah zur Spielsituation erfolgen. Dabei konzentriert sich der Trainer nicht nur auf negatives Feedback, denn erfolgreiche Spielsituationen sind dazu geeignet, die Spieler in ihrem Verhalten positiv zu stärken und den gemeinsamen Erfolg zu verdeutlichen. Daraus erfolgt eine höhere Identifikation mit den Lerninhalten.

Praxistipp: Einfrieren von Spielsituationen

Durch das Einfrieren von Spielsituationen und den daraus resultierenden „Standbildern“, kann der Trainer die Spieler gezielt korrigieren. Entscheidend ist dabei, dies nicht zu übertreiben und auf wenige Spielsituationen zu beschränken. Korrekturen sollte präzise sein aber kurz, sonst werden die Spieler schnell überfordert. Das „Einfrieren“ vermittelt einen hohen Wiedererkennungsfaktor im Spiel.

Spielform - Rondo im 4+4 gegen 4

Spielform - Rondo im 4+4 gegen 4 als PDF

Diese Spielform kann auch im 6+6 gegen 6 mit 3 Verteidigern und 3 Spielern in der Mittelzone gespielt werden. Weitere Zusammensetzungen sind möglich, passe das Übungsfeld entsprechend an.

Organisation:

  • Im Übungsfeld werden zwei ca. 10 x 10 Meter (variiert nach Leistungsvermögen) große Flächen markiert.
  • Zwischen diesen Flächen wird eine weitere, ca. 5 Meter breite, Fläche markiert (Mittelzone).
  • Team Orange spielt in der Grafik gegen zwei Abwehrspieler aus Team Rot.
  • Zwei weitere Spieler aus Team Rot werden in der Mittelzone postiert.
  • Team blau wartet auf seinen Einsatz auf der anderen Spielfläche.
  • Die Torhüter sind außerhalb des Feldes anspielbar.

Ablauf:

  • Team Orange spielt gegen zwei rote Verteidiger.
  • Der Torhüter außerhalb der Fläche wird ins Passspiel einbezogen.
  • Nach 5 Pässen darf Team Orange einen vertikalen Pass zu Team Blau spielen.
  • Die Spieler aus Team Rot in der Mittelzone versuchen den Pass zu verhindern. Gelingt dies nicht, wechseln sie ins Feld zu Team Blau und verteidigen dort.
  • Erobert Team Rot den Ball, wird der Ball vom anderen Team gejagt oder der Trainer spielt einen neuen Ball zu Orange.
  • Befindet sich der Ball auf der anderen Seite geht es von dort analog weiter.
  • Nach ca. 2 Minuten sollet eine Pause eingelegt und die Abwehrspieler ausgetauscht werden.

Variante:

  • Wettkampf: Welches Team verhindert die meisten vertikalen Pässe?

Trainertipps:

  • Die Torhüter spielen intensiv mit.
  • Intensität hochhalten, immer wieder neue Bälle ins Spiel bringen.
  • Je größer die Mittelzone, desto schneller muss nachgerückt werden.