Teambuilding in der Saisonvorbereitung

Teambuilding ist nicht nur eine Herausforderung in der Saisonvorbereitung, aber dort werden die Grundlagen geschaffen.

Wir beschäftigen uns zunächst mit der Theorie, dann kommen die praktischen Probleme und zwei ungewöhnliche Teambuildingmaßnahmen.

Wir formen eine Mannschaft

Ähnlich wie beim Trainieren von Standardsituationen gehört das Teambuilding nicht nur in die Saisonvorbereitung, es ist ein Entwicklungsprozess, der über die gesamte Saison gefördert wird.

Viele Trainer halten das Formen eines Teams für die wichtigste Grundlage, um eine Saison erfolgreich und mit hoher Motivation zu absolvieren. Eine Mannschaft mit guten Fußballern ist auf Dauer nicht erfolgreich, wenn die Chemie im Team nicht stimmt.

Trainingshilfsmittel für Fußballtrainer

Maximale Leistungsbereitschaft: „Zum Gewinnen benötigt man immer ein Team!“

Eine Fußballmannschaft durchläuft auf dem Weg zum Team vier Entwicklungsstufen (vgl. Psychologie im Sport, Baumann).

Auf der ersten Stufe findet sich ein Team, lernt sich kennen, Beziehungen entstehen, das Klima ist gut, jeder Spieler orientiert sich und sucht seinen Platz in der Mannschaft.

Die Entwicklung auf der zweiten Stufen ist vielleicht die wichtigste und muss vom Trainer gut kontrolliert und beobachtet werden: Es kommt zur Konfrontation. Führungsansprüche und Machtpositionen werden geklärt, es gibt Widerstand, Aufgaben werden verteilt. Auf dieser Stufe fällt schnell das Leistungsvermögen.

Die dritte Stufe beruhigt alles wieder. Jeder (!) Spieler hat seinen Platz und seine Aufgaben im Team gefunden und toleriert diese, die Eigenheiten anderer Spieler werden akzeptiert, das Leistungsvermögen steigt wieder an.

Auf der vierten Stufe wird dann das Teambuilding optimiert. Das Team hat gemeinsame Werte und Ziele entwickelt und die gesamte Energie fließt in die Bewältigung dieser Aufgaben. Diese Stufe sollte nicht nur beibehalten werden, an diesen optimalen Bedingungen wird ständig gearbeitet.

Teambuilding - Praxis schlägt Theorie

Soweit die Theorie, in der Praxis kehren die einzelnen Entwicklungsstufen immer wieder zurück, mal heftiger, mal abgeschwächt. Die Verweildauer auf den einzelnen Stufen ist dabei von Mannschaft zu Mannschaft unterschiedlich.

Gefährlich für das Teambuilding ist die Konfrontationsstufe. Es gibt immer wieder Teams, die diese Stufe nicht verlassen, es kommt ständig zu Machtkämpfen und Grüppchenbildung. Einzelne Spieler kommen miteinander gar nicht klar oder die Führungsrolle eine Spielers wird nicht akzeptiert („Du hast mir gar nichts zu sagen!“). Möglicherweise beginnt eine Rebellion gegen den Trainer, das „Team“ steht vor dem Aus.

Nichts selten kommt es vor, dass Mannschaften, die die Konfrontationsphase gemeistert haben, in diese zurückfallen. Gründe dafür können sein: Mangelnde Kommunikation, Führungsschwäche, Misserfolge oder zwischenmenschliche Probleme. Deshalb darf das Teambuilding nicht nur in der Saisonvorbereitung ein Ziel sein, es wird gesamten Spieljahr daran gearbeitet. Die Wichtigkeit in der Vorbereitung ist unbestritten, denn in dieser Zeit wächst das Team zusammen und jeder Spieler sollte am Ende seinen Platz im Team gefunden haben. Im Saisonverlauf ist dann der Zusammenhalt hoch und wird immer weiter optimiert.

Teambuilding-Bausteine – Spielphilosophie, Zielvorgaben, Werte, Aufgaben

Zu den Bausteinen des Teambuildings gehören das Entwickeln einer gemeinsamen Spielphilosophie, die Definition gemeinsamer Ziele und Werte, eine deutliche Aufgaben- und Rollenverteilung in der Mannschaft.

Spielphilosophie

Eine gemeinsame Spielphilosophie ist die Grundlage für erfolgreiches und motivierendes Fußballspielen. Vorgegeben wird dies vom Trainer, im Erwachsenenfußball unter Mithilfe der Führungsspieler.

Wir müssen bei der Entwicklung einer gemeinsamen Spielphilosophie auf die Unterschiede im Kinder- und Erwachsenenfußball achten. Geht bei den Senioren um Taktik und der Spielauffassung, werden im Kinderfußball verstärkt die Eltern mit eingebunden. Der Trainer muss vor Saisonbeginn seine Intensionen den Eltern deutlich erklären. Es geht um Spielanteile und Lernziele, die deutlich dargestellt werden, damit es im Spielbetrieb nicht zu Missverständnissen kommt. Die Inhalte einer Spielphilosophie unterscheiden sich im Kinderfußball deutlich von den älteren Jahrgängen.

Gemeinsame Ziele

Der stärkste Teambuilding-Baustein ist das gemeinsame Ziel. Ohne definierte Ziele wird man im Leben nichts erreichen, auch nicht im Fußball.

Damit die Mannschaft definierte Ziele verinnerlicht, muss sie diese selbst finden, der Trainer ist weniger gefragt. Wichtig dabei ist, dass die gesteckten Ziele nicht utopisch, aber auch nicht zu leicht zu erreichen sind, sie müssen realistisch und überprüfbar sein.

Weiterhin sollten Ziele für einen überschaubaren Zeitraum gesteckt werden. Ein Ziel „Am Ende der Saison wollen wir unter den ersten drei in der Tabelle sein“, ist zu weit weg und motiviert deshalb nicht kurzfristig. Das Team sollte Etappenziele oder jederzeit kontrollierbare Ziele finden, wie zum Beispiel: „Aus den ersten vier Spielen holen wir neun Punkte“, „Im ersten Testspiel kassieren wir kein Gegentor.“ oder „Die Trainingsbeteiligung soll im Schnitt bei 90% liegen!“

Wie das Team Ziele finden kann, findest du mit einem praktischen Beispiel weiter unten im Text.

Mannschaftsnormen (Werte)

In der Saisonvorbereitung gibt der Trainer seine Vorstellungen bekannt, wie er sich das Verhalten und die Einstellung der Spieler, der Mannschaft wünscht. Oft werden diese Normen in einem Strafenkatalog niedergelegt. Diese Punkte stehen fest, ich halte es allerdings für besser, auch diese Maßnahmen mit dem Team zu besprechen und auf einen Strafenkatalog zu verzichten. Die Spieler müssen diese Normen akzeptieren und dies wird leichter gelingen, wenn sie sie selbst mit entwickelt haben. In der Kommunikation ist der Trainer immer in der Lage, seine Ideen umzusetzen.

Egal, ob nur der Trainer über die wichtigsten Normen entscheidet, ein Team wird eigene, weitere Werte finden, die zum Teambuilding beitragen. Der „Mannschaftsgeist“ entwickelt sich und die Spieler werden in die Pflicht genommen, vom Trainer und von den Mitspielern.

Teamaufgaben für Spieler

Jeder Spieler übernimmt Aufgaben im Team. Dies sind nicht nur organisatorische Tätigkeiten (zum Beispiel: Aufräumen). Im Fußballspiel gehören taktische Aufgaben dazu und jeder Spieler kann vor der Saison erläutern, wo er seine Rolle im Team sieht und was er von sich persönlich erwartet. Die Benennung eines Kapitäns, von Standardschützen oder die Verteilung der Positionen auf dem Feld gehören auch dazu.

Das Team bildet sich selbst - Praxisvorschläge

Matthias Nowak liefert im sehr erfolgreichen PDF-E-Book „Play2win - Das Spielerseminar“ eine Anleitung, wie Trainer ihre Spieler in einem eigenen Seminar darin fördern können, sich selbst und das „Team“ zu finden. Ich stelle hier zwei Beispiele vor, wie ein Team selbständig Ziele definiert und Normen festlegt.

Worum geht es eigentlich?

Ich zitiere aus dem Buch-Vorwort:

Welche Einstellungen wir als Trainer steuern und erreichen wollen:

  • Zum Gewinnen braucht es immer ein Team.
  • Früh übt sich, was „ein Teamplayer“ werden will.
  • Fußballspielen heißt Spaß haben.
  • Ein Spiel, dass keinen Spaß macht, ist langweilig.
  • Ein Spiel was ich als Spieler nicht gewinnen will, macht keinen Sinn!
  • Als Spieler benötige ich zum Gewinnen immer ein Team.

Klingt einfach ist es aber nicht!
Denn was macht ein Team aus? Stopp! Halt! Lass dir doch diese zentrale Frage von deinen Spielern beantworten. Du wirst staunen, zu welchen e i g e n e n Ergebnissen die Kids und Jugendlichen kommen und welche Auswirkungen diese Ergebnisfindung hat, auf das Training und auf das Spiel.

Wir stellen Fragen, finden Konsens, schaffen Lösungen und formulieren erste Ziele.
Wir sprechen heute im Fußball gerne von fehlenden Vorbildern, soll ich dir was sagen, entwickeln wir doch einfach welche!

Die Aufgabe als Trainer ist, deine Spieler zu begleiten, offen die Ergebnisse aufzunehmen und der Mannschaft dabei zu helfen, die (ersten) eigenen Ziele als Team zu erreichen. Die Antworten deiner Spieler sind erste Antworten, denn du fängst doch gerade erst an, deine Jungs auf diese Art miteinander ins Gespräch zu bringen. Wir Trainer neigen ständig dazu, sofort in die Tiefe zu gehen, sofort alles unter die Lupe zu nehmen.

„Welche Ziele wollt ihr als Team erreichen und wie möchtet ihr euch ins Team einbringen?“ Dies sind alles Fragen, die es gilt zu beantworten, nicht irgendwann, sondern heute und jetzt. Es ist die Zeit für Veränderungen.

Vorsicht und aufgepasst: „Stein für Stein ergibt auch ein Gebäude“, sprach schon Johann Wolfgang v. Goethe.

Der Ablauf und das Ende einer gezielten Mannschaftskommunikation

Für ein erfolgreiches Teambuilding ist die Förderung der Kommunikation unverzichtbar. Wir erwarten von unseren Spielern, dass sie gemeinsam oder Gruppen diskutieren und Ergebnisse liefern. Eine weiter Möglichkeit ist, dass jeder Spieler fragen persönlich beantwortet, eventuell sogar anonym auf einem verteilten Fragebogen.

Nicht immer erhält man die Antworten, die man sich als Trainer wünscht. Fehlen elementare Dinge, leite die Kommunikation entsprechend in die richtige Richtung.

Idealerweise hat der Trainer eine Tafel, einen Flipchart o.ä zur Verfügung, so wird der Ablauf visuell unterstützt.

  1. Allgemeine Kommunikation (Diskussion)
    • Wir starten, die Spieler sollen kommunizieren und diskutieren.
    • Wir bilden Gruppen und stellen die Frage „Welche Eigenschaften benötigt ein erfolgreicher Fußballer?“ Fünf Antworten werden vorgegeben: Ehrgeiz, Fleiß, Hartnäckigkeit, Begeisterung und Teamgeist.

Die Begriffe sollten altersgerecht erklärt werden.

  • Ehrgeiz bedeutet hier: Ziele haben und diese auch unbedingt erreichen wollen.
  • Begeisterung: ohne Spaß geht wenig, ohne Begeisterung geht nichts!
  • Fleiß: ohne Fleiß keinen Preis, bedeutet: ohne viel Training keine Erfolge!
  • Teamgeist: ich bin gut – wir sind besser! Ich spiel nicht für mich, ich spiele für mein Team.
  • Hartnäckigkeit: kann ich nicht - gibt es nicht!

Gehe mit deinem Trainerkollegen/Helfern in die verschiedenen Gruppen. Bietet dabei keine Lösungen an, sondern gebt Hilfestellungen.

Sprecht die Spieler direkt mit Namen an und redet nicht einfach pauschal in die Runde. Erinnert die Spieler ruhig und bestimmt, dass sie die Uhr im Blick haben sollen – 15 Minuten, länger nicht!

Es wäre schön, wenn deine Spieler die „Begeisterung“ zuerst nennen würden. Sollte dies nicht der Fall sein, sage dazu unbedingt bei der Präsentation etwas. Die Reihenfolge bleibt natürlich so, wie sie ist, denn es ist das Ergebnis deiner Spieler. Dabei spielt es keine Rolle, ob dir das Ergebnis gefällt oder nicht, und auch die Teams sollten darüber nicht streiten. Zu einem Team gehört auch, die Meinungen der Mitspieler zu tolerieren.

Ich möchte aber nochmal auf den Begriff „Begeisterung“ zurückkommen. Falls du den Erklärungssatz nimmst, „ohne Spaß geht wenig, ohne Begeisterung geht nichts!", gibst du ja schon einen recht deutlichen Hinweis auf die Wichtigkeit von gelebter Begeisterung. Aber glaubst Du das auch? Sind wir Trainer denn selbst begeistert von unserem „Trainerjob“? Zeigt mir begeisterte Trainer und ich weiß, ich werde begeisterte Fußballspieler sehen und glaube mir, mit dieser Voraussetzung kannst du Berge versetzen. Zeige deinem Team immer wieder deine Begeisterung am Fußball und an der Mannschaft.

  1. Gemeinsame Ziele definieren

Die Suche nach den Teamzielen, gemeinsam und deshalb so effektiv.

Wir Erwachsene haben mit Zielvorstellung so unsere Erfahrungen gemacht. Im Job gibt es vielleicht „Zielvereinbarungsgespräche“ und wir haben bereits Ziele in unserem Leben verfehlt, aufgegeben, aber auch erreicht und uns neue gesteckt.

Wie auch immer, das Team soll nun konsequent eigene Ziele verfolgen, und die wollen wir hier gemeinsam festlegen. Ein entsprechendes Plakat sollte wieder vorbereitet sein. Diesmal mit äußerster Sorgfalt, denn wir werden es in den nächsten 90 Tagen immer wieder benötigen. Wir wollen nicht „In 90 Tagen um die Welt“, aber wir wollen unsere Ziele erreichen, was mindestens genauso schwer sein kann.

Deine Aufgabe als Trainer ist es, Hilfestellungen zu geben, damit das Team seine Ziele nicht nur formulieren kann, sondern auch eine Chance hat, diese umzusetzen.

Die Fragestellung ist ganz einfach, die richtigen Antworten zu finden schon schwerer.

Das „Wir“ gewinnt!

Welche drei Ziele wollen wir als Team erreichen?

  • Ziel 1: in den nächsten 30 Tagen?
  • Ziel 2: in den nächsten 60 Tagen?
  • Ziel 3: in den nächsten 90 Tagen?

Schildere kurz, dass Mannschafts-Ziele der „Brennstoff“ für Erfolge sind. Diese Ziele müssen gelebt und konsequent verfolgt werden, nur Aktion ist Aktion!

Biete zur Fragestellung wieder Hilfestellungen an, liefere Ideen für mögliche Zielvorgaben. Die Spieler sollen deine Vorschläge aber nicht einfach übernehmen, sie sollen eigene Wünsche aussprechen, eine Einigung finden und diese festhalten.

Hier ein Beispiel, was du anbieten könntest:

  • Ziel 1: Einführung und Festigung der Rituale, welche Rituale genau?
  • Ziel 2: 14tägig ein Sondertraining anbieten (Torschuss/Technik), dazu werden sofort feste Termine festgelegt.
  • Ziel 3: Leben von Werten! „Ich bin okay – Du bist okay!“ Dies ist der Grundsatz für einen gelungenen Start.

Welche Ziele letztlich von der Mannschaft auch formuliert werden, notiere sie großzügig auf das Teamplakat und lass dir dieses Plakat „feierlich“ von jedem Spieler unterschreiben.

Betone aber vorher, dass eine Unterschrift eine Verpflichtung darstellt, sich diesen Zielen zu stellen. Falls möglich, sollte es ab sofort gut sichtbar an der Kabinentür hängen oder/und dort, wo ihr euch häufig seht. Ist beides nicht möglich, gehört das Plakat immer bei den Spielen an die Kabinentür, es darf auf keinen Fall verschwinden.

Sollte nach 30 Tagen, dass erste Ziel erreicht worden sein, bitte einen großen Haken dahinter setzen! So geht es weiter, bei 60 und 90 Tagen. Dein Team hat jetzt per Plakat-Unterschrift unter den eigenen Zielen Play2win mit Leben gefüllt. Toll! Junge Menschen wollen miteinander Ziele erreichen. Du darfst stolz auf deine Mannschaft sein und auch ein Stück weit auf dich selbst, denn du hattest den Mut, als Trainer neue Wege zu gehen.

„Ich bin stolz auf euch und ihr könnt stolz auf euer Team sein. Ihr habt euch Ziele als Team gesteckt und euch damit gleichzeitig entschieden, miteinander erfolgreich Fußball zu spielen.

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