Spielertypen im Kinderfußball

Eltern sorgen sich, wenn sich ihr Kind introvertiert verhält. Egal ob im Kindergarten oder in der Schule, überall wird vom Kind Interaktion mit anderen Kindern gefordert. In der Schule gibt es schlechte Noten, weil ein introvertiertes Kind sich weniger mitteilt, aber was passiert beim Sport?

Extrovertierte und introvertierte Menschen, diese Persönlichkeitseigenschaften gibt es auch im Kinderfußball, wie geht ein Kindertrainertrainer damit um?

Bei Kindern gibt es „Typen“, die bei Jugendlichen und Erwachsenen auch anzutreffen sind. Menschen auf die Bezeichnung „Typen“ zu reduzieren, reicht im zwischenmenschlichen Verhalten nicht aus, schon gar nicht bei Kindern.

Kinder sind Persönlichkeiten und zwar keine halbfertigen, sondern komplette und jedem Kinderfußballtrainer sollte dies bewusst sein. Entsprechend hat jedes Kind das Recht, als Persönlichkeit respektiert zu werden. Wir geben den Kindern den Respekt, nur so können wir den Respekt zurückbekommen, den wir von ihnen erwarten.

Trainingshilfsmittel für Fußballtrainer

Introvertiertes oder extrovertiertes Kind, wer wird der bessere Fußballer?

In der fußballerischen Ausbildung behandelt der Trainer alle Kinder gleich. Gleiche Spielzeiten für alle, jeder darf/muss auf jeder Position spielen und das Fußballtraining ist für alle identisch. Die Gleichbehandlung ist der Nährboden für Vertrauen, kein Kind fühlt sich benachteiligt, keins minderwertig.

Die fußballerische Gleichbehandlung ist schon schwer umzusetzen, die Trainerpraxis sieht dann oft anders aus. Die Schwierigkeiten nehmen dort zu, wo Kinder nicht mehr gleichbehandelt werden dürfen und damit sind wir wieder beim Eingangs-Statement zu den Kinder-Persönlichkeiten. Dieses Gleichheitsstreben des Kindertrainers, ist bei einer wichtigen Persönlichkeitseigenschaft von Kinder beendet, der Extraversion. Diese unterscheidet, je nach Ausprägung, zwischen extrovertierten und introvertierten Kindern.

Bevor ich die Eingangsfrage beantworte, wer denn nun der bessere Fußballer wird, folgt ein kleiner Ausflug in die Welt der Persönlichkeitspsychologie. Ordne dich selbst mal ein und zwar nicht dort, wo es dir am besten gefällt, sondern dort, wo du hingehörst.

Einführung ins Thema Extraversion und Introversion im Kinderfußball

Quelle: Wikipedia

Die Persönlichkeitspsychologie beschreibt als Standard der Persönlichkeitseigenschaften ein Fünf-Faktoren-Modell (Big Five). Hiernach wird jeder Mensch in schwächer oder stärker ausgeprägten Dimensionen eingeordnet.

Die Big Five sind:

  1. Offenheit für Erfahrungen (Aufgeschlossenheit)
    Ein Mensch ist konservativ und vorsichtig oder erfinderisch und neugierig<
  2. Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus)
    Ein Mensch ist unbekümmert und nachlässig oder effektiv und organisiert
  3. Extraversion (Geselligkeit, Begeisterungsfähigkeit) Stark ausgeprägt = Extraversion oder schwach ausgeprägt = Introversion
  4. Verträglichkeit (Rücksichtnahme, Kooperationsbereitschaft, Empathie)
    Ein Mensch ist wettbewerbsorientiert und antagonistisch oder kooperativ, freundlich und mitfühlend
  5. Neurotizismus (emotionale Labilität und Verletzlichkeit)
    Ein Mensch ist selbstsicher und ruhig oder emotional und verletzlich

Wie wird Extraversion definiert?

Die Extraversion umfasst menschliche Aktivitäten. Hierzu zählen die Geselligkeit, Begeisterungsfähigkeit, das gesamte zwischenmenschliche Verhalten. Menschen mit stark ausgeprägter Extraversion werden als „extrovertiert“ bezeichnet, die mit schwach ausgeprägten Werten als „introvertiert“.

Der extrovertierte Mensch

Ist eine Person extrovertiert, dann ist sie sehr gesprächig und für jede Aufregung zu haben. Sie ist Optimist, fast immer gut drauf und in der Mimik und Gestik beeindruckend und sehr kreativ. Sie ist immer Handlungsbereit, voller Ehrgeiz und Energie, neigt aber auch zur Selbstdarstellung.

Der introvertierte Mensch

Ist eine Person introvertiert, ist sie selbst bei sozialen Aktivitäten lieber allein und unabhängig. Dies bedeutet nicht, dass ein introvertierter Mensch inaktiv ist, er kann sehr starke Aktivitäten entfalten, aber eben nicht in Gesellschaft. Er glänzt durch Zurückhaltung, Schweigsamkeit, Ruhe, Schüchternheit und hört gerne zu. Eine introvertierte Person wirkt immer konzentriert, sie ist mehr der „Denker“ als der „Macher“. Introvertierte Menschen können hochintelligent sein.

In welcher Schublade steckst du?

So sehr sich die Wissenschaft auch bemüht, Menschen lassen sich nicht in Schubladen ablegen. Eine eindeutige Zuordnung der Persönlichkeit wird es nie geben, dazu ist der Mensch viel zu kompliziert.

Jeder Mensch verfügt über Eigenschaften, die sich in verschiedenen Merkmalen einordnen lassen. Eine Tendenz lässt sich ableiten und daraus das Ergebnis, ob Intro- oder Extrovertiertheit vorliegt.

Selbst dann ist es nur ein subjektiver Eindruck des Beobachters. Es gibt Kinder, die Verhalten sich im vertrauten Umfeld extrovertiert, unter Fremden sind sie dann wieder schüchtern und zurückhaltend. Es geht aber auch andersrum: Kinder sind in der heimischen Umgebung lieb und ruhig, aber wehe sie verlassen das traute Heim, dann geht die Post richtig ab.

Kinderfußball - Nicht alle Kinder sind gleich

Jetzt wissen wir worum es geht, was die Sache für den Kinderfußballtrainer nicht einfacher macht. Jeder Kindertrainer kennt die extro- und introvertierten Kinder in seinem Team und sollte mal die Persönlichkeitseigenschaften den Kindern ganz bewusst zuordnen. Die Verhaltensmuster sind unterschiedlich intensiv ausgeprägt, aber jedes Kind lässt sich mit seinem Verhalten auf dem Fußballplatz und im Team einschätzen. Ob das Kind sich nur beim Fußball so verhält, bleibt dem Trainer verborgen und er kann dies nur bei den Eltern erfragen. Ist dies so, wird das Kind durch irgendetwas ausgebremst oder angetrieben, vielleicht durch andere Spieler, der Grund könnte aber auch das Trainerverhalten sein.

Was fällt dir bei der Zuordnung deiner Fußballkinder auf?

Die Kinder befinden sich noch in der Entwicklung und die Persönlichkeitseigenschaften können sich mit den Jahren in eine komplett andere Richtung entwickeln. Schau dir mal deine Einteilung der Kinder in extro- und introvertierte an. Fällt dir was auf?

Es sind oft die früh im Jahr geborenen Kinder die extrovertiert sind. Sie sind in der Entwicklung schon weiter als Weihnachtskinder, sie sind körperlich stärker und leben dies auch im Charakter aus. Im Laufe der Jahre gleicht sich das oft nicht nur aus, es kehrt sich um und die Weihnachtskinder bestimmen das Geschehen mit ihrem Verhalten.

Die extrovertierten Kinder sind kaum zu bremsen, ohne Bewegung langweilen sie sich schnell. Sie reden viel und bevor sie einen Satz beendet haben, kommt mindestens ein weiterer Gedanke dazu. Es wird sofort gehandelt und bei Wartezeiten, werden sofort andere Aktivitäten umgesetzt. Übungen sind noch nicht ganz aufgebaut, da fangen sie schon an. So kann es auch mal passieren, dass nur die Hälfte von dem ankommt, was gerade erklärt wird. Sie suchen die Aufmerksamkeit des Trainers und der anderen Kinder und wollen im Mittelpunkt stehen. Die Lockerheit prägt ihr Verhalten, egal mit wem sie kommunizieren.

Introvertierte Kinder müssen erstmal verarbeiten, was sie gerade erlebt haben. Trainingsübungen mit mehr als zwei Mitspielern sind stressig und sie schauen dann gerne erstmal zu. Wenn sie irgendwann die Situation überschauen, sind sie bereit, sich aktiv zu beteiligen. Dadurch verpassen sie manchmal Abläufe, weil sie nicht mehr berücksichtigt werden. Kommunikation ist nicht so ihr Ding, es sei denn, es geht um ihr Lieblingsthema. Sie wirken desinteressiert, beobachten und analysieren das Geschehen aber ganz genau. Stehen sie im Mittelpunkt, fühlen sie sich unwohl.

Der Kindertrainer wählt die richtige Ansprache

Extrovertierte Kinder werden vom Trainer durch gezielte Ansprache immer wieder gebremst. Nicht ständig, denn sie haben das Recht sich entfalten zu dürfen und kreativ zu sein. Dieses Recht endet, wenn sie durch ihr Verhalten andere Kinder oder den Trainer stören. Der Teamgedanke steht im Vordergrund und dies müssen diese Kinder lernen. Es dreht sich nicht alles um sie, auch wenn es ihnen schwerfällt, dies zu akzeptieren. Bei disziplinarischen Maßnahmen gegen extrovertierte Kinder ist unbedingt darauf zu achten, keine Teamstrafen zu verhängen. Dies würde auch die introvertierten Kinder treffen und die sind unschuldig, wie sollen sie das verstehen?

Bei introvertierten Kindern ist zusätzlicher Druck nicht förderlich. Sie wollen keine Fehler machen und setzen sich deshalb schon genügend selbst unter Druck. Kommt dann noch die Erwartungshaltung der Eltern dazu, können sie an dem Druck zerbrechen. Als Trainer solltest du sie immer wieder animieren, sich mehr zuzutrauen und sie viel loben.

Egal ob extrovertiert oder introvertiert, Fußballkinder benötigen ihre Freiräume. Das extrovertierte Kind wird sich diese Freiräume nehmen, dem introvertierten Kind werden diese vom Trainer aufgezeigt. Jedes Kind darf Fehler machen und dem introvertierten Kind müssen wir das immer wieder sagen: „Geh in den Zweikampf, es ist mir egal, ob du am Gegner hängen bleibst. Probiere es, mach es.“

Wer wird denn nun der bessere Fußballer?

Eine Frage soll nicht mit einer Gegenfrage beantwortet werden, aber hier mache ich eine Ausnahme: Warum ist das wichtig?

Als Kindertrainer ist die Vermittlung der Freude am Sport die wichtigste Aufgabe. Dabei ist es völlig egal, ob aus einem Kind ein guter Fußballer wird. Jedes Kind hat das Recht, fußballerisch optimal ausgebildet zu werden. Ob es dann später überhaupt im Seniorenbereich ankommt, weiß niemand.

Ich will aber nicht ausweichen, die Frage habe ich selbst gestellt. Aus dem Artikel ist herauszulesen, ob aus einem extrovertierten oder introvertierten Kind ein besserer Fußballer wird, kann niemand wissen. In der Kindesentwicklung gibt es viele Schwankungen und fußballerische Leistung, ist nicht dauerhaft von den hier beschrieben Persönlichkeitseigenschaften abhängig.

Im Profifußball gibt es sie auch, extro- und introvertierte Menschen. Thomas Müller ist unumstritten extrovertiert, Mesut Özil introvertiert. Dies ist der Eindruck aus den Medien, aber stille Wasser sind tief. Manchmal täuscht man sich und vielleicht ist Özil im wirklichen Leben ein Partylöwe.

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