Zu feige für den Zweikampf?

Spieler und Spielrinnen rufen im Wettkampf miteinander nicht immer ihr volles Potenzial ab. Sie meiden oder gehen sehr zurückhaltend in Zweikämpfe. Dies ist keine Seltenheit und Trainer finden selten Lösungen, um diese Blockade zu lösen.

Im Artikel werden Ursachen beschrieben, die ursächlich für die Angst vor Zweikämpfe verantwortlich sind. Zusätzlich werden 15 einfache Übungen vorgestellt, die diese Angst mindern können, insbesondere im Bereich der Körperlichkeit.

Eine Überschrift, die das Phänomen der Zweikampfangst viel zu einfach beschreibt. Feigheit ist relativ und die tatsächlichen Ursachen liegen oft viel tiefer. Es gibt viele Gründe, weshalb Spieler und Spielerinnen im Zweikampfverhalten zurückhaltend agieren. Es beginnt beim mangelnden Selbstvertrauen, manchmal ist es einfach nur die Angst, andere verletzen zu können, die Versagensangst oder schmerzhafte Erfahrungen, die sich im Kopf festgesetzt haben. Es geht sogar so weit, dass im Training jeder Zweikampf angenommen wird, im Spiel gegen andere Teams aber nicht.

Trainingshilfsmittel für Fußballtrainer

Die Angst vorm Zweikampf beginnt im Kopf

Angst ist ein emotionaler Zustand, im Fußball-Zweikampf äußert sich diese Angst durch starke Besorgnisse, Befürchtungen, Versagensängsten, bis hin zu sozialen Blamagen. Psychologisch lösen diese Gedanken und Gefühle genau das aus, was nicht passieren sollte: Denn diese innere Unruhe und das damit verbundene, geringe Selbstvertrauen, führen zum Zweikampfverlust. Der Spieler bemerkt dies, Symptome wie der Anstieg der Herz- und Atemfrequenz führen zum Kontrollverlust.

Insbesondere Verletzungen fördern für die Zukunft die starke Zurückhaltung im Zweikampf und auch die Angst vor dem Ball. Die Verletzung muss ihren Ursprung nicht in einem Fußballspiel haben. Bricht sich ein Spieler beispielhaft die Nase, wird er dazu aufgefordert, vorsichtig zu sein, er soll auf seine Nase aufpassen. Nicht immer schafft es der Spieler diese Vorsicht abzulegen, auch wenn die Nase bereits verheilt ist. Er zieht weiterhin im Zweikampf zurück, dreht sich weg oder tritt nicht gegen den Ball. Die Angst vor erneuten Verletzungen lösen so Leistungsblockaden aus, der Kopf ist nicht frei.

Das Entscheidungsverhalten wird durch solche negativen Erlebnisse stark beeinflusst. Oft reicht dazu schon aus, wenn eine Verletzung bei einem Mitspieler beobachtet wurde, bei den ersten Zweikämpfen im Kinderfußball versagt wurde oder man den Ball unglücklich ins Gesicht bekommt. Dem Spieler mangelt es an Selbstvertrauen und die gefürchteten Dinge, Versagen und Verletzung, treten dann tatsächlich häufiger auf. Diese Angstempfindung erhöht das Gefühl der Handlungsunfähigkeit. Ohne dieses Selbstvertrauen wird der Spieler in seinen Aktionen gehemmt und die Fehlerquote steigt und steigt.

Die Angst vor Zweikämpfen ist berechtigt

Wenn wir kurz innehalten, ja, Fußballspielen kann Ängste auslösen. Ich erinnere mich an ein Spiel, es war in der E-Jugend, kindgerechten Fußball gab es damals noch gar nicht. Das gegnerische Team erhielt ca. 6 Meter vor dem Tor einen indirekten Freistoß. Da stand ein Spieler, gefühlt zwei Köpfe größer als die wir in der Mauer. Er wartete auf die Ballablage mit den Worten „Die schieße ich alle mit ins Tor“. Welches Kind möchte da schon gerne in der Mauer stehen. Der Ball wurde abgelegt und der körperlich sehr starke Spieler trat am Ball vorbei … Glück gehabt!

Dies zeigt, wie allein durch die Körperlichkeit Ängste ausgelöst werden und dazu müssen wir nicht nur in den Kinderfußball schauen. Welcher Profispieler ist wirklich ohne Sorge in den Zweikampf mit Oliver Kahn gegangen?

Nicht nur die Körperlichkeit kann Zweikampfängste auslösen. Es ist das Auftreten des Gegenspielers und er macht deutlich, ich habe keine Angst und nehme auch keine Rücksicht.

Grundsätzliche Tipps zur Minderung der Zweikampfangst

  • Zunächst benötigst du viel Geduld. Gerade Kinder durchlaufen Entwicklungsphasen und aus kleinen „Angsthasen“ im Zweikampf, werden -im Laufe der Zeit- gefürchtete Zweikämpfer.
  • Du solltest die Spieler immer wieder ermutigen und mit viel Lob ständig Selbstvertrauen vermitteln. „Hast du prima gemacht, klasse, wenn du jetzt noch …“, baut jeden Spieler auf und es ist wirklich einfach, so Selbstvertrauen aufzubauen.
  • Damit die Spieler die Angst vor dem Ball verlieren, solltest du sie mit der Ballannahme mit allen Körperteilen vertraut machen, damit sie zunächst die Angst vor dem Spielgerät verlieren. Dies ist Grundvoraussetzung, um Zweikämpfe anzunehmen.
  • Trainiere immer wieder das 1 gegen 1 mit einfachen Übungsformen. Auch das 2 gegen 2 solltest du immer wieder anbieten. Viele Übungsformen dazu findest du auf Soccerdrills in den Trainingsübungen unter „Zweikampf“.

Einfache Trainingsübungen zur speziellen Förderung der Körperlichkeit

Alle 15 Übungen als PDF

Bitte nicht verwechseln: Wir trainieren Körperlichkeit, die Spieler sollen dabei fair bleiben. Übertriebene Körperlichkeit sollte bestraft werden.

  1. Die Spieler laufen wahllos in einem Rechteck umher und rempeln dabei leicht mit den Schultern gegeneinander.
  2. Zwei Spieler laufen nebeneinander her, einer dribbelt. Nach einigen Metern wird der Ball durch leichtes Schulterrempeln erobert.
  3. Zwei Spieler stehen Rücken an Rücken und haken sich dabei mit den Armen ein. Sie lassen einen Ball kreisen.
  4. Markiere einen kleinen Kreis. Zwei Spieler treten gegeneinander an und versuchen den Gegenspieler aus dem Kreis zu drängen. Sumo-Ringen für Fußballer.
  5. Spielerpaare treten gegeneinander an und stehen jeweils auf einem Bein. Mit dem anderen Bein wird „gehakelt“ und versucht, dass der Gegenspieler gezwungen ist, das Standbein zu wechseln. Wir spielen bis 10.
  6. Alle Spieler Hüpfen in einem Rechteck auf einem Bein. Sie versuchen durch Schulterdrücken, andere Spieler zum Beinwechseln zu zwingen.
  7. Markiere einen Korridor mit Hütchen. Zwei Spieler starten nebeneinander in den Korridor und versuchen den Gegenspieler aus der Bahn zu stoßen.
  8. Ein Spieler läuft einen Gegenspieler im Rücken an, der an einer Linie steht und einen Ball mit dem Fuß sichert. Der ballführende Spieler darf die Linie nicht übertreten. In seinem Rücken klebt der anlaufende Spieler und versucht ihn über die Linie zu drücken.
  9. Wie 8., wir legen einen Ball auf ein Hütchen. Einer schirmt den Ball ab, der andere Spieler versucht den Ball vom Hütchen zu stoßen.
  10. Wie 8. Und 9., jetzt ganz ohne Hilfsmittel. Ein Spieler schirmt den ruhenden Ball mit dem Körper ab, der andere will zum Ball. Wer schafft es, den Ball länger abzuschirmen, oder wer hält den Ball 30 Sekunden?
  11. Ein Spieler versucht den anderen aufzuhalten, der ein Feld ohne Ball durchqueren möchte.
  12. Zwei Spieler halten sich gegenseitig am Trikot fest und laufen vorwärts. Ist das Ende der festgelegten Strecke erreicht, stoßen sie sich mit den Schultern ab und sprinten zur Startposition zurück.
  13. Diese Übung ist Standard und kennt jeder: Der Trainer wirft (rollt) den Ball zwischen zwei startende Spieler hindurch. Es folgt der Kampf um den Ball mit Torabschluss (Mini-Tor, Hütchentor, Stangentor).
  14. Wie 13., die Spieler haken sich beim Lauf zum Ball ein.
  15. Viele Bälle werden in einem begrenzten Übungsfeld abgelegt. Es gibt aber weniger Bälle als Spieler, die auf Kommando ins Feld laufen. Wer nach 30 Sekunden einen Ball hat, erhält einen Punkt.
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Von der F- bis zur A-Jugend

Nicht nur die körperliche, auch die mentale Fitness ist wichtig für einen erfolgreichen Fußballspieler und seine Persönlichkeitsentwicklung. Dieses Buch ist für den Nachwuchsbereich gedacht und liefert wertvolle Beiträge zu diesem Thema aus sportpsychologischer Sicht.

Es werden Strategien und Übungen vorgestellt, die für alle Altersbereiche gleich gegliedert sind, aber jeweils mit anderen Schwerpunkten versehen werden. Ziel ist es die jungen Spieler trotz der individuellen Unterschiede zu Persönlichkeiten auszubilden, die in der Lage sind, auch in schwierigen Situationen mental zu bestehen. Insgesamt gehen die Autoren im Training auf fünf Hauptaspekte ein, Konzentration, Kompetenzerwartung, Aktivierungsregulierung, Emotionsregulierung und Teamfähigkeit.

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Mental gestärkt erfolgreich Fußball spielen

Jeder Fußballtrainer weiß, dass nicht nur körperliche Fitness und technische und taktische Fähigkeiten für den Erfolg verantwortlich sind, sondern auch die mentale Stärke. Aber die wenigsten wissen, wie sie diese Fähigkeiten bei ihren Spielern trainieren und verbessern können, schließlich sind sie keine ausgebildeten Psychologen.

Diese Lücke schließt dieses Buch, das sich auch an Betreuer und Eltern wendet, in eindrucksvoller Art und Weise. Es werden Wege aufgezeichnet, wie und warum sportpsychologische Maßnahmen wirken, wie die Rolle des Trainers in diesem System aussieht und welche konkreten Übungen man anwenden kann.

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Facetten eines unbeachteten Phänomens

Scham und Beschämung sind ein hochsensibles Thema im Sport, besonders in der Schule. Betroffen sind meist leistungsschwache Kinder, die solche Situationen wie zum Beispiel bei der Mannschaftswahl häufig erleben.

Dieses Buch ist eine wissenschaftliche Ausarbeitung und bezieht sich grundsätzlich auf solche Konstellationen im Schulsport, ist aber für jeden Fußballtrainer im Kinder- und Jugendbereich eine große Hilfe. Denn auch sie werden immer wieder mit solchen Problemen konfrontiert. Dafür gibt es in diesem Buch ein eigenes Kapitel, das sich dem Transfer der Ergebnisse auf den Vereinssport widmet.

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Der Einfluss der Pubertät- Die Auswirkungen auf das Lernen - Die Rolle des Trainers

Nach dem bereits in der 6. Auflage erschienen Buches „Psychologie im Sport“, widmet sich der Autor hier der Psychologie des Jugendsports.

Grundkenntnisse über körperliche und psychische Veränderungen in der Pubertät und ihre gegenseitigen Wechselwirkungen gehören heute zum Rüstzeug eines Trainers und Jugendbetreuers.

Unstrittig ist, dass gerade bei jugendlichen Sportlerinnen und Sportlern die individuelle Lebenssituation und die persönlichen Voraussetzungen eine wesentliche Rolle für die Art, die Intensität und die Richtung sportlichen Handelns darstellen. Auch die Eltern spielen eine Rolle und werden in ihrem Einfluss auf das sportliche Verhalten ihrer Kinder angesprochen.

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