Mehr Kinder im Fußballverein, aber wie?

Entweder ihr zeugt mehr Kinder oder euer Verein hat ein Konzept.

Die Mitgliedergewinnung hat in den Fußballvereinen oberste Priorität. Dies beginnt bei den Bambini, in der F-Jugend könnte es bereits zu spät sein. Du erfährst hier die Hintergründe, warum Mitgliedergewinnung in den jungen Jahren so wichtig ist und welche Konzepte erfolgsversprechend sind.

Mitgliedergewinnung - Hintergründe und Konzepte

Es gibt sie noch, die Regionen, in denen die Kinder in die Fußballvereine strömen. Insbesondere der Erfolg bei der WM 2014 und die weiteren Erfolge der Nationalmannschaft sorgen dafür, dass viele Kinder in den Fußballvereinen angemeldet werden und es entsprechende Zuwachsraten gibt.

Die Vereine sollten sich jetzt aber nicht darauf ausruhen, denn der demografische Trend wird irgendwann auch sie treffen. Selbstzufriedenheit ist die größte Gefahr. In den ländlichen Gebieten gibt es vielerorts schon jetzt das Problem, ausreichend Kinder für den Fußball zu begeistern, weil einfach nicht genügend Kinder vorhanden sind. Die Folge ist, dass sich die Nachwuchskicker auf die Vereine konzentrieren, wo sie genügend Altersgenossen antreffen.

Es ist nur eine Frage der Zeit, viel mehr Vereine werden diesen Wandel bald spüren.

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Der demografische Fußballwandel

Wie das statistische Bundesamt im Mai 2017 bekanntgab, sind die Deutschen in Europa bei der Geburtenziffer unterdurchschnittlich. Je Frau lag die Geburtenziffer in 2015 bei 1,5 Kindern, die Österreicherinnen liegen fast gleichauf. In Frankreich lag die Geburtenziffer bei 1,96 und in Irland bei 1,92, dies sind die gebärfreudigsten Länder in der EU. Allerdings lag der Wert in Deutschland 2009 noch bei 1,36 Kindern, eine Steigerung ist also zu verzeichnen.

Es besteht trotzdem keinen Grund auf mehr Fußballnachwuchs zu hoffen. Das Schrumpfen der Bevölkerung lässt sich nur mit einer Geburtenrate von 2,1 stoppen. Die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter ist derzeit deutlich niedriger als die der alten Menschen. "Die Kinder, die vor 30 Jahren nicht geboren wurden, können heute nicht Mütter sein", so Martin Bujard, Forschungsdirektor beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung.

Der „Kampf um die Kinder“ im Sport

Die einzelnen Sportverbände haben dieses Problem längst erkannt und das Buhlen um die Kinder hat begonnen. Egal ob beim Fußball, Handball, Turnen oder in der Leichtathletik, in allen Sportarten stellen sich die Fragen: Wie können wir die Kinder für unseren Sport begeistern, welche Konzepte können erfolgreich sein?

Der DFB begann deshalb vor einigen Jahren damit, Ausbildungskonzepte für sehr junge Jahrgänge zu entwickeln. Denn, je früher die Kinder an den Fußballverein gebunden werden, desto größer ist die Chance, dass sie dem Fußball erhalten bleiben. Früher wurde das Turnen als Einstieg in ein sportliches Leben akzeptiert, heute ist die Sorge größer, die Kinder könnten sich für eine andere Sportart begeistern.

Die Bezeichnung „Ausbildungskonzept“ ist dabei irreführend, denn „Fußballspielen“ spielt in diesem Konzept eine untergeordnete Rolle. Der DFB propagiert eine ganzheitliche sportliche Förderung, in der der Spaß und die Bewegung an erster Stelle steht. Dies ist auch richtig so, denn eine zu frühe Spezialisierung, stünde dem Kindeswohl entgegen.

Ich bitte darum, diese Sätze richtig zu deuten. Es ist legitim, dass der DFB die Kinder möglichst früh in die Fußballvereine integrieren möchte und die Ausbildungsinhalte entsprechen vielseitig vorgibt. Bei den Bambini und in der F-Jugend steht die Freude an der Bewegung im Vordergrund. Ich weiß, ich wiederhole mich, denn manchmal denke ich, dies ist noch nicht überall bei den Verantwortlichen angekommen.

Vor einigen Jahren hat der DFB auch begonnen, Mädchen und Frauen für den Fußball zu begeistern. Lange wurde dies vernachlässigt. War auch das eine Reaktion auf den demografischen Wandel, denn hier schlummerte noch großes Mitgliederpotenzial? Na ja, dies ist nur eine Vermutung, ohne jegliche Grundlage.

Vereinskonzept - Qualität vor Quantität im Kinderfußball

Die Fußballvereine sind aufgefordert, Konzepte und konkrete Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, um über eine aktive Mitgliedergewinnung die eigene Zukunft zu sichern.

Diese Aufforderung an die Vereine, die Mitgliedergewinnung zu forcieren, entbehrt leider einer wichtigen Grundvoraussetzung. Es darf nicht der zweite vor dem ersten Schritt folgen. Die erste Maßnahme sollte sein, für die neuen Kinder ein perfektes Umfeld zu schaffen, damit eine altersgerechte, fachlich fundierte Betreuung durch Übungsleiter oder Übungsleiterinnen gewährleistet ist. Aus den Ausbildungsinhalten für die Kids geht es hervor, fußballerisches Fachwissen ist dabei eher hinderlich.

Wenn der Verein diese Voraussetzungen umsetzen kann und erst dann, kann aktiv mit der Mitgliedergewinnung begonnen werden. Kommen Kinder in die Vereine und die Betreuung ist ungenügend, sind sie auch bald wieder weg. Jedes Kind hat das Recht in einem Verein mit anderen zu spielen und gut zu trainieren.

Verein, Eltern, Kindergarten und Schule

Hört sich alles ziemlich klug an, wenn da nicht die Vereinspraxis wäre. Wer soll das denn noch machen? Wer erarbeitet das Konzept? Ich hoffe, das Ehrenamt lebt in deinem Verein. Die Mitgliedergewinnung funktioniert ohne Strukturen im Verein nicht. Setzt euch zusammen und überlegt gemeinsam, wie ihr die Zukunft eures Vereins sichern könnt.

Alle Maßnahmen werden nur in enger Zusammenarbeit mit Verein, Eltern, Kindergärten und Schulen funktionieren. Der Verein muss dabei die ersten Schritte unternehmen, von allein kommen weder Eltern, noch Kindergärten oder Schulen auf euch zu. Versucht bereits beim Start von Aktivitäten, weitere Personen aus diesem Umfeld zur Unterstützung zu gewinnen.

Konzept zur Kooperation mit Kindergärten und Schulen

Es beginnt mit der Kontaktaufnahme zu den Kindergärten und Schulen. Ein Konzept und Informationen zum Verein sollten professionell erarbeitet werden, der erste Eindruck ist wichtig.

Ladet die Kindergärten und Schulen zu Vereinsveranstaltungen ein, bindet sie mit ein. Organisiert zum Beispiel ein Sport- oder Spielfest, verteilt Einladungen zu einem Schnuppertraining. Handzettel, Flyer sind schnell entworfen und gedruckt, die lokale Presse wird informiert. Vielleicht habt ihr auch einen tollen Internetauftritt, verweist darauf.

Bei der Organisation von Veranstaltungen wird oft die Nachbearbeitung unterschätzt oder komplett vergessen. Gerade dann darf der Kontakt nicht abreißen. Die Mitgliedergewinnung ist nicht beendet, sie fängt erst richtig an.

Welche gemeinsamen Veranstaltungen sind zukünftig mit Eltern, Kindergärten und Schulen möglich? Kann eventuell ein Vereinstrainer dort bei Veranstaltungen, Fußball-AGs und Spielstunden direkt unterstützen?

Fazit: Alles nicht so schlimm

Mit diesen Konzepten kann die Mitgliedergewinnung beginnen. Sieht nicht so aus, aber wenn es professionell durchgezogen wird, ist der Aufwand nicht zu unterschätzen. Suche doch einfach mal das Gespräch im Verein zu diesem Thema, oft ist die Wichtigkeit noch gar nicht erkannt worden oder wird verdrängt.

Ich wünsche deinem Verein für die Zukunft alles Gute!

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