Aggressionen im Fußball

Als Trainer fordern wir von unserem Team aggressives Spiel. Dabei müssen wir deutlich unterscheiden, welche Aggressionen wir wollen und welche nicht.

Im Fußball unterscheiden wir zwischen konstruktiven und destruktiven Aggressionen. Wie werden Aggressionen ausgelöst und wie kann der Trainer diese steuern?

Neben der sportlichen Betätigung bietet der Fußball einen Nährboden für die Persönlichkeitsförderung. Allerdings ist der Fußball ist auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und orientiert sich an den Werten und Normen, darin lauert auch eine stetige Gefahr. Dies ist nicht neu: Schauspielerei, Unsportlichkeiten, brutale Fouls, Beleidigungen oder Zuschauerausschreitungen, es gibt viele schädliche Aggressionen im Fußball.

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Konstruktive und destruktive Aggression

Der Begriff „Aggression“ ist meistens negativ belegt, dabei sind Aggressionen für den fußballerischen Erfolg unverzichtbar. Damit wir hier deutlich trennen, unterscheiden wir zwischen konstruktiven und destruktiven Aggressionen im Fußball.

Konstruktive Aggressionen im Fußball

Zu den konstruktiven Aggressionen gehört die Leistungsbereitschaft, eine faire Härte im Zweikampf oder wie der Trainer gerne motivierend sagt: „Jeder geht an seine Leistungsgrenze“. Wir fordern hohen Körpereinsatz, frühes Attackieren des Ballbesitzers und der Gegner soll nicht ins Spiel kommen. Der harte, faire Körpereinsatz im Zweikampf und das energische Nachsetzen bei Ballverlust sind erfolgsversprechende und legitime Merkmale konstruktiver Aggressionen.

Destruktive Aggressionen im Fußball

Mit destruktiven Aggressionen schießt der Fußballspieler übers Ziel hinaus, es wird unsportlich. Er versucht übers seine Aggressionen einen regelwidrigen Vorteil zu erlangen. Nicht zu akzeptieren sind hierbei das Provozieren, das versteckte Foulspiel, verbale Drohungen und Beleidigungen.

Zu den Merkmalen der destruktiven Aggression zählen die bewussten Regelübertretungen und da scheiden sich dann die Geister. Einigkeit sollte darüber herrschen, dass bewusste Foulspiele die eine Verletzung des Gegners in Kauf nehmen, auf dem Fußballplatz nichts zu suchen haben.

Mit destruktiven Aggressionen zum Erfolg?

Je älter die Spieler werden, desto größer ist die Bereitschaft, sich bewusst durch regelwidriges Verhalten Vorteile zu verschaffen. Der Erfolg rechtfertigt die Mittel und dann wird der Gegenspieler eben festgehalten und noch besser ist es, man wird dabei nicht erwischt.

Durch eine Grätsche in die Beine und der nachfolgenden gelben Karte, wird ein „Zeichen gesetzt“, die Mannschaft soll aufwachen und die Kommentatoren im TV legitimieren dies entsprechend. Das taktische Foul und die Notbremse gehören längst zur fußballerischen Ausbildung dazu. Wahrscheinlich provoziere ich damit, aber Studien haben längst bewiesen, je älter die Fußballer werden, desto höher wird die Identifikation mit dem Profifußball und dort sind andere Werte wichtiger als Fairplay.

Positiver Steuerung von Aggressionen im Fußball

Aggression als genetischer Code

Sigmund Freund ging davon aus, dass Aggression eine Veranlagung ist. Nach heutigem Stand, wäre sie in den Genen verankert, also angeboren. Was Freud nicht wissen konnte, die Genforschung liefert ganz andere Ergebnisse. Die Physis und das Temperament können eingeschränkt angeboren sein, Aggressionen sind ein Teil der Persönlichkeitsentwicklung beim Menschen.

Aggression durch Spielerfrust

Aggression wird häufig durch Frustration ausgelöst. Ein Spieler bleibt am Abwehrspieler hängen, dabei wir er gefoult und durch den Ballverlust, erzielt der Gegner ein vielleicht spielendscheidendes Tor. Dadurch entsteht Frust, der sich nicht selten in der nächsten Szene durch ein Revanchefoul entlädt. Je stärker der Frust, desto höher die Aggressivität und der Frust reduziert sich erst, wenn er in Aggression umgesetzt wird, leider meistens emotional und destruktiv. Eine zu erwartende Bestrafung kann den Frust hemmen und nach einer gewissen Zeit entwickelt sich eine Schwächung der frustbedingten Aggression.

Aggression durch Frust ist zeitlich begrenzt und die Stärke abhängig von der Persönlichkeit und äußeren Einflüssen. Wird in unserm Beispiel vom Trainer und/oder den Zuschauern die Aktion mit entsprechenden Reaktionen begleitet, kann die Situation schnell eskalieren. Der Spieler fühlt sich in seinem Frust bestätigt und die „Rückendeckung“ kann schnell zu Überreaktionen beim Entladen der Aggression führen.

Aggressionen durch Lernen

Eine weitere Aggressions-Theorie besagt, dass die Persönlichkeitsentwicklung, das soziale Umfeld und die Lebenserfahrung Aggressionen steuern und auslösen kann.

Aggression durch Selbsterfahrung - Lernen durch Erfolg

Merkt ein Spieler, dass er durch aggressives Verteidigungsverhalten erfolgreich ist und er dafür auch noch gelobt wird, wird er diese Spielweise zukünftig oft einsetzen. Je mehr Erfolg er mit seinem aggressiven Verhalten hat, desto weniger wird er nach anderen Lösungen suchen. Dies beginnt mit einem Spiel und festig sich mit jedem weiteren Spiel, in dem er Spieler Anerkennung erfährt.

Aggression durch Beobachtung - Lernen durch Hinsehen

In der Aggression durch Beobachtung liegt die Chance für Fußballtrainer, Aggressionen so zu steuern, dass sie konstruktiv sind. Fußballspieler handeln so, wie sie es bei Vorbildern beobachten können. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie konstruktiven oder destruktiven Aggressionen nacheifern. Der Trainer sollte deshalb seine eigenen konstruktiven Aggressionen vorleben. Hinzukommen als Vorbilder die Eltern, die Zuschauer, die Lehrer in der Schule oder der Chef am Arbeitsplatz. Das soziale Umfeld bestimmt das aggressive Verhalten und den Ansatz, wie Probleme gelöst werden.

Entscheidend dabei ist, ob Probleme durch Aggressionen gelöst werden können. In einer Clique, die Probleme mit Gewalt löst, neigen die Personen auch zukünftig und in einem anderen Umfeld zu Gewalt, also auch beim Fußballspielen.

Erfolg und Misserfolg des Handelns werden die Intensität der Aggression steuern. Was man durch Beobachtung lernt, kann man auch wieder verlernen. Insofern ist ein positiver Einfluss die Chance, konstruktive Aggressionen zu fördern. Die wichtigsten Bausteine zur Förderung sind Erfolg, Lob und Anerkennung. Bei destruktiven Aggressionen wird dies verweigert. Leider lässt sich das bei Erfolg oft nur schwer steuern, aber Lob und Anerkennung bleiben aus.

Durch gezielte Lernprozesse, wie das Aufzeigen von Handlungsalternativen und Wecken des Problembewusstseins, werden destruktive Aggressionen „gelöscht“. Eine große Chance der pädagogischen Einflussnahme für vorbildliche Bezugspersonen.

Fazit - Auslöser von Aggressionen im Fußball

Aggressionen sind im Fußball abhängig von der Person und der Umwelt.

Beim Fußballer werden Aggressionen gesteuert durch biologische Fähigkeiten, psychische Eigenschaften, erworbenen Fähigkeiten und die Einstellung zum Sport. Weitere Eigenschaften sind die Zielvorstellungen und der Selbstanspruch.

Äußere Einflüsse sind soziokulturelle Bedingungen, die Definition der „gesunden Härte im Fußball“, Erwartungshaltungen anderer Personen und ein spezifisches Rollenverhalten. Nicht zu unterschätzen ist die Rolle des Schiedsrichters. Ist die Chance groß, dass ein Foulspiel nicht geahndet wird, neigt der Spieler dazu, bewusst unfair zu spielen.

Quellen: Psychologie im Sport, Fussball – Kondition, Technik, Taktik und Coaching

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