Vom Papa zum Fußballtrainer

Der Autor ist seit vielen Jahren als Trainer im Jugendbereich tätig, Inhaber der C- und B-Lizenz und u.a. Kreisauswahltrainer einer Altersklasse. Dabei erging es ihm, wie den meisten Trainern, es begann als Vatertrainer. Er schildert seine Erfahrungen und gibt wertvolle Tipps und Hinweise, die den Einstieg als Kinderfußballtrainer erleichtern.

Gestartet ist er selbst mit 6 Kindern im Team und daraus wurden 25. Wie das gehen kann und worauf im Umgang mit dem Verein und Eltern geachtet werden sollte, erfährst du in diesem Artikel.

Ein Erfahrungsbericht mit Hinweisen und Tipps zum richtigen Einstieg als Kinderfußballtrainer

Wie (meistens) alles anfängt

Ich wurde als junger Herrenspieler erstmalig Kindertrainer und konnte damals als Co-Trainer einer F (U8/U9) Erfahrungen sammeln. Einige Jahre später kam mein ältester Sohn ins F-Jugend Alter und ich trat meinen Job als Papatrainer an.

Das Team betreute ich für vier Jahre in der F- und E-Jugend. Nach einigen Jahren der Pause kam mein Zweitgeborener eines Tages zu mir und erklärte stolz, dass Fußball ab sofort sein Lebensmittelpunkt sein würde. Ok, dachte ich mir, es gibt Schlimmeres, jetzt musste also erstmal ein Team für ihn her. Wie viele andere Eltern sicher auch, nahm ich Kontakt zum nächstgelegenen Verein auf. Die Kontaktaufnahme war etwas schwierig, denn die Internetseite war alles andere als aktuell. Der 1. Vorsitzende konnte mir am Telefon erstmal gar nicht sagen, wann die G-Jugend trainiert, wollte sich aber wieder melden. Ich hatte es schon befürchtet, er tat es nicht! Nach erneuter Nachfrage bekam ich dann die gewünschten Infos und mein Sohn und ich gingen ein paar Tage später zum ersten Training.

Trainingshilfsmittel für Fußballtrainer

Es stellte sich schnell heraus, dass die G-Jugend in unserem Dorfverein nur provisorisch vom damaligen A-Jugend Trainer „bewegt“ wurde. Alle Kinder standen in einer Reihe und schossen dann aufs Tor (nicht besonders einfallsreich aber mein Kleiner war begeistert!). Nach zwei oder drei Wochen habe ich dem Trainer angeboten, das Team zu übernehmen. Kein Vorstellungsgespräch, keine Nachfragen – ich hatte den Job sofort!

Als Papatrainer Ärmel hochkrempeln und loslegen!

Außer mein Kind, kamen noch fünf weitere Kids regelmäßig zum Training. Zu einer richtigen Kinderfußballmannschaft fehlten noch ein paar Kinder und etwas Vorbereitung. Ich war also wieder Fußballtrainer einer Kindermannschaft!

Von Anfang an habe ich versucht, ein fachlich vernünftiges und kindgerechtes Training anzubieten. Aufgrund meiner Vorerfahrungen wollt ich es dieses Mal wesentlich strukturierter angehen. Dem Internet sei Dank, fand ich Unmengen an hilfreichen Tipps. Ein paar Bücher habe ich mir auch noch bestellt und begann, mich mit der Materie des sinnvollen Kindertrainings zu beschäftigen.

Eine Hilfestellung in meinem Verein gab es leider gar nicht, jeder Trainer kümmerte sich im Prinzip nur um sein eigenes Team, es fand kein gegenseitiger Austausch statt. Der Vorstand war schon zufrieden, dass sich jemand für die G-Jugend gefunden hat. Wirklich ernst nahm mich und die Mannschaft eigentlich niemand. Die Aufmerksamkeit lag bei einer Herrenmannschaft, die im mittleren Kreisniveau ziemlich erfolglos unterwegs war. Positiv an dieser Einstellung war: man ließ mich einfach gewähren, ich konnte machen was ich wollte und das tat ich auch! Meine kleinen Spieler waren vom Start weg mit vollem Eifer bei der Sache. Dadurch fühlte ich mich als Trainer selbstverständlich verpflichtet, das Ganze so gut wie möglich zu gestalten.

Hilfsmittel, die lieben Eltern, nur wenige Kinder und der Spielbetrieb

Wo sind die Bälle, Leibchen und Co?

Welche Hilfsmittel benötigt man eigentlich für eine G-Jugend? Gar nicht so viele, denn Hürden und Sprintfallschirme kommen ja erst später! Hütchen und Minitore waren fürs Training ausreichend vorhanden, super. Bälle gab es 10 Stück in Größe 4, Leibchen gab es leider keine. Ich habe dann Bälle in Größe 4 und 3, welche aus Plastik in verschiedenen Größen und die kleinsten Leibchen, die zu finden waren, geordert. Jetzt konnte es richtig losgehen!

Die lieben Eltern

Meine Familie und ich wohnten erst ein paar Monate in unserer jetzigen Ortschaft. Wir waren also Neulinge und vor dem Training habe ich alle Eltern natürlich persönlich begrüßt und mich kurz vorgestellt. Eine WhatsApp-Gruppe gab es auch schon, dort habe ich dann ein kurzes Begrüßungsschreiben mit einer kleinen Vorstellung meiner Person eingestellt. Ein einberufener Elternabend war allerdings ein Reinfall, es kamen nur zwei Eltern! Deshalb habe ich nochmal einen kleinen Elterninfobrief geschrieben und wieder in die WhatsApp Gruppe eingestellt.

Das Team braucht Spieler - Sind Flyer eine Lösung?

Sechs Spieler waren etwas wenig, es mussten Neuzugänge her. Aber woher und wie? Eine gepflegte Internetseite hatte der Verein damals nicht, dort konnte ich also keine Infos zum geplanten, besten Team der Welt loswerden. Um möglichst viele Familien zu erreichen, habe ich einen Werbeflyer gestaltet. Das Internet war mir hier wieder behilflich und für knapp 50,- € kamen ein paar Tage später 500 Werbezettel ins Haus geflattert. Die wurden kurzerhand in Kindergärten, Grundschulen und den Briefkästen befreundeter Familien unters Volk gebracht.

Hochspannung am Trainingstag nach der Flyer Aktion! Wieviel Kinder werden kommen? Gibt es auf unserer Sportanlage genügend Parkplätze? Kommt es sogar zu einem Verkehrschaos? Hätte ich zwei oder drei Assistenten anheuern sollen, um die Kinderschar zu managen? Nein, der Ansturm blieb leider aus, nicht ein Kind kam dazu! Neuzugänge = Null! Die Wirkung verfehlte dieser Werbeflyer allerdings nicht, es dauerte nur etwas. Nach einiger Zeit kamen Woche für Woche immer mehr Kinder zum Training und wurden Teil des Teams. Im Winter waren es dann irgendwann 25 Kinder. Jetzt wurde es Zeit für einen Co-Trainer und eine Aufteilung in zwei Trainingsgruppen.

Turniere und Spiele

Der Trainingsbetrieb war also im vollen Gange, jetzt wollten wir uns mit anderen Teams messen. In der Hallensaison gibt es dafür ein umfangreiches Angebot an Turnieren. Mit meinem Team habe ich von Beginn an viele Turniere gespielt, immer ein tolles Erlebnis für die Kinder, aber auch für die Eltern, die im Kinderfußball ja alle noch dabei sind.

Die wichtigsten Tipps zum richtigen Start als Kinderfußballtrainer im Überblick

Material

  • Lederbälle Größe 3 und 4, Plastikbälle in verschiedenen Größen
  • Leibchen in verschiedenen Farben (am besten 6 Stück in 4 Farben)
  • Erste Hilfe Set (Pflaster und Kühlpacks werden am meisten benötigt)
  • Minitore und Hütchen

Zusammenarbeit mit Verein (Vorstand und Jugendleiter)

Informiere den Jugendleiter und auch die weiteren Vorstandsmitglieder ständig über deine Arbeit. Mach ihnen deutlich, dass da ein Trainer richtig Vollgas gibt. Schreibe Artikel für eure Internetseite oder Vereinszeitschrift. Eine gute Zusammenarbeit ist wichtig, so hast du es auch deutlich leichter Gelder für Materialbeschaffung oder Ausflüge zu bekommen.

Elterninfobrief

Familien mit kleinen Kindern haben einen vollen Terminkalender. Es macht also Sinn als Fußballtrainer frühzeitig Termine mit dem Team anzukündigen, sonst steht man nachher allein auf dem Platz. Auch kurze Infos über die Trainingsinhalte und -ziele können hier weitergegeben werden, die Eltern wissen so immer Bescheid. Diese Methode habe ich bis heute beibehalten, so kann ich alle Eltern erreichen und ich werde immer alle wichtigen Infos zu Terminen, Änderungen und Veranstaltungen los.

Werbung für dich und dein Team

Neuzugänge für dein Team kann man in der G (Bambini/U7)-, F (U8/U9)-, und E (U10/U11)-Jugend durch gezielte Werbung akquirieren:

  • Internetseite (deine Telefonnummer und die aktuellen Trainingszeiten müssen dort zu finden sein)
  • Werbeflyer (Flyer gestalten und verteilen. Sprich deinen Verein hier vorher an, denn die Kosten sollten aus der Vereinskasse getragen werden, du sorgst schließlich für neue Mitglieder)

Und jetzt noch ein paar Lizenzen

Weiterbildung bringt dich und dein Team richtig nach vorn! Buche über deinen Jugendleiter einmal im Jahr das DFB-Mobil. Besuche Info-Abende der DFB-Stützpunkte, schaue dir das Training der anderen Vereinstrainer an und sprich mit Ihnen. Richtig sinnvoll sind die Lizenz-Lehrgänge.

Blick in die Zukunft

Wenn du eine G trainierst, solltest du dir auch mal das F-Training ansehen. Was können denn Kinder, die ein oder zwei Jahre älter sind? Worauf sollte ich meine Kids vorbereiten? En guter Trainer ist immer weiter als seine Kids, informiere dich deshalb auch über die zukünftigen Altersklassen.

Die beste Werbung bist du selbst

Wenn du einen guten Umgang mit den Eltern pflegst, ein tolles Verhältnis zu den Kindern aufgebaut hast und ein super Training durchführst, wird sich das rumsprechen und auszahlen. Eltern kennen Eltern, die Kinder im gleichen Alter haben und geben ihre positiven Erfahrungen mit dir weiter.

Coachshop.de - Kinderträume und die Realität

- Unser neues Leben am Spielfeldrand - Ein Buch von Eltern für Eltern

Dieses Buch ist etwas ganz besonderes. Von Eltern für Eltern geschrieben setzt es sich mit den Konflikten auseinander, die entstehen, wenn ein Kind den Wunsch äußert, Fußballprofi zu werden.

Das Buch gibt tiefe Einblicke in die Seelenwelt der Eltern, wenn sie plötzlich mit dieser Idee konfrontiert werden, obwohl sie sich die Zukunft ihres Kindes ganz anders vorgestellt haben. Aber auch die Gefühlswelt der Kids kommt nicht zu kurz und wird auf eine sehr anschauliche und verständnisvolle Art skizziert. Komplettiert durch die Darstellung der Rahmenbedingungen und der Konfliktsituationen im Umfeld entsteht ein bemerkenswertes Situationsgemälde.

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Ein Ratgeber für junge Talente, Eltern und Trainer

Dieser Ratgeber richtet sich sowohl an junge Fußballtalente und deren Eltern, als auch an Fußballtrainer, die Ihre Schützlinge auf den Weg zum Fußballprofi begleiten und fördern möchten.

Er beschäftigt sich mit entwicklungsgerechten Inhalten, dem Talentbegriff und den Karrierewegen von Thomas Müller und Co. Es gibt zahlreiche Tipps zum Eigentraining: Ob zur Verletzungsprävention oder mit dem Ball, allein und mit Freunden, zuhause, im Garten oder auf Bolzplätzen – jeder, der sich in bestimmten Bereichen weiterentwickeln möchte, findet umfassende Anregungen.

Darüber hinaus gibt es viele praktische Hinweise rund um den Sport.

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Nach dem Spiel ist vor der Liebe

Bestsellerautorin Hanna Dietz begibt sich in diesem Roman in die Fußballwelt aus der Sicht einer Fußballmutter. Carolin ist geschiedene und alleinerziehende Mutter und meint sich und ihrem Sohn einen Gefallen zu tun, in dem sie ihn in der F-Jugend des Dorfvereins anmeldet.

Sie träumt davon neue, interessante und entspannte Kontakte knüpfen zu können. Was sie dann aber erwartet, darauf ist sie nicht vorbereitet. Männliche Experten, die Alles besser wissen, neureiche, überkandidelte Fußballmütter und dazu Intrigen, Mobbing und Pöbeleien. Und natürlich attraktive Männer, die lang vergessene Gefühle wieder aufleben lassen. Fußball mal aus einer ganz anderen Perspektive.

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Fußballerlebnisse reflektieren und festhalten

Ein Buch für den Kinderfußball, welches nicht nur ein Freundschaftsbuch ist, sondern auch kurze Trainingsanleitungen, Spielauswertungen und sogar kindgerechte Ernährungstipps beinhaltet. Im Buch darf gemalt, geschrieben und geklebt werden. Mit viel Spaß und ohne Druck werden die Kids angeregt, ihre Fußballerlebnisse zu reflektieren und festzuhalten.

Ein tolles Geschenk für fußballbegeisterte Jungen und Mädchen ab 7 Jahren.

Es beginnt mit den Angaben, wem dieses Buch gehört und dazu ist sogar noch Platz für ein Vereinswappen. Trikots animieren zum Anmalen in den Vereinsfarben.

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