Fußballtrainer-Entscheidung - Wer spielt?

Welcher Spieler ist im Kader, wer schaut nur zu? Welcher Spieler steht in der Startformation, wer ist Ergänzungsspieler?

Es ist ein klassisches Problem: Der Trainer muss sich entscheiden, welche Spieler für das nächste Punktspiel nicht nominiert werden, wer in der Startmannschaft steht und wer Ergänzungsspieler ist. Dies ist der Moment, wo sich jeder Fußballtrainer wünscht, einen kleinen Kader zu haben. Der Fußballer ist dabei vom Trainer abhängig, denn der Trainer hat die Macht und in der Beziehung zwischen den beiden gibt es durch die Entscheidung Konfliktpotenzial.

Beachte unbedingt die Hinweise zum Kinder-, Jugend, Erwachsenen- und Profifußball am Ende des Artikels.

Vorab-Tipp: Nutze die Mannschaft zur Entscheidungsfindung

In diesem Artikel geht es um die Kaderaufstellung, die Startelf und um Ergänzungsspieler.

Vorweg ein kleiner Tipp: Viele Entscheidungen der Fußballtrainer im nachstehenden Text haben aus guten Gründen keinerlei demokratischen Wuzeln. Der Trainer kann seine Mannschaft aber nutzen, sie befragen und daraus wichtige Rückschlüsse für seine Entscheidungen ziehen.

Trainingshilfsmittel für Trainer und Vereine

Dazu sollte der Trainer seine Spieler einzeln befragen, im Einzelgespräch oder in Papierform. Dies kann vor einem besonderen Spiel, in der Winterpause und/oder vor der Saison erfolgen.

Die Spieler sollen ihrem Trainer ihre persönliche Wunschaufstellung mitteilen, inklusive Ergänzungsspieler. Der Trainer wertet die Befragung aus und stellt sie dem Team vor. Dies funktioniert aber nur dann, wenn das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer gut ist. Die Entscheidung wer spielt und wer nicht übernimmt weiterhin der Trainer, dies muss das Team wissen. Haben die Spieler eine komplett andere Vorstellung als der Trainer, sollte der Trainer seine Entscheidung überdenken, ggf. zieht er den Unmut des gesamten Teams auf sich.

Diese Befragung kann aber auch Hinweise auf Konflikte in der Mannschaft liefern. Ist zum Beispiel ein leistungsstarker Spieler wenig berücksichtigt worden, deutet dies auf zwischenmenschliche Probleme hin. Andererseits kann ein Spieler der sich überschätzt, auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.

Eine Befragung ist einfach durchzuführen. Nutze dafür die Soccerdrills-Downloads für Fußballtrainer oder unser Board. Die Spieler müssen nur noch eintragen und der Coach lässt sich vom Ergebnis überraschen.

Es ist, wie es immer ist, der Erfolg gibt dem Trainer recht … oder auch nicht.

Der Fußballtrainer ist von der Mannschaft abhängig

Der Trainer hat zwar die Macht Spieler nicht zu nominieren, aber er ist komplett abhängig von der Mannschaft auf dem Feld. Er selbst spielt ja nicht mit und schlimmstenfalls spielt die Mannschaft gegen den Trainer. Gut, dies kommt selten vor, denn die Spieler nehmen ihre Macht nicht wirklich war, Hauptsache sie spielen.

Die nicht nominierten Spieler sind allerdings nicht gut auf den Trainer zu sprechen, schlimmstenfalls sorgen sie für Unruhe im Team. Spieler die so reagieren überlegen nicht, ob sie vielleicht selbst verantwortlich dafür sind, dass sie nicht berücksichtigt worden sind. Diese, fürs Mannschaftsklima schädliche Reaktion muss vermieden werden, aber geht das überhaupt schadlos?

Der Fußballtrainer entscheidet

Die Nominierung ist nur ein Problem, wer in der Startmannschaft steht und Ein- und Auswechslungen ergeben weitere Konflikte. Machen wir uns nichts vor, diese Probleme bedeuten immer die Zurücksetzung der betroffenen Spieler durch den Trainer. Gefühle und Eitelkeiten werden verletzt und aus fußballerischen Maßnahmen können persönliche Differenzen werden.

Ein Trainer sollte über das sprichwörtliche „dicke Fell“ verfügen. Er ist verantwortlich und im Teamalltag ist es nicht immer möglich, Entscheidungen mit allen Spielern zu diskutieren und abschließend so zu klären, dass alle damit einverstanden sind. Versuchst du das als Trainer, gibt’s du Verantwortung ab und dies wird dir früher oder später zum Verhängnis.

Vor und im Spiel trifft der Trainer mutig seine Entscheidungen und steht dazu. Niemand ist fehlerfrei und deshalb können Fehlentscheidungen nach dem Spiel auch zugegeben werden. Dies unterstreicht die Ehrlich- und Glaubwürdigkeit und ist keinesfalls eine Schwäche.

Führungsspieler mit ins Boot nehmen

Führungsspieler darf der Trainer um Rat fragen. Insbesondere in taktischen Fragen kann das sehr hilfreich sein, aber auch in der Kaderaufstellung. Es muss aber deutlich werden, das letzte Wort hat der Trainer und er entscheidet. Auch Führungsspieler wissen nicht, welche Stärken und Schwächen der Trainer bei den Spielern sieht. Insofern kann die Einschätzung der Führungsspieler konträr zur vorgeschlagenen Taktik verlaufen.

Mut zu unpopulären Entscheidungen

Der Trainer sucht immer den maximalen Erfolg für das gesamte Team, ihm soll es nicht um einzelne Spieler gehen. Der Spieler ist egoistisch und das muss er auch sein. Der Teamgedanke ist zwar sehr wichtig, aber wenn ein Spieler wenig oder gar nicht spielt, dann denkt er erstmal an sich und nicht ans Wohl der Mannschaft.

Hört sich das schlimm an? Ja, aber es ist menschlich. Egal ob im Amateur- oder Profifußball, die Wichtigkeit des Teamgeistes hat jeder Spieler verinnerlicht und trotzdem stößt diese Wichtigkeit an Grenzen, nämlich dann, wenn ein Spieler nur wenig Einsatzzeit erhält. Jeder Spieler hat den Ehrgeiz zu spielen, aber als Trainer darf man darauf keine Rücksicht nehmen, es geht ums Ganze.

Jogi Löw ist dazu ein gutes Beispiel. Er stand bei der Kadernominierung immer wieder unter dem Druck der Öffentlichkeit, die bestimmte Spieler in den Kader puschen oder spielen sehen wollten. Er und sein Beraterstab haben dann entschieden und so lange der Erfolg da ist, ist alles ok. Wie oben beschrieben, es geht ums Ganze, um den Erfolg. Die Nicht-Nominierung eines Spielers kann schon an seiner Persönlichkeit scheitern, denn immerhin müssen die Spieler wochenlang miteinander klarkommen, auch neben dem Spielfeld.

Bei Klinsmanns Entscheidung vor der WM 2006, Lehmann und nicht Kahn ins Tor zu stellen, spekulieren nicht wenige Fachleute, es lag an den Persönlichkeiten. Vielleicht hätte sich Lehmann nicht so schnell als Reservetorwart abfertigen lassen. Da beide Torhüter leistungsstark waren, war das eine Entscheidung zum Wohle des Teamgeistes. Aber, wer weiß das schon?

Aus Trainerentscheidungen entstehen lang- und kurzfristige Vor- und Nachteile

Die „richtige Entscheidung“ für die Zukunft gibt es nicht. Ob eine Entscheidung gut war, stellt sich erst später heraus. Trainer entscheiden subjektiv, wenn es darum geht, den richtigen Mannschaftskader aufzustellen. Es gibt Trainer, die bevorzugen junge Spieler, andere bauen mehr auf Erfahrung. Entscheide ich mich für individuelle Klasse, oder nehme ich den mannschaftsdienlichen Spielertyp? Den athletischen Spieler, oder nehme ich den kleinen, wendigen Spieler? Natürlich werden die Entscheidungen auch vom nächsten Gegner beeinflusst, aber jeder Trainer hat seine Vorlieben.

Setze ich als Trainer das richtige Zeichen, wenn ich einen Spieler berücksichtige, der durch Disziplinlosigkeit aufgefallen ist? Lernen die anderen Spieler daraus, dass es sich nicht lohnt ein Teamplayer zu sein?

Der richtige Zeitpunkt Entscheidungen zu verkünden

Üblicherweise verkünden Trainer die Entscheidung wer spielt und wer nicht, in der letzten Mannschaftsbesprechung vor dem Spiel. Die Bekanntgabe, wer gar nicht im Kader steht erfolgt früher, oft nach dem Abschlusstraining. Es ist aber nicht immer gut, die Entscheidungen frühzeitig bekanntzugeben. Bei den Spielern führt dies zum Spannungsverlust. Dies gilt auch für Spieler, die im Kader stehen. Sie haben es geschafft und dies kann zu Spannungsverlusten führen.

Auf der anderen Seite kann eine frühe Bekanntgabe von Entscheidungen den Spielern Sicherheit geben. Auf der einen Seite ist der Ärger geringer und nominierte Spieler können sich aufs Wesentliche konzentrieren, dem anstehenden Spiel.

Es ist wichtig, wenn Spieler wegen Disziplinlosigkeit nicht aufgestellt werden, dies vor der Mannschaft zu erläutern. Das Team muss wissen, es gibt Konsequenzen und so wird das nochmal deutlich untermauert.

Dies ist allerdings nicht der Traineralltag und, insbesondere bei der Kaderplanung, sollte mit den nicht nominierten Spielern ein Einzelgespräch vor der offiziellen Bekanntgabe der Entscheidung geführt werden. Für den betroffenen Spieler ist die Nichtnominierung oft eine Demütigung und der Trainer sollte den Spieler nicht vor versammelter Mannschaft vorführen. So hat der Spieler Zeit sich zu sammeln und wahrt sein Gesicht vor den Teamkollegen.

Jeder Spieler reagiert anders und deshalb fällt die Entscheidungsverkündung nicht immer gleich aus. Es gibt sensible und geistig robuste Spieler und es ist wichtig, dass man weiß mit wem man spricht, um das Gespräch gut führen zu können. Insbesondere wenn große, wichtige Spiele oder Turniere anstehen, ist der Trainer als guter Psychologe gefordert.

Muss der Trainer seine Entscheidungen begründen?

Grundsätzlich muss er das nicht, aber oft ist es empfehlenswert. Entscheidungen vor den Spielern zu begründen hilft nicht dem Trainer, aber oft den Spielern. So können sie die Entscheidungen nachempfinden, wenn die Begründung für sie nachvollziehbar ist. Wen nicht, kann es wiederum zu Konflikten kommen.

Der Trainer kennt seine Spieler am besten und weiß, wie sie „ticken“. Eigentlich spielt es keine Rolle, ob die Spieler die Begründungen verstehen, denn ist das nicht der Fall, würden sie die Entscheidung auch ohne Begründung nicht begreifen.

Wie man es macht, macht man es falsch! Eins ist klar, Begründungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Spieler die Entscheidungen verstehen.

Spielerfrust – Wie sollte der Trainer reagieren?

Spieler die nicht im Kader stehen oder nur Ergänzungsspieler sind, sind meistens gefrustet. Damit sich dies nicht negativ aufs Mannschaftsklima auswirkt, müssen diese Spieler bei Laune gehalten werden.

Ein Trainer muss diesen gefrusteten Spielern vermitteln, dass sie Chancen haben und vollwertiges, wichtiges Teammitglied sind. Wichtig ist, diese Spieler nicht komplett zu benachteiligen. Im Training erhalten sie die gleiche Aufmerksamkeit wie die die anderen Spieler und der Trainer kommuniziert immer wieder mit ihnen. In der Spielanalyse nach dem Spiel sind alle Spieler gleichbedeutend und ihre Meinung ist wichtig.

Spieler die nicht im Kader stehen, werden ins Spiel eingebunden. Sie können das Spiel beobachten und dabei Statistiken erstellen, die später gemeinsam mit dem Trainer ausgewertet werden. Der Trainer fragt die Spieler, vielleicht schon kurz in der Halbzeit, wie sie das Spiel beurteilen und welche Probleme sie sehen. Vielleicht können diese Spieler sogar Lösungsansätze liefern.

Nominierung, Startmannschaft und Ergänzungsspieler - Unterschiede Kinder-, Jugend-, Erwachsenen- und Profifußball

Für den Breitenfußball gilt: Kinder, Jugendliche und Erwachsene stimmen mit den Füßen ab. Wer geringe Einsatzzeiten hat, wird irgendwann dem Verein davonlaufen.

Kinderfußball

Im Kinderfußball entscheidet der Trainer nicht frei, die Ausbildungskonzepte für die Altersklassen geben den Rahmen vor. Bei der Entscheidung, wer im Kader steht, wer in der Startmannschaft spielt und wer Ergänzungsspieler ist, spielt Leistungsstärke keine Rolle. Alle Kinder haben die gleichen Spielanteile, so gibt es das Ausbildungskonzept vor.

Andere Komponenten dürfen berücksichtigt werden, wie zum Beispiel soziale Kompetenz (Sozialverhalten im Team) und Trainingsbeteiligung. Wobei auch hier genauer hingeschaut werden muss, denn mangelnde Trainingsbeteiligung kann auch durch die Eltern begründet sein. Das Kind kann dann nichts dafür und darf dafür nicht zurückgesetzt werden.

Der Trainer trifft auch im Kinderfußball die Entscheidungen, bindet die Kinder aber häufig in die Entscheidungsfindung ein. Auch die Eltern sollten wissen, warum zum Beispiel ihr Kind nicht normiert ist. Bespreche dies notfalls auf einem Elternabend vor der Saison, gebe deine Richtlinien bekannt, so entstehen keine Missverständnisse.

Der Kinderfußballtrainer ist eine wichtige Bezugsperson für die Kinder, dieser Verantwortung als Vorbild sollte sich jeder bewusst sein. Kinder unterscheiden dabei nicht zwischen Fußball und dem Leben neben dem Fußball. Sie projizieren das Trainerverhalten in ihren Alltag und nicht jedes Verhalten eines klassischen Fußballtrainers ist dafür geeignet.

Jugendfußball

Etwas differenzierter ist die Betrachtung im Jugendfußball (ab C-Jugend, U14). Das Spiel wird ergebnisorientierter und der sportliche Erfolg rückt immer weiter in den Vordergrund.

Allerdings muss dringend davor gewarnt werden, als Entscheidungshilfe für Einsatzzeiten nur die Leistungsstärke heranzuziehen. Dies ist ein entscheidender Grund, weshalb gerade junge Jugendfußballer die Vereine verlassen (Drop-Out).

Ein wichtiger Faktor für richtige Entscheidungen ist die Leistungsstärke und/oder die Spielklasse. Im Jugendleistungsfußball hat der Trainer nicht die Wahl, ob alle Spieler gleiche Einsatzzeiten bekommen oder nicht. Der Erfolgsdruck zwingt dazu, die Leistungsstärke zu berücksichtigen.

Erwachsenenfußball

Im Erwachsenenfußball entscheidet der Trainer nach den obigen Grundsätzen. Auch hier ist es wichtig, beim Leistungsvermögen und der Spielklassenzugehörigkeit zu unterscheiden.

Je höher die Spielklasse, desto selbstbewusster muss der Trainer seine Entscheidungen vermitteln. In den unteren Spielklassen ist dies dann wieder etwas anders. Als Grundsatz gilt: Je tiefer die Spielklasse, desto demokratischer die Entscheidungen. Dabei besteht eine Abhängigkeit vom sozialen Gefüge in der Mannschaft.

Profifußball

Selbst im Profifußball hat sich das Trainerverhalten stark verändert. Es gibt sie, die Hardliner, zwischenzeitlich verhalten sich viele Profitrainer demokratischer bei ihren Entscheidungen und kommunizieren mit der Mannschaft.

Insbesondere Führungsspieler werden in die Entscheidungsfindung eingebunden. Allerdings lassen Profitrainer sich nicht in die Aufstellung reinreden, so scheint es. Der Druck ist für den Trainer sehr hoch, wenn ein Superstar für viele Millionen eingekauft wurde, viel verdient und dann kaum Spielzeiten erhält. Die Vereinsführung, die Fans und die Medien sorgen dann dafür, dass der Trainer nicht immer frei entscheiden kann.

Es geht um sehr viel Geld und auch Profifußballer wollen Einsatzzeiten, denn dies steigert auch den Marktwert und wer beruflich Profifußballer ist, will seinen Beruf auch ausüben. Nicht zuletzt geht es um Spielprämien und Siegprämien die nur dann ausgezahlt werden, wenn der Spieler im Kader steht oder eingesetzt wurde.

Die Kunst des Profitrainers besteht darin, die Balance zu halten. Der Erfolg steht an erster Stelle, gefolgt von der Zufriedenheit der Spieler und der Berücksichtigung der individuellen Eitelkeiten. Nicht einfach, dafür wird der Job aber gut bezahlt.

Uwe Bluhm

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