Packing im Fußball

Packing wurde als Begriff während der Europameisterschaft 2016 veröffentlicht. Bis hierhin wurde die Effizienz von Fußballern und Mannschaften lediglich mit Statistiken wie „Gewonnene Zweikämpfe“, „Passquote“ und „Laufleistung“ gemessen. Packing revolutionierte diese Messungen durch eine völlg neue Idee und es gab sofort viele Trainer, die diese Methode als die einzig Richtige ansahen.

Kurzgesagt wird mit Packing die Anzahl der von einem Spieler überspielten Gegenspieler gemessen. Erfunden hat die „Packing-Rate“ die Firma Impect hat die sogenannte „Packing-Rate“ erfunden. Gegründet wurde die Impect GmbH von den ehemaligen Fußballprofis Stefan Reinertz und Jens Hegeler. 

Erstmals wurde die Packing-Rate bei dem Spiel Deutschland gegen Ukraine während der Europameisterschaft 2016 vorgestellt. TV-Experte Mehmet Scholl war völlig begeistert von dieser Methodik, die Effizienz von Spielern zu bewerten. Doch wie wird die Packing-Rate genau ermittelt?

Trainingshilfsmittel für Fußballtrainer

Erfindung des Packing

Stefan Reinertz war der Meinung, dass die eigentlichen Daten im Fußball, wie beispielhaft Ballbesitz, Torschüsse, Zweikämpfe, wenig bis gar keine Aussagekraft in Bezug auf ein erfolgreiches Spiel einer Fußballmannschaft haben. Diese Erkenntnis war nicht neu, denn jeder Fußballfan wusste, es ist nicht immer die Mannschaft mit den meisten gewonnenen Zweikämpfen, die das Spiel gewinnt. Auch eine ausgezeichnete Passquote oder hohe Laufleistungen, führen nicht zwangsweise zum Sieg.

Stefan Reinertz belegte dies und schaute sich die Analysedaten des Spieles Deutschland gegen Brasilien bei dem Weltmeisterschaft 2014 an. Sein Ergebnis war für Analytiker problematisch: Dieses Jahrhundertspiel hätte es laut Statistik nicht geben dürfen. Bei den üblichen Analysedaten hätte Brasilien als Sieger hätte vom Platz gehen müssen.

BrasilienDeutschland
Ballbesitz:

52%

48%
Torschüsse:
1814
Pässe:
449516
Zweikampfquote:
47.5%52.5%

 

Schauen wir uns die obige Analyse des Spiels Analyse an und nur angenommen, wir hätten das vor Spielbeginn gewusst, hätte niemand an einen Sieg Deutschlands geglaubt. Stefan Reinertz schaute sich das Spiel nochmal genauer an und stellte fest, dass Deutschland einfach mehr Gegenspieler überspielt hat und dies war der Anfang der Packing-Idee. Er ist der Meinung, dass wenn sich zwischen Angreifer und Tor weniger Gegenspieler befinden, die Torgefahr größer ist. Über einen langen Zeitraum analysierte er immer wieder Spieler und ist sich sicher, diese Messung funktioniert.

Die Methodik

Es gibt viele Möglichkeiten Gegenspieler zu überspielen. Konkret geht es darum, dass sich nach dem Pass (vertikal, diagonal, flach, hoch) oder dem Dribbling, weniger Gegenspieler zwischen Ball und Tor befinden als vorher.

Impect-Rate

Das Überspielen von Verteidiger wird dabei höher bewertet, da sich daraus generell eine größere Torgefahr ergibt. Deshalb wird dieser Wert gesondert addiert und als „Impect“ bezeichnet.

Weitere Kennzahlen

Die Ermittlung der Packing-Rate kann anhand verschiedener Kennzahlen ermittelt werden:

Gegner überspielen

Die erste Kennzahl wird durch die Anzahl der überspielten Spieler bei einer Offensivaktion ermittelt. Dabei ist es egal ob die Aktion ein Pass oder ein Dribbling ist.

Überspielen ermöglichen

Hier wird ermittelt, welcher Spieler durch sein Stellungsspiel, das Überspielen von Gegenspielern häufig ermöglicht.

Mitspieler aus dem Spiel nehmen

Hier wird bei einem Ballverlust ermittelt, wie viele Mitspieler durch den Ballverlust aus dem Spiel genommen wurden. Es zählen die Spieler, die das eigene Tor nicht mehr verteidigen können. Diese Spieler wurden aus dem Spiel genommen, da sie bei Ballverlust nicht mehr zwischen Tor und ballführenden Spieler stehen.

Überspielt werden

Gemessen wird, welche Spieler oft überspielt werden. Dadurch lässt sich das Defensivverhalten eines jeden Spielers beurteilen. Ein Trainer kann hieraus Rückschlüsse auf fehlerhaftes Stellungsspiel ziehen.

Ballgewinn – offensiv

Wird der Ball sehr weit in der gegnerischen Hälfte gewonnen, werden viele Spieler sofort aus dem Spiel genommen (gepackt).

Ballgewinn - defensiv

Wenn die Defensive den Ball zurückerobert werden viele Spieler, die überspielt wurden, wieder zurück in Spiel geholt. Dies ist häufig besonders effektiv.

Kritik

Die Meinungen zum Packing sind in der Fußballwelt immer noch unterschiedlich. So ist es zum Beispiel auch mit Packing nicht möglich, die wirkliche Torgefahr in Zahlen auszudrücken. Hierzu wurden viele Beispiele angeführt.

Passgefahr vs. Überspielte Spieler

Ein Pass in den Strafraum ist in der Regel gefährlicher, als ein Pass zur Seitenlinie. Trotzdem können bei einem Pass an die Außenlinie mehr Gegenspieler überspielt werden. Also wird laut Packing-Rate der Wert eines Passes zur Seitenlinie höher bewerten, da mehr Gegenspieler überspielt wurden.

Problem Torwart

Ein Torwart kann sehr viel Punkte sammeln, da bei Abstößen im Normalfall sehr viele Gegenspieler überspielt werden.

Spiel Deutschland gegen Brasilien

Von Stefan Reinertz wird dieses Spiel immer als Beispiel gebracht. Jeder kennt es und sein Analyse-Ergebnis beeindruckt hier besonders.

Schauen wir uns einmal die Packing-Daten dieses Spiels an:

Brasilien-Deutschland (WM 2014, 1-7)

Packing-Rate

341                       402

Impect

53                         84

Dieser Werte sind laut vieler Experten nicht so aussagekräftig, dass sie das 1-7 rechtfertigen können. Jetzt ist das Ergebnis auch sehr extrem und es stellt sich die Frage: Kann man irgendwie dieses Ergebnis überhaupt erklären?

Fazit

Mit der Packing-Rate ist ein neuer Analysewert entstanden, der sicherlich eine gewisse Aussagekraft hat. Trotzdem ist dieser Wert nicht das Allheilmittel der Datenanalyse im Fußball. Auch dieser Wert hat seine Schwachstellen, denn diese Daten sind eben nur Statistiken und wenn diese immer stimmen würden, hätten wir im Fußball keine Überraschungen mehr. Am Ende gewinnt nicht immer das bessere Team, sondern manchmal auch das Glücklichere.

Egal ob Packing oder nicht, im Fußball gewinnt immer das Team, das immer ein Tor mehr schießt als der Gegner.

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