Koordinationstraining

Koordination im Fußball

A. Einleitung

Nach dem WM-Titel 1990 gab es in Deutschland erstmals eine Lücke an jungen, talentierten Fußballspielern. Jahrelang wurden spielerische und technische Mängel durch die so genannten deutschen Tugenden (Disziplin, Kampf, Siegeswille) überdeckt. Die Erfolgsquote stimmte und es gab scheinbar keinen Anlass zur Kritik. Es gibt verschiedene Theorien, woher dieser plötzliche Einbruch kam. Zwei Gründe möchte ich anführen, wobei uns einer zum Thema dieses Textes führt.

Trainingshilfsmittel für Trainer und Vereine

1. Der deutsche Fußball ruhte sich auf seinen Erfolgen aus. Warum soll ich die Trainingsmethodik ändern, wenn Titel scheinbar zwangsläufig geholt werden? Andere Länder änderten ihre Konzepte mit Erfolg und überholten Deutschland im Laufe der Jahre.

2. Die großen deutschen Fußballer haben noch auf der Straße das Fußballspielen gelernt. In der neuen Zeit der "Computer- und Medienkids" ist es die Aufgabe der Vereine, motorische und koordinative Fähigkeiten zu vermitteln. Diese Situation wurde nicht erkannt oder unterschätzt.

Heute sollte jeder Fußballtrainer, um seine Kids gut auszubilden, die Koordinationsschulung als festen Bestandteil seines Trainings einplanen. Mehr als 2/3 der koordinativen Fähigkeiten werden im Alter von 5 - 13 Jahren erlernt. Viel Arbeit für einen guten Jugendtrainer. Du schulst die wichtigsten Grundlagen für das spätere motorische und koordinative Leistungsvermögen der Kinder. Häufig wird die technische mit der koordinativen Ausbildung im Fußball verwechselt. Das fußballspezifische Koordinationstraining schließt jedoch in großen Teilen die Ausbildung der Fußballtechniken ein.

B. Koordinative Fähigkeiten

Im Bereich der Koordination werden - je nach Standpunkt - vierzig bis fünfzig koordinative Fähigkeiten unterschieden. Bei der Erläuterung werde ich mich auf die sieben wichtigsten koordinativen Fähigkeiten beschränken.

1. Kopplungsfähigkeit
Teilbewegungen des Körpers sollen flüssig ablaufen. Beispiel: Beim Torschuss soll die Koordination, vom Anlauf bis zum Tritt gegen den Ball, als einheitlich Bewegung ablaufen.

2. Räumliche Orientierungsfähigkeit
Wie bewege ich mich auf dem Spielfeld? Welche Position ist die günstigste für die jeweilige Aktion. Peripheres Sehen: Wahrnehmung von Spielsituationen, z.B. aus dem "Augenwinkel".

3. Differenzierungsfähigkeit
Es soll eine Feinabstimmung zwischen dem Einsatz der Muskulatur und den Teilkörperbewegungen erzielt werden. Beispiel: Ein Pass wird mit der richtigen Härte gespielt.

4. Gleichgewichtsfähigkeit
Das Körpergleichgewicht wird gehalten, beziehungsweise wieder hergestellt. Beispiel: Zweikampf oder Kopfball.

5. Rhythmisierungsfähigkeit
Richtige Rhythmusentwicklung für bestimmte Spielsituationen. Beispiel: Anpassung der Schrittlänge beim Anlauf zum Schuss oder zum Kopfball. Rhythmus bei der Körperfinte.

6. Reaktionsfähigkeit
Kurzfristige Aktionen auf ein Signal. Reaktion ohne große Verzögerung. Beispiel: Ball verspringt kurz vor der Annahme.

7. Umstellungsfähigkeit
Anpassung auf wechselnde Bedingungen. Beispiel: Umstellung Angriff/Abwehr, Bodenbeschaffenheit, Wetter.

C. Training der koordinativen Fähigkeiten

Nachstehend erkennst Du in der graphischen Darstellung die Chronologie der Schulung der koordinativen Fähigkeiten. Der Aufbau ist relativ einfach: Von leicht bis schwer.

Die fußballspezifische Koordination umfasst, neben dem Umgang mit dem Ball, unendlich viele weitere Aktionen während eines Fußballspiels. Dein Koordinationstraining sollte deshalb sehr variabel und abwechslungsreich gestaltet werden. Beispiele: Verschiedene Trainingsgeräte, Wechsel der Partner, Umgebungswechsel.

Übe vielseitig und versuche die Übungseinheiten gezielt auf einzelne koordinative Fähigkeiten auszurichten.

Uwe Bluhm

Koordination, aber richtig!

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