Dass die Schwaben aus wenigen klaren Gelegenheiten derart viel Kapital schlugen, hatte wenig mit Zufall und viel mit sauber vorbereiteten Aktionen zu tun. Genau dort beginnt die eigentliche Geschichte dieses jungen Spieljahres.
Ein Auftakt mit Ansage
Wer sich fragt, warum ausgerechnet die Schwaben zum Auftakt für Aufsehen sorgten, muss hinter das nackte Ergebnis blicken. Schon am ersten Spieltag setzte die Mannschaft von Sandro Wagner mit dem 3-1 beim Europa-League-Teilnehmer SC Freiburg ein Ausrufezeichen, ehe im Heimspiel gegen den Rekordmeister Bayern München beim 2-3 die Grenzen des Möglichen sichtbar wurden. Wirft man einen Blick auf die bisherigen Ergebnisse des noch frischen Spieljahres, zeigt sich, dass dieser Start kein Zufallsprodukt ist, sondern zu einem Muster gehört. Tore fallen dort, wo Aktionen geduldig konstruiert werden.<
Wie eine Aktion entsteht
Eine Aktion aufzubauen heißt zunächst, den Ball kontrolliert aus der eigenen Hälfte zu tragen, statt ihn hektisch nach vorne zu dreschen. Meist beginnen moderne Bundesliga-Teams dafür mit einer Dreierkette im Aufbau. Die Innenverteidiger fächern breit auf, ein Sechser kippt zwischen sie ab, und schon entsteht eine Überzahl gegen die erste Pressinglinie des Gegners. Woran man dabei eine wirklich starke Mannschaft erkennt, verrät sich nicht am Ballbesitz allein, sondern daran, wie viele dieser Zirkulationen tatsächlich im letzten Drittel ankommen und dort einen freien Mann finden.
Wie sehr diese Prinzipien längst zum Grundvokabular gehören, führte zuletzt die Nationalmannschaft eindrücklich vor. Die vielbeachtete Taktikanalyse zur WM in den USA beschrieb, wie Julian Nagelsmann sein Team aus einem Dreier-Aufbau heraus zirkulieren lässt, mit Joshua Kimmich als Einleiter und einem dichten Gegenpressing-Netz gegen Ballverluste. Was auf höchster Ebene funktioniert, sickert Woche für Woche in die Liga hinein, wo Freiburg, Mainz und eben Augsburg ihre gefährlichsten Momente über genau solche Muster vorbereiten und dann mit Tempo abschließen.
Vor dem Anpfiff tauchten die Fuggerstädter in kaum einer Vorschau weit oben auf; die vorab gebündelten Experteneinschätzungen und Formanalysen, die sich über alle sportwettenanbieter hinweg vergleichen ließen, sahen die etablierten Namen vorn und die Aufsteiger 1. FC Köln und Hamburger SV eher im Kampf gegen den Abstieg. Dass ein akribischer Trainer wie Wagner diese Prognosen mit strukturierter Ballzirkulation widerlegte, macht seinen Einstand so lehrreich. Nicht der große Name entscheidet über ein Tor, sondern die Qualität der aufgebauten Aktion davor.
