Wer im Jugend- oder Amateurbereich Woche für Woche Trainingsübungen plant und danach das Spiel auswertet, liest diese Zahlen nicht zum Selbstzweck. Sie sind eine Annäherung an eine einzige Frage: Wie wahrscheinlich war dieses Ergebnis, und wie wahrscheinlich ist das nächste?
Genau diese Denkweise steckt auch hinter einer Wettquote. Eine Quote ist eine in eine Zahl übersetzte Wahrscheinlichkeit, ergänzt um den Aufschlag des Anbieters. Wer gewohnt ist, eine Halbzeit gedanklich in Wahrscheinlichkeiten zu zerlegen, findet deshalb schnell Zugang zu der Frage, was eine Quote eigentlich aussagt. Und, mindestens ebenso wichtig, was sie nicht aussagt.
Einen neutralen Überblick, wie stark sich die Quoten und Margen der in Deutschland lizenzierten Wettanbieter für dieselbe Begegnung unterscheiden, bündelt das Vergleichsportal Betpack, das die Angebote gegenüberstellt und die Unterschiede erklärt; nachlesen lässt sich dieser Vergleich hier. Betpack ist dabei selbst kein Buchmacher, sondern eine reine Informations- und Vergleichsseite. Der eigentliche Nutzen für einen analytisch denkenden Menschen liegt aber weniger im einzelnen Anbieter als in der Frage dahinter: Wie entsteht so eine Zahl überhaupt, und wie ehrlich ist sie?
Was eine Quote wirklich verschlüsselt: die implizite Wahrscheinlichkeit
Wenn ein Trainer nach dem Spiel sagt, die gegnerische Mannschaft habe drei, vier hochkarätige Gelegenheiten gehabt, während das eigene Team kaum Zugriff bekam, dann ist das eine Wahrscheinlichkeitsaussage in Worten. Eine Quote macht dasselbe, nur in einer Zahl. Eine niedrige Quote steht für eine hohe eingeschätzte Wahrscheinlichkeit, eine hohe Quote für eine geringe.
Wer sich mit modernem Taktiktraining beschäftigt, kennt den Reflex, jede Situation nach ihrer Erfolgsaussicht zu bewerten: Wie oft führt dieser Spielaufbau gegen eine tiefe Raumdeckung wirklich zu einem Abschluss? Genau diese eingeschätzte Häufigkeit ist der Kern einer Quote. Ein Trainer, der eine Übungsform nach ihrer Erfolgsquote bewertet, denkt bereits in derselben Währung wie ein Buchmacher, nämlich in Häufigkeiten statt in Gewissheiten. Der entscheidende Unterschied: In der Quote steckt zusätzlich der Anteil, an dem der Anbieter verdient. Diese doppelte Natur, Wahrscheinlichkeit plus Aufschlag, ist der Grund, warum man eine Quote nie ganz für bare Münze nehmen sollte.
Dezimalquoten und wie man sie in Prozent umrechnet
In Deutschland sind Dezimalquoten üblich, also Zahlen wie 1.80 oder 3.20. Die Umrechnung in eine Prozentzahl ist einfach: die implizite Wahrscheinlichkeit ergibt sich aus 1 geteilt durch die Quote, das Ergebnis mal 100. Eine Quote von 2.00 entspricht 1 geteilt durch 2, also 50 Prozent. Eine Quote von 4.00 steht für 25 Prozent.
Das ist dieselbe Rechnung, mit der ein datenaffiner Trainer einen Expected-Goals-Wert in eine Torwahrscheinlichkeit übersetzt. Die folgende Tabelle zeigt einige typische Quoten, ihre implizite Wahrscheinlichkeit und die Rolle, die der Aufschlag des Anbieters dabei spielt.
