Krafttraining im Fußball - Wie gezieltes Muskeltraining die Leistung auf dem Platz steigert

In den letzten beiden Dekaden ist Fußball athletisch immer mehr auf die Spitze getrieben worden.

Analysen aus der Bundesliga zeigen, dass ein Feldspieler pro Spieltag zwischen 150 und 250 intensiven Antritten Einsatz zeigt, dazu kommen zahlreiche Zweikämpfe, Sprünge und Richtungswechsel.

Reines Lauftraining wird da nur noch in den wenigsten Fällen ausreichen, um der Belastung gewachsen zu sein. Wer schneller antritt, robuster in Zweikämpfe geht und Verletzungen vorbeugen will, kommt an regelmäßigem Krafttraining nicht mehr vorbei.

Warum Krafttraining die Basis für Fußballleistung ist

Die Sportwissenschaftler haben sich lange mit dem Zusammenhang zwischen Sprintgeschwindigkeit, Sprungkraft und Zweikampfverhalten einerseits und der Maximalkraft der unteren Extremitäten andererseits beschäftigt. So ergab eine vielzitierte Untersuchung an norwegischen Profispielern einen klaren Zusammenhang zwischen der Kniebeuge-Maximalkraft und der Sprintleistung über 10 und 30 Meter. Je höher das Kraftniveau, desto besser die Sprintwerte und die vertikale Sprunghöhe.

Ein anderer Aspekt ist die Verletzungsprävention. Muskuläre Dysbalancen gehören zu den häufigsten Gründen für Hamstring und Leistenverletzungen im Fußball. Programme mit exzentrischer Beinbeuger-Arbeit (Nordic hamstring exercise) senken in mehreren randomisierten Studien das Risiko für Oberschenkelrückseitenverletzungen um bis zu 50 Prozent. Krafttraining ist damit nicht nur ein Faktor für die Leistung, sondern auch ein zentrales Werkzeug der Gesundheitsvorsorge.

Trainingsmethoden und Equipment für Fußballer

Ein sinnvolles Krafttraining für Fußballer muss mehrere Belastungsformen in wohlüberlegten Maß kombinieren. Im Mittelpunkt steht die Maximalkraft, trainiert mit Grundübungen wie Kniebeugen, Kreuzheben und Ausfallschritten im Wiederholungsbereich von 3 bis 6 bei einer Last von 80 bis 90 Prozent der jeweiligen Einer-Maximalleistung. Erfolge bei der Schnellkraft müssen ebenfalls erzielt werden, wobei hier als spezifische Übungen Sprünge, Wurfübungen mit dem Medizinball und explosive Zug- oder Druckbewegungen in Frage kommen. Rumpfkraft kann z. B. mit Planks, Pallof Press und verschiedenen Anti-Rotations-Übungen am Kabelzug trainiert werden.

Für Vereine mit gut ausgestatteten Kraftraum sind Langhantel und freie Gewichte die erste Wahl, da diese die höchsten neuromuskulären Reize setzen. Für zusätzliches Training zu Hause oder wenn kein Studio zur Verfügung steht, ist eine Kraftstation eine gute Investition, um Grundübungen wie Latzug, Brustpresse, Beinstrecker und Ruderzug in geführter Bewegung auszuführen. Hier ist der Vorteil, dass man die Bewegung besser kontrollieren kann, was besonders in der Aufbauphase und bei schwierigen technischen Übungen von Vorteil ist. Freie Gewichte können dann hinzugefügt werden, um dazu noch sportspezifische Bewegungsmuster zu trainieren.

Plyometrisches Training ist ergänzend zum Kraftaufbautraining sinnvoll. Sprünge auf und von Kästen, Sprungvariationen mit Richtungswechsel und Bounding sind hier die Standards. Wichtig ist jedoch, dass man in einer ausreichenden Vorbereitungsphase mit der Grundkraft arbeiten sollte, ehe plyometrische Reize gesetzt werden, da die mechanische Belastung auf Sehnen und Bänder hier hoch ist.

Welche Muskelgruppen im Fußball zählen

Der Schwerpunkt liegt hier auf der Beinmuskulatur. Das sind Quadrizeps, Beinbeuger, Gluteus und Wadenmuskulatur, die Sprint und Sprungkraft erzeugen. Ein ausgewogenes Verhältnis vorderer und hinterer Kette ist entscheidend, das sogenannte Hamstring-Quadrizeps-Verhältnis sollte laut Sportphysiologen bei mindestens 0,6, exzentrisch gemessen eher höher liegen.

Die Rumpfmuskulatur überträgt die Kräfte zwischen Ober- und Unterkörper. Ohne stabile Körpermitte geht Sprintenergie und Schusskraft verloren. Schräge Bauchmuskulatur, tiefe Rumpfmuskeln und untere Rückenkette arbeiten hier Hand in Hand.

Der Oberkörper wird von Amateurspielern sehr oft vernachlässigt. Schulter, Brust und Rückenmuskulatur sind beim Abschirmen des Balles, beim Kopfball und in Zweikämpfen gefragt. Ein moderater Aufbau in diesen Bereichen steigert die Robustheit, ohne unnötige Masse zu schaffen.

Trainingsplanung im Saisonverlauf

Die Belastung sollte sich am Wettkampfkalender orientieren. In der Vorbereitung stehen die Hypertrophie und die Maximalkraft mit zwei bis drei Krafteinheiten pro Woche im Vordergrund. Während der Saison genügen ein bis zwei kürzere Einheiten mit dem Ziel Erhaltung der Kraftwerte, meist in Form kurzer, intensiver Sätze mit langen Pausen. In der spielfreien Woche lassen sich hier ein zusätzlicher Reiz setzen.

Regeneration kommt meist zu kurz. Nach intensiven Kraftreizen sollten mindestens 48 Stunden bis zur nächsten intensiven Belastung derselben Muskelgruppe vergehen. Schlaf, Ernährung mit genügend Eiweiß zwischen 1,6 und 2,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und aktive Erholung sind wichtige Bausteine der Anpassung.

Amateurspieler können von einem einfachen Grundgerüst profitieren: zwei Krafteinheiten pro Woche, jede rund 45 Minuten mit vier bis sechs Übungen aus den Bereichen Kniebeuge, Hüftstreckung, Rumpf und Zug oder Druck des Oberkörpers. Wer dieses Grundgerüst über mehrere Monate nun schon konsequent umsetzt, wird messbare Erfolge in Sprint, Sprung und Zweikampfverhalten erzielen.

Krafttraining ersetzt keinen Technikunterricht und keine Spielformen. Es schafft aber die körperliche Grundlage, auf die dann taktische und technische Fähigkeiten erst wirken können. Wer seine sportlichen Ziele ernst nimmt, sollte den Kraftraum oder das eigene Trainingsgerät zu Hause unbedingt fest in den Wochenplan einbauen.

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