Erfahrungsbericht: Die B-Lizenz vom Eignungstest bis zu den Prüfungen

Knapp 900 Euro für 18 Tage – für einen All-Inclusive-Urlaub in einem Luxushotel sicherlich ein unschlagbarer Preis. Doch lohnt sich zu diesen Konditionen auch ein Aufenthalt in einer Sportschule im heimischen Deutschland, um sich als Trainer weiterzubilden?

Daniel Kohrs hat im Sommer 2018 seine B-Lizenz erworben. Im Folgenden beschreibt er den Ablauf der Ausbildung und seine dort gesammelten Erfahrungen.

Der „sagenumwobene“ B-Lizenz-Eignungstest

Schritt 1: Der Eignungstest (Oktober 2017)

Neben dem Erledigen kleinerer Voraussetzungen (u.a. Lebenslauf, Erste-Hilfe-Kurs, Führungszeugnis) ist der sagenumwobene Eignungstest die erste größere Hürde auf dem Weg zur B-Lizenz. „Sagenumwoben“ deshalb, weil sich im Netz unterschiedlichste Erfahrungsberichte finden. Man liest von durchgefallenen Landesligaspielern und von Kreisklasse-Kickern, die laut eigener Aussage zuletzt vor einigen Jahren einen Ball am Fuß hatten und die Anforderungen dennoch scheinbar problemlos erfüllten.

Trainingshilfsmittel für Trainer und Vereine

Die Wahrheit liegt, wie so oft, wohl irgendwo in der Mitte. Ein technisch guter, fitter Kreisklassenspieler sollte die Anforderungen auf jeden Fall erfüllen können. Doch welche Anforderungen sind überhaupt gefragt?

Der zu schreibende Kurzaufsatz zur Frage „Was zeichnet einen guten Trainer aus?“, sollte in erster Linie die Deutschkenntnisse der Kandidaten überprüfen, der Inhalt stand im Hintergrund. Auf dem Platz standen dann diverse technische Übungen auf dem Programm, schließlich ist das korrekte Vormachen von neuen Techniken gerade im Kinder- und Jugendbereich elementar wichtig.

So spielten wir kurze Pässe, Flugbälle, Dropkicks, zeigten verschiedene Finten und hielten in Kleingruppen den Ball in der Luft. Großes Augenmerk lag hierbei jeweils auf der Beidfüßigkeit. An dieser Stelle geht nochmal ein Dank an zwei meiner Freunde, die in den Wochen vor dem Eignungstest mehrmals wöchentlich meine zuerst kläglichen Flugball-Versuche mit meinem schwachen Fuß ertragen und quer über den Platz einsammeln mussten. Zum Abschluss des Eignungstests ging es in ein freies 12-gegen-12, an dessen Ende immerhin 21 von 24 Teilnehmern zur B-Lizenz-Ausbildung zugelassen wurden. Es konnte also losgehen!

Die B-Lizenz-Ausbildung - Fußball von morgens bis abends

Schritt 2: Die Ausbildung (Mitte Juni bis Anfang Juli 2018)

Die B-Lizenz besteht aus drei Ausbildungswochen (Montag bis Freitag), insgesamt heißt das also für 15 Tage: Fußball von morgens bis abends. Morgens Theorie, vormittags Praxis, mittags Theorie, nachmittags Praxis. Abends standen oftmals noch Gruppenarbeiten oder weitere Theorieeinheiten (z.B. mit Referenten zu den Themen Life Kinetik oder Verletzungsprophylaxe) auf dem Programm.

Die Verbandssportlehrer deckten in den Theorie-Einheiten unterschiedlichste Bereiche (Trainingslehre, Taktik, Mannschaftsführung) ab und lieferten sehr viel Input, ohne zu irgendeinem Zeitpunkt langweilig zu werden. Dies lag sicherlich auch daran, dass der Unterricht sehr praktisch gestaltet wurde: Wir stellten ausgearbeitete Trainingsformen für die nächste Praxiseinheit vor, reflektierten diese anschließend oder hielten kurze Vorträge zu verschiedensten taktischen oder konditionellen Themen oder zur Mannschaftsführung. Reiner Frontalunterricht fand selten statt.

Besonderes Highlight war auch der Abend mit einem Referenten aus dem Bereich der Life Kinetik. Wahnsinn, wie sehr man eine Gruppe erwachsener Menschen mit jeweils zwei Tennisbällen und einer Augenklappe beschäftigen und zur Verzweiflung bringen kann.

Das fußballerische Niveau im Lehrgang

Das fußballerische Niveau im Lehrgang war für jemanden, der sowohl als Spieler als auch als Trainer bis dahin nur den Fußball auf Kreisebene kannte, fast schon ein (positiver) Kulturschock. Plötzlich steht man zweimal täglich mit aktuellen Dritt- und Regionalligaspielern, einem brasilianischen Ex-Profi, ehemaligen Junioren-Bundesliga-Spielern und vielen weiteren sehr, sehr guten Spielern auf dem Platz.

Die erste Trainingsform, die ich in den drei Wochen coachen durfte, war dann dementsprechend auch eine ganz neue Erfahrung für mich – auf einmal stehen keine 15-jährigen Hobbykicker aus der Kreisliga vor dir, sondern gestandene und erfolgreiche Herrenspieler.

Die Nervosität war jedoch nach den ersten Bällen komplett verschwunden, ich war zufrieden und das Feedback aus der Gruppe und vom Ausbilder war sehr positiv. Und wenn dir einer der erfahrensten Trainerkollegen im Anschluss sagt: „Du warst aufgeregt? Hat man dir nicht angemerkt.“, nimmt man das natürlich gerne mit. So konnte es weitergehen!

Die B-Lizenz-Prüfungen – Nervosität und die Kugelschreiber-Katastrophe

Schritt 3: Die Prüfungen (Mitte August 2018)

Nachdem ich die drei Ausbildungswochen fast direkt hintereinander absolviert hatte, war ich froh, dass ich bis zu den Prüfungen knapp sechs Wochen Zeit hatte. In diesem Zeitraum konnte ich die gesammelten Erkenntnisse nochmal vertiefen und in der Sommervorbereitung mit meinem damaligen Team viele neue Ansätze ausprobieren.

Die Prüfungen hatten es in sich und verlangten einiges ab. Verschnaufpausen gab es in diesen drei Tagen sehr wenig, dafür lag umso mehr Prüfungsstress in der Luft.

Zuerst wurden wir zur schriftlichen Prüfung gebeten und mussten Fragen zu den drei großen Themenbereichen „Taktik“ (u.a. zu gruppentaktischen Elementen), „Trainingslehre“ (u.a. zu sämtlichen Trainingsaspekten der Schnelligkeit) und „Mannschaftsführung“ (leistungssteigernde Wirkung von Rivalität) beantworten. Kleine Randnotiz: Wie es der Zufall so will, gab mein Kugelschreiber nach ein paar Minuten den Geist auf, so dass ich den Rest der Prüfung mit dem Stift eines ungeliebten Nachbarvereins zu Ende bringen musste. Wider Erwarten schien mir der Stift aber kein Pech zu bringen und ich verließ den Raum nach der Klausur insgesamt sehr zufrieden.

Der zweite Teil war die mündliche Prüfung. Es entwickelte sich wie angekündigt ein recht anstrengendes Gespräch mit den Verbandssportlehrern. Ich wurde an die Taktiktafel geschickt und sollte darstellen, wie ich gegen das 4-2-3-1 des Prüfers verteidigen würde. Ich entschied mich für ein 5-4-1, merkte jedoch recht schnell selbst, dass es durch die nummerische Unterzahl schwer wird, wirklich Druck im Pressing erzeugen zu können. Da ich nicht alles bis dahin Gesagte wieder verwerfen wollte, versuchte ich, den Taktikteil bestmöglich aus dieser Grundordnung heraus zu retten. Dies gelang mir eher mittelmäßig, die Prüfer nahmen es aber immerhin mit einem Augenzwinkern: „Mit so einer Spielweise würdest du in Italien bestimmt gut ankommen …“

Danach ging es in der mündlichen Prüfung um die Konditionsfaktoren und darum, wie ich jeden einzelnen trainieren würde. Dieser Teil gelang mir deutlich besser. Den Abschluss bildete eine Frage zur Mannschaftsführung: Wie gehe ich mit meinem Stürmer um, der seit fünf Spielen nicht mehr getroffen hat? Ich zeigte einige Lösungsansätze auf und stellte heraus, dass Ursache und endgültige Lösung vor allem im Dialog mit dem Spieler gesucht werden müssen.

Nachdem die mündliche Prüfung geschafft war, ging es auf den Platz, wo jeder Trainer vor den Augen mehrerer Prüfer jeweils eine technische und eine taktische Lehrprobe durchführen musste. Ich hatte Glück, dass ich vergleichsweise dankbare Themen zugelost bekam: Im technischen Teil ging es für mich um die Verbesserung der Ballan- und -mitnahme flacher Zuspiele, im taktischen Teil sollte ich das Abwehrverhalten in Unterzahl trainieren.

Mit der Nervosität verhielt es sich genauso wie während der Ausbildungswochen: Mit dem ersten Ball fiel der Puls von gefühlten 200 auf einen erträglichen Wert und ich konnte die Trainingsformen an den gewünschten Stellen einfrieren, Korrekturen vornehmen und Hilfestellungen bieten, die von den Spielern anschließend gut umgesetzt wurden.

Ich war also mit den Lehrproben insgesamt zufrieden und teilte dies den Prüfern auch im letzten Teil, der mündlichen Reflexion, mit. Direkt im Anschluss bekam ich die Bestätigung, dass ich bestanden habe. Zwar nicht ganz mit den erforderlichen zehn Punkten für die nächsthöhere Lizenz, aber eben doch souverän. Die Empfehlung des Prüfers, in den nächsten Jahren weitere Erfahrungen zu sammeln und dann den Eignungstest für die Elite-Jugend-Lizenz zu absolvieren, werde ich auf jeden Fall befolgen.

Der Weg zur B-Lizenz – Viel Stress, aber sehr lehrreich

Fazit:

Die Kosten und der Zeitaufwand mögen sicherlich einige abhalten, doch wer als Trainer wirklich vorankommen will und sich fachlich und sportlich weiter entwickeln möchte, der wird um die B-Lizenz nicht herumkommen. Es wird sehr viel Wissen vermittelt, das anschließend auf dem Platz und im Austausch mit den Trainerkollegen gefestigt werden kann. Eine Lizenz alleine macht sicherlich aus niemandem automatisch einen besseren Trainer, doch hilft sie, die eigene Arbeit in allen Bereichen kritisch zu reflektieren und letztlich immer weiter zu optimieren.

Insgesamt war es also eine stressige, aber sehr lehrreiche Zeit. Das Geld, die Zeit und die Nerven (Stichwort: Prüfungswoche!) waren definitiv bestens angelegt.

Daniel Kohrs

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