Fußballtrainer-Praxistipp: Improvisation als Kernkompetenz

Das Training gut geplant! ... aber manchmal kommt alles anders als man denkt!

Eine der wohl wichtigsten Kernkompetenzen eines Trainers ist, auf Unvorhergesehenes im Training zu reagieren und die Abläufe neuen Gegebenheiten anzupassen.

Das Training gut geplant! ... aber manchmal kommt alles anders als man denkt!

Eine der wohl wichtigsten Kernkompetenzen eines Trainers ist, auf unvorhergesehenes im Training zu reagieren und die Abläufe neuen Gegebenheiten anzupassen. Gerade im unteren Amateurbereich ist es dabei völlig gleichgültig, welche Jugend trainiert wird.

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Gut geplant, aber nichts passt zusammen

Hört sich im ersten Schritt immer einfach an, ist es aber eben nicht, denn oft genug sehe ich Trainerkollegen auf dem Platz, die ihre für 14 Spieler und zwei Torhüter geplante Einheit mit 5 Spielern und ohne Torwart durchdrücken wollen. Die Ergebnisse und der Nutzen einer solchen Einheit sind dann fast immer entsprechend gering. Dabei wären oft nur wenige Änderungen nötig, um das geplante Ziel zu erreichen. Mit zunehmender Erfahrung fällt das den meisten auch deutlich leichter.

Gegenmaßnahmen und Problemlösungen

Anhand einiger häufig auftretender Gegebenheiten, möchte ich euch passende Gegenmaßnahmen bzw. mögliche Problemlösungen aufzeigen. Meistens weicht die Spielerzahl von der geplanten ab, denn plötzlich ist bei Trainingsstart der Torwart doch nicht anwesend, oder es stehen nicht ausreichend Tore oder Platz zur Verfügung.

Als Übungsbeispiel nehme ich eine Kombinationsform mit Torabschluss, welche ich auf zwei Tore mit mindestens 12 Feldspielern und zwei Torhütern geplant hätte.

Jetzt baue ich meine geplante Übung um und passe sie den nicht erwarteten äußeren Bedingungen an. Bedenkt bitte, dass diese Lösungen nur eine von vielen Ansätzen sein kann und keinerlei Anspruch auf Erfolg oder Perfektion gegeben ist. Alle Vorschläge sind nur als Denkanstöße gedacht! Seit kreativ und traut euch immer neue Wege zu gehen, habt Mut auszuprobieren, auch wenn es mal nicht so gut funktioniert. Nur aus Erfahrungen lernt der Trainer, auch aus negativen.

Ich belasse es hier bei einer einfachen Übung und werde deren Ablauf kurz beschreiben (siehe Grafik unten):
- Spieler A passt auf B, der auf den startenden A klatschen lässt
- Spieler A passt mit dem ersten Kontakt in den Lauf von C. Dieser ist bereits mit dem ersten Pass gestartet
- C flankt den Ball nach innen auf B, der sich vor dem Tor in Stellung gebracht hat
- Seitenverkehrt wird diese Übung von 12 Spielern bei doppelt besetzten Hütchen durchgeführt.

Wie zu Beginn erwähnt, möchte ich jetzt auf unvorhergesehene Veränderungen reagieren. Sollte ich also weniger Spieler zur Verfügung habe als die geforderten 12, wäre die erste Option, nur einen Durchlauf aufzubauen. Da ich aber beidfüßig trainieren möchte, ist dies als Lösung nicht wirklich geeignet.

Im ersten Schritt könnte ich die Doppelbesetzung der Positionen auflösen. Jetzt erkenne ich aber, dass auf der Position C der höchste Laufaufwand betrieben wird und die Übung so ins Stocken geraten würde.

Wir benötigen also nicht mehr 12, sondern nur noch 8 Spieler (auf den Positionen A+B jeweils einen, auf Position C weiterhin zwei und das auf beiden Übungsseiten).

Der Torwart fehlt ... und jetzt?

Fehlt mir der Torwart, kann ich ins Großfeldtor ein Jugendtor hineinstellen und lasse nur Tore zählen die trotzdem im Großfeldtor landen. Es ist auch möglich, mit Hütchen, Stangen oder Zielbändern Trefferflächen im Großtor zu markieren, oder in den jüngeren Altersklassen das Jugendtor entsprechend mit Hilfsmitteln zu markieren.

Ohne Gegner- und Zeitdruck sollten meine Spieler sich auf einen sauberen ersten Kontakt und einen guten Abschluss konzentrieren können.

Steht mir beispielsweise kein Großfeldtor zur Verfügung, kann ich die Aufgabe so ändern, dass der Abschluss eine Kopfballrückgabe werden soll . Leider würde ich hier mein Thema verfehlen, vielleicht ist es besser Stangentore zu nutzen und dann nur Tore zuzulassen, bei denen der Ball unterhalb der Hüfthöhe die Stangen passiert.

Den Ablauf an die Übungsfeldgröße anpassen

Haben wir weniger Platz als geplant, kann ich die Laufwege verkürzen und lasse die Spieler auf den Flügeln keine Flanken schlagen. Sie könnten dann bis zur „imaginären“ Grundlinie ziehen und den Ball flach und in den Rücken der nicht anwesenden Verteidiger spielen.

All diese Varianten und Möglichkeiten sind nur ein Denkanstoß und weder vollständig noch perfekt für jede Übung. Die Veränderung der Rahmenbedingungen erfordert von uns Trainern aber ein angemessenes Handeln. Das Schlimmste was wir tun können ist, unser Training diesen Veränderungen nicht anzupassen! Überdenkt und hinterfragt eure Übungen deshalb immer bevor ihr startet und nehmt entsprechende Korrekturen vor! Lasst es im Ablauf nicht zu, dass sich Positionen "leer" laufen und/oder lange Wartezeiten entstehen.

Beachtet zum Thema auch meinen Artikel "Fußballtrainer-Praxistipp: Pass, Schuss - und dann?"

Viel Erfolg beim Abwandeln eurer Übungen!

Björn Burhenne

(2013/2014 Trainer U16 TSV 1860 Rosenheim, C-Lizenz Leistungssport, Life Kinetik® Premium Trainer & Sportlicher Leiter einer Fußballschule)