Wie Live-Spiele Teil des Fußballtrainings werden können

Fußballtraining findet normalerweise auf dem Platz statt, mit Ball am Fuß und klaren Übungen.

Doch einige der interessantesten Lernmomente können schon vor der nächsten Trainingseinheit entstehen, wenn Spieler ein Spiel verfolgen und darauf achten, was abseits des Balls passiert.

Gerade für junge Spieler können Live-Spiele abstrakte Ideen greifbarer machen. Stellungsspiel, Raumaufteilung, Bewegung, Kommunikation und Entscheidungen sehen anders aus, wenn sie über den gesamten Platz hinweg beobachtet werden, statt nur während einer Übung erklärt zu werden. Entscheidend ist, diese Beobachtungen anschließend ins Training zu übertragen.

Ein Stadionbesuch kann zum Training gehören

Ein Besuch bei einem Profispiel muss nicht nur Unterhaltung sein. Trainer können den Spielern schon vor dem Anpfiff ein oder zwei konkrete Beobachtungsaufgaben geben. Dabei kann es etwa darum gehen, wie eine Mannschaft Räume schafft oder wie sich die Spieler nach einem Ballverlust verhalten.

Wer mit einer Mannschaft oder als Familie einen Spieltag plant, kann über seatpick verfügbare Fußballtickets für verschiedene Wettbewerbe und Begegnungen vergleichen. Für das Training ist jedoch nicht der Anbieter entscheidend, sondern die Frage, mit welchem konkreten Blick die Spieler das Spiel verfolgen.

Ein Trainer kann beispielsweise einen Spieler auswählen, dessen Verhalten die Mannschaft beobachten soll. Bei einer anderen Aufgabe kann jede Gruppe auf einen anderen Bereich achten. Verteidiger beobachten die Bewegungen der Abwehrkette, Mittelfeldspieler achten auf das Anbieten und die Räume zwischen den Linien. Bei jüngeren Kindern reicht es oft schon, freie Räume zu erkennen und zu sehen, wann sich ein Spieler dorthin bewegt.

Nicht nur dem Ball folgen

Der Ball zieht automatisch die Aufmerksamkeit auf sich. Gerade Kinder, die ihr Spielverständnis noch entwickeln, sehen deshalb zunächst vor allem den Spieler in Ballbesitz. Das Stadion bietet eine gute Gelegenheit, den Blick auf die anderen Aktionen zu lenken.

Ein Spieler kann einen Laufweg machen, ohne anschließend angespielt zu werden. Ein Verteidiger kann mehrere Meter verschieben, nur um einen Passweg zu schließen. Ein Flügelspieler kann lange breit stehen, ohne den Ball zu bekommen. Solche Bewegungen gehen leicht unter, wenn man nur dem Ball folgt.

Im Training lassen sich einzelne Situationen anschließend mit kleinen Spielformen aufgreifen. Der DFB betont bei Kindern und Jugendlichen Spielformen in kleinen Gruppen und beschreibt sie als Grundlage des guten Nachwuchstrainings.

Das beobachtete Spiel liefert damit konkrete Beispiele für das nächste Training.

Aus Beobachtungen Fragen machen

Nur zu sagen, dass die Spieler gut zuschauen sollen, reicht meist nicht. Besser sind einfache und konkrete Fragen.

  • Vor dem Spiel könnte ein Trainer drei Fragen stellen:
  • Wohin bewegt sich der Außenverteidiger, wenn die eigene Mannschaft den Ball hat?
  • Wie verändert sich die Position des Mittelfelds, wenn der Ball auf die andere Seite gespielt wird?
  • Was passiert unmittelbar nach einem Ballverlust?

Die Fragen müssen keine komplizierten taktischen Begriffe enthalten. Sie sollen den Spielern helfen, bestimmte Muster wahrzunehmen.

Nach dem Spiel reichen oft zehn Minuten Gespräch. Die Spieler erzählen, was sie gesehen haben, vergleichen ihre Beobachtungen und können darüber sprechen, ob sie ähnliche Situationen aus ihrem eigenen Fußball kennen. Eine dieser Situationen kann dann den Ausgangspunkt für die nächste Trainingseinheit bilden.

Eine Idee reicht

Trainer sollten nicht versuchen, das komplette Spiel einer Profimannschaft auf eine Jugendmannschaft zu übertragen.

Profis spielen in Strukturen, die auf ihre technischen Fähigkeiten, ihre körperlichen Voraussetzungen und ihre taktischen Aufgaben abgestimmt sind. Jugendmannschaften befinden sich dagegen in unterschiedlichen Entwicklungsstufen.

Sinnvoller ist es, eine einzelne Idee aus dem Spiel herauszugreifen.

Eine Mannschaft kann beispielsweise beobachten, wie ein Team auf dem Flügel Überzahlsituationen schafft. Im nächsten Training lässt sich daraus eine einfache Zwei-gegen-Eins- oder Drei-gegen-Zwei-Spielform entwickeln. Beobachten die Spieler dagegen, wie Verteidiger einen Angriff zunächst verzögern, statt sofort in den Zweikampf zu gehen, kann daraus eine defensive Spielform entstehen.

Es geht nicht darum, Bewegungen exakt zu kopieren. Die zugrunde liegende Idee ist wichtiger.

Jüngere Spieler brauchen einfachere Aufgaben

Auch die Beobachtungsaufgaben sollten zum Alter passen.

Soccerdrills.de ordnet seine Trainingsinhalte nach Altersklassen, Schwerpunkten und Schwierigkeitsgraden. Das reicht von grundlegenden Bewegungs- und Ballübungen bis zu technisch und taktisch anspruchsvolleren Inhalten.

Dasselbe Prinzip lässt sich auf Stadionbesuche übertragen. Jüngere Kinder können beispielsweise zählen, wie oft sie einen Pass mit dem Innenfuß sehen, beobachten, welcher Spieler dem Ball am nächsten bleibt, oder freie Räume suchen.

Ältere Spieler können sich mit komplexeren Themen beschäftigen, etwa defensive Organisation, Umschalten nach Ballverlust oder Bewegungen ohne Ball.

Dabei soll aus dem Stadion kein Klassenzimmer werden. Die Idee ist vielmehr, den Spielern eine zusätzliche Möglichkeit zu geben, das Spiel zu sehen, das sie selbst gerade lernen.

Auch Trainer können etwas mitnehmen

Die Methode ist nicht nur für Spieler interessant. Auch Trainer können von gezielter Spielbeobachtung profitieren. Die UEFA nennt das Beobachten von Spielen ausdrücklich als Teil des sogenannten „reality-based learning“ für Trainer und nutzt aktuelle Spiele, um Anforderungen des modernen Fußballs zu analysieren.

Ein Trainer muss dafür nicht mit einem kompletten Taktikplan auf die Tribüne gehen. Oft reicht ein einzelner Beobachtungsschwerpunkt. Wie schnell stellt sich eine Mannschaft nach einem Ballverlust neu auf? Wie schaffen Spieler an engen Stellen Passoptionen? Wie viel Bewegung findet statt, bevor der Ball überhaupt gespielt wird?

Solche Beobachtungen können später direkt in die Trainingsplanung einfließen.

Trainiert wird weiterhin auf dem Platz. Ein Live-Spiel kann aber das Bild liefern, das eine Übung verständlicher macht. Werden beide miteinander verbunden, wird der Stadionbesuch zu einem weiteren Teil des Lernens – und nicht nur zu einem Termin am Wochenende.

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