Wie Finanzstark muss eigentlich ein Landesligist sein?

Der Aufstieg in die Landesliga ist für viele kleine regionale Vereine ein großes Ziel. Dafür ist es auf der einen Seite notwendig, die sportlichen Anforderungen zu erfüllen.

Bereits im Spielbetrieb der Landesverbände muss es gelingen, die Meisterschaft und den Aufstieg zu erringen. Doch ist diese erste Hürde genommen, bedeutet dies für viele Vereine noch nicht den sicheren Einzug in die Landesliga.

Was passiert mit der 50+1 Regel?

Wieder einmal wird beim Blick auf das Ligensystem in Deutschland deutlich, wie groß die Unterschiede in einzelnen Bereichen sind. Auf der einen Seite regulieren die Verbände der Bundesländer die Anforderungen, die beim Einzug in die Landesliga erfüllt werden müssen. Zwar ist es möglich, sich als Verein eine kleine Gnadenfrist einräumen zu lassen, doch selbst diese reicht in der Regel nicht aus, um sich den Herausforderungen zu stellen. Denn dafür ist gesondertes Kapital notwendig, das in die Verbesserung der Strukturen investiert werden kann. Während die absolute Grundlage der Auflagen deutschlandweit einheitlich ist, gibt es je nach Bundesland individuelle Zusätze, die es den kleinen Klubs mitunter sehr schwer machen, den Weg in die nächst höhere Liga erfolgreich zu meistern.

Kleine Vereine im Blickpunkt

Eine der zentralen Aufgaben, die nach dem Aufstieg anzupacken sind, ist die Umfriedung des Geländes. Es muss sich demnach um eine eingezäunte Spielstätte handeln, bei der unbefugte Gäste nicht mehr die Chance haben, auf die Ränge zu gelangen. Ähnliche Regulierungen gelten für das Training. Weiterhin ist es von Bedeutung, einen eigenen Bereich für die Gästefans einzurichten. Da diese meist gar nicht, oder nur in geringer Zahl erscheinen, erweist sich besonders diese Auflage häufig als Streitpunkt zwischen Verband und Verein. Nur mithilfe eines Kredits, wie er hier zu finden ist, haben die kleinen Vereine dann noch die Gelegenheit, die Anforderungen rechtzeitig bis zum Ende der eingeräumten Frist zu erfüllen.

Ebenfalls in die Riege der auferlegten Maßnahmen zählt das Schaffen eines geeigneten Parkplatzes und einer getrennten Versorgung für Fans und Spieler. Durch andere Anforderungen, wie zum Beispiel einen separaten Eingang für die Spieler beider Teams, können die Kosten der Umrüstung mitunter in den sechsstelligen Bereich reichen. Da dies nicht mehr dem gewohnten Finanzierungsrahmen eines kleinen Vereins entspricht, lässt sich die Aufregung bei diesem Thema nur zu gut nachvollziehen.

Der Druck der Auflagen

Wie weit diese Anforderungen um sich greifen, lässt sich am Beispiel einiger Klubs sehr deutlich erkennen. So sah sich der Klub Westfalia Rhynern nach dem erfolgreichen Aufstieg der finanziellen Anforderung entgegen. Die Vereinskasse wurde dafür mit rund 40.000 Euro belastet. Obwohl zahlreiche Auflagen durch die tatkräftige Unterstützung des Umfelds erfolgreich durchgesetzt werden konnten, waren die Verantwortlichen des Verbands am Ende dennoch nicht zufrieden. Dies lag an einer fehlenden Beschallungsanlage, welche im Vorfeld hätte geschaffen werden sollen.

Wie viele Verantwortliche berichten, stehen die Fußballvereine nach dem Aufstieg häufig in einer Zwickmühle. Viele von ihnen verweigerten sogar schon die Versetzung in die neue Liga, die durch so viel sportlichen Ehrgeiz erworben wurde. Denn es wäre nicht möglich gewesen, den großen Anforderungen des Verbands gerecht zu werden. Dass eine solche Entscheidung auf harsche Kritik im Umfeld stoßen kann, welches sich in den vergangenen Jahren allein auf dieses Ziel des Aufstiegs ausrichtete, ist nur zu gut nachvollziehbar. Dennoch sehen viele Vereine inzwischen keinen anderen Ausweg mehr, um sich der Situation zu entziehen. Da zudem nicht sicher ist, ob in den folgenden Spielzeiten die Klasse auch gehalten werden kann, entwickelt sich der Aufstieg zu einem großen finanziellen Risiko. So gibt es inzwischen Vereine, die gar nicht zwingend an der Teilnahme in einer höheren Liga interessiert sind. Die sportliche Verzerrung, welche damit in Verbindung steht, lässt sich leicht erkennen.

Ein Investor als Lösung?

Schon in den vergangenen Jahren wurden Investoren immer wieder als passende Möglichkeit angesehen, um sich aus einer finanziell klammen Situation zu befreien. Doch bereits ein kurzer Blick auf die Praxis zeigt, dass es sich besonders in spezifischen Situationen nicht um den perfekten Weg handeln muss. Einerseits ist es für einen Landesligisten absolut unrealistisch, zum Objekt des Interesses eines Geldgebers zu werden. Schließlich handelt es sich bei den Käufen stets um Aktionen, die in erster Linie das Prestige in den Mittelpunkt rücken. Gleichsam bemisst sich die Summe der Investition in erster Linie an den realistischen Werten, welche die Anteile eines Klubs wert sind. Durch den niedrigen materiellen Wert eines klassischen Vereins in der Landesliga wäre es kaum lohnenswert, die für neue Änderungen fällige Summe auf diese Weise zu generieren.

Weiterhin gibt es selbst im Profifußball klare Beispiele dafür, was sich durch den Einstieg eines Investors verändern kann. Der TSV 1860 München konnte sich auf diese Art und Weise zwar vor der Insolvenz retten, konnte jedoch aus sportlicher Sicht nie mehr größere Akzente setzen. Den Druck, den Investoren in der Folge auf einen Klub ausüben können, scheint ebenfalls nicht zuträglich für das Gelingen des eigenen Projekts zu sein. Eine ähnliche Situation lässt sich derweil beim Hamburger SV beobachten, der ebenfalls auf die temporäre Hilfe eines Geldgebers setzte. Doch der Wunsch nach größerer Entscheidungskraft, der bei der externen Person aufkam, konnte nicht zur Entspannung der prekären sportlichen Lage beitragen. Aus dieser Sicht scheint es mehr als angebracht, eine Regel wie 50+1 auch in Zukunft zu erhalten. So haben die Vereine zumindest die Möglichkeit, die Mehrheit der Entscheidungen persönlich zu treffen und sich nicht nach externen Faktoren zu richten.

Unter dem Strich zeigen sich demnach auch beim Blick auf die Landesliga kleinere Missstände, die es in den kommenden Jahren zu beheben gilt. Besonders die kleinen Vereine sind schließlich für die Förderung des Sports nach wie vor von elementarer Bedeutung.