Das Spiel schreibt die besten Trainingsformen

Spielnahes Taktiktraining – Verbesserung des Abwehrverhaltens

Autor: Ralf Peter
DFB-Trainer, Trainerausbilder und anerkannter Autor

Spielnahes Taktiktraining – Verbesserung des Abwehrverhaltens

Im Junioren-Leistungsfußball und besonders im Seniorenbereich zielt das Training immer mehr auf das unmittelbare Verhalten im nächsten Spiel. Aus diesem Grund ist es wertvoll, Verhaltensweisen so zu trainieren, wie sie im Spiel vorkommen und Trainingsformen so zu gestalten, dass immer ein Bezug zum 11:11 gegeben ist.

Aber nicht nur das Taktiktraining, das geplante Handeln im Spiel, ist in spieltypischen Situationen mit Raum und Gegnerbezug besonders wertvoll. Auch das Trainieren von Techniken, so wie sie im Spiel vorkommen, ist für das Lösen von Spielsituationen besonders effektiv. Darum sollte es im leistungsorientierten Jugend- (ab C/B-Junioren) und Seniorenfußball im Training nicht fehlen.
Auch in den unterklassigen Ligen und im Juniorenfußball sollte man spielnah ausbilden.
Der Gedanke, Trainingsformen aus Spielsituationen zu entwickeln, basiert auf den oben genannten Überlegungen.

Trainingshilfsmittel für Trainer und Vereine

Erläuterung:

Trainingsschwerpunkt soll die Verfeinerung des Zusammenagierens der Spieler im zentralen Bereich sein. Es gilt folgendes zu überlegen:

  • Welche Spieler werden benötigt?
  • In welche Spielsituationen kommen sie?

Wichtig ist bei dieser Trainingsvorgabe das Zusammenwirken der Innenverteidiger mit den 6ern und dem Torhüter. Sicherlich spielen hier auch andere Spieler wie z.B. die Außenverteidiger eine Rolle, doch im zentralen Bereich und speziell bei Anspielen aus der gegnerischen 6er-Position sind es vorrangig die genannten Spieler. Sie werden für das Training benötigt und die folgende Abbildung verdeutlicht dies:

Erläuterung:

Die nächste Überlegung ist wie man diese Spielsituation in eine Trainingsform einbetten kann. Folgende Abbildung zeigt eine Möglichkeit:

Übungsbeispiel 1:

Organisation:

  • Begrenzung des Spielfeldes (Breite=Strafraum; Länge= bis etwa zum Anstoßkreis)
  • 2 Großtore, Innenverteidiger und 6er gegen 2 Spitzen und 2 gegnerische 6er (einer aktiv, der andere pausiert), 2 Torhüter

Ablauf:

  • TW spielt 6er an; dieser versucht im Zusammenspiel mit den beiden Angreifern zum Torabschluss zu kommen. Die abwehrende Mannschaft kann nach erfolgreicher Balleroberung auf das Großtor kontern

Coaching-Tipps / Steuerung der Spielform / Variationen:

  • 1 tiefe Spitze und ein 10er bei der angreifenden Mannschaft zur Vorbereitung auf einen Gegner im 4-2-3-1-Spielsystem
  • Die abwehrende Mannschaft lässt das erste Anspiel auf den 6er zu, erst nach dem Anspiel werden sie aktiv

Übungsbeispiel 2: (Variante falls nur 1 Torhüter zur Verfügung steht)

Organisation:

  • Begrenzung des Spielfeldes (Breite=Strafraum; Länge= bis etwa zum Anstoßkreis)
  • 1 Großtor und zwei kleine Hütchentore, Innenverteidiger und 6er gegen 2 Spitzen und 2 gegnerische 6er (einer aktiv, der andere pausiert), 1 Torhüter

Ablauf:

  • Der „pausierende“ 6er eröffnet die Trainingsform mit einem Anspiel auf den 6er; dieser versucht im Zusammenspiel mit den beiden Angreifern zum Torabschluss zu kommen. Die abwehrende Mannschaft kann nach erfolgreicher Balleroberung auf die Hütchentore kontern ( Pass oder auch Dribbling, je nach Vorgabe durch den Trainer)

Coaching-Tipps / Steuerung der Spielform / Variationen

  • Spieleröffnung nicht immer zwingend auf den 6er, auch ein Anspiel in die Spitze ist möglich

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