Kinderfußball - Die Psyche der kleinsten Fußballkids

Die Psyche der kleinen Stars

01. Vorwort

Hier geht es um die jüngsten Stars im Fußball. Dabei verzichte ich bewusst auf detaillierte Beschreibungen von Trainingsinhalten oder Verhaltensmustern im Spielbetrieb Kinderfußball.

Aber dennoch möchte ich im Vorwort zur Trainingsgestaltung beim Kinderfußball/Bambini noch etwas loswerden: Vor Jahren wurden die Vorschulkinder häufig in die Turnvereine gesteckt, um Bewegungsmängeln rechtzeitig vorzubeugen. Dort wurde die Körperbeherrschung durch gezielte Motorikübungen in Verbindung mit koordinativen Fähigkeiten vermittelt. Erst später orientierten sich die Kids zu anderen Sportarten.

Trainingshilfsmittel für Trainer und Vereine

Heute kommen immer mehr Kinder direkt zum Fußball, was für die Trainer/innen eine große Verantwortung für das gesundheitliche Wohl der Kinder bedeutet. Ausgebildet für diese Tätigkeit sind nur wenige Übungsleiter/innen.

Es gibt viele Trainingsprogramme, die die fußballerische Ausbildung der Bambini zu stark in den Vordergrund stellen. Es wird versucht, die Kids bereits jetzt an den Fußballsport zu binden, damit man den Kampf um die Mitgliederzahlen nicht gegen andere Sportarten verliert. Dies geschieht auf Kosten der Kinder, die nur selten umfassend körperlich und seelisch ausgebildet werden können. Wettkampfspiele und Fußballspiele, möglichst in kleinen Gruppen, sind dabei unverzichtbar, um den Spaß am gemeinsamen Erleben zu fördern.

Biete in Deinen Trainingseinheiten Übungen an, die Kinder zum Handel in der Gruppe veranlassen. Dies fördert die Sozialkompetenz, Hilfsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit und die Kompromissfähigkeit. Jedes Kind hat das Gefühl, dem Team durch seine Aktivität und Anwesenheit zu helfen.

Aber selbst dies allein reicht nicht aus, um die Kinder optimal zu fördern. Nicht zuletzt sind für die Betreuung der Bambini eine Vielzahl von Hilfsmitteln erforderlich. Viele Vereine haben nur Hütchen, Markierungsteller oder Stangen in ihrem Gerätebestand. Die Kids müssen aber zum Beispiel auch klettern oder mit vielen verschiedenen Bällen spielen.

Das Erarbeiten von motorischen Fähigkeiten, die Korrektur und Vorbeugung von/gegen Haltungsschäden, die Persönlichkeitsentwicklung und die Entwicklung des Sozialverhaltens, sind die wichtigsten Ziele im Bambini-Training. Ebenso gehören Ausflüge und andere gemeinsame Teamerlebnisse zum Programm. Eine schwere und zeitintensive Aufgabe, über die sich aber jede/r Trainer/in bewusst sein sollte. Bambini kann man nicht "so nebenbei" betreuen.

Wie sagt man so schön: "Das Lächeln der Kinder ist die Bezahlung für meine Tätigkeit als Trainer/in!" Wie aber bringe ich das "Lächeln" in die Gesichter der Kinder? Um als Trainer/in kindgerecht zu handeln, sollten einige Merkmale der Psyche von Kindern bekannt sein.

02. Konzentration, Action, Neugierde und Fantasy im Kinderfußball

Kinder interessieren sich sehr für sämtliche Dinge, die in ihrem unmittelbaren Umfeld passieren. Sie möchten ihre eigenen Erfahrungen machen und sich ständig und variabel bewegen. Durch die vielen Einflüsse auf dem Fußballplatz ist ein Kind nicht in der Lage eine zeitraubende Übung konzentriert durchzuführen. Sie ermüden schnell, deshalb sollte bei den Kids immer wieder die ausgeprägte Neugierde geweckt werden. Gebe Deinen Übungen einen Namen und eine Geschichte. Die Bambini lieben diese Fantasiewelt und werden Dir besser folgen, wenn es um Raumschiffe, Prinzessinnen, Piraten, Cowboys und Könige geht. Handelt es sich um schulpflichtige Kids, haben sie ihre Tagesration an Konzentration schon für die Schule und Hausarbeiten verbraucht. Beim Kinderfußball ist Action und Spaß angesagt, Erwachsene verstehen das nicht immer.

03. Langeweile und Unverständnis

Kinder haben keine Zeit, sie wollen immer etwas erleben und entdecken. Deshalb macht es keinen Sinn, Konzentration auf langatmige Technikübungen, oder womöglich taktische Verhaltensweisen, einzufordern. Die Kinder werden Dich fragend anschauen, aber nicht verstehen, was Du überhaupt von ihnen willst.

04. Unbekümmert und ahnungslos

Einem Kind ist es unmöglich, sein eigenes Handeln zu überblicken. Unbekümmertheit, Ahnungslosigkeit und Risikobereitschaft verpflichten den/ die Trainer/in zu einer verantwortungsvollen Leitung sämtlicher Aktivitäten im Verein.

05. Wohlfühlfaktor

Schaffe für Deine Fußballkids ein optimales Umfeld und eine angenehme Atmosphäre. Damit beeinflusst Du die Entwicklung im Sozialverhalten und legst den Grundstein für viele schöne Jahre im Verein.

06. Vorbilder und Rituale

Neben der Mutter und dem Vater, ist auch der/die Trainer/in häufig ein Vorbild und damit prägend für die Entwicklung. Sei Dir Deiner Vorbildfunktion immer bewusst, bei jeder Handlung und bei jedem Wort. Dies fängt mit einer Begrüßung an und hört mit einer Verabschiedung auf. Kleiner Exkurs hierzu: Kinder lieben Rituale! Die Begrüßung und Verabschiedung eignen sich hervorragenden dafür. Ein Lied, ein Spruch oder ein gemeinsamer Kreis reichen für ein tolles Ritual schon aus.

07. Streicheleinheiten für Persönlichkeiten

Gebe jedem Kind viel Lob, Anerkennung, Vertrauen und Respekt. Mache die Kinder auf ihre Stärken aufmerksam, vermeide das Ansprechen von fußballerischen Schwächen, die bei den Kleinsten sowieso keine Rolle spielen. Nur so werden sich die Kinder zu stabilen, selbstbewussten Persönlichkeiten im Leben und damit auch im Kinderfußball entwickeln.

08. Kritiklose Vertrauensbildung

Weitere Aufgaben meistert ein Kind leichter, wenn es Vertrauen in seine sportlichen Künste hat. Durch Kritik zerstörst Du bei jedem Kind die Illusionen an den eigenen Fähigkeiten. Dies kann schlimmstenfalls sogar zu psychischen Störungen führen. Fehlt einem Kind die Anerkennung durch den/die Trainer/in fühlt es sich als sozial unerwünscht, deshalb nie vergessen: Loben, loben, loben!

Erkennst Du bei einem Kind sportliche Defizite ist es Deine Aufgabe, diese gezielt zu beseitigen. Kritik ist dafür nicht erforderlich.

Äußere Dich niemals negativ über ein Kind in der Mannschaft oder im Teamumfeld. Ein Vertrauensbruch hat verheerende Folgen und ist selten zu reparieren.

Behandle die Kinder mit viel Respekt und Vertrauen, damit sie den Fußballsport begeisternd ausführen, auch noch nach vielen Jahren.

09. Die schönste Nebensache der Welt

Blockiere die Kinder zeitlich nicht mit dem Fußball. Es muss genügend Raum für die Schule und andere Freizeitinteressen verbleiben. Das Kind orientiert sich noch und darf nicht zu früh aufs Fußballspielen fixiert werden, auch wenn Du das vielleicht erreichen möchtest. Die umfassende körperliche Entwicklung des Kindes steht im Vordergrund, nicht die eines Fußballspielers oder einer Fußballspielerin.

10. Psychische Belastbarkeit

Beim Erwachsenen kennt es jeder, aber beim Kind spielt die Psyche eine noch größere Rolle für die körperliche Belastbarkeit. Probleme in der Familie, in der Schule und bei Sport können ein Kind völlig aus der Bahn werfen. Auch Angst kann zu starken psychischen Belastungen führen. Angst ist immer ein schlechter Ratgeber beim Training und Spiel.

11. Sieg oder Niederlage

Der Leistungsgedanke im Kinderfußball darf nicht bereits bei den Kindern beginnen. Vorschulkinder können damit sowieso nichts anfangen. Der Wettkampf ist zwar spannend, aber schnell wieder vergessen.

Es ist früh genug, wenn bei Jugendlichen der Leistungsgedanke in den Vordergrund tritt. Im Jugendalter geht es dann um Erfolg oder Misserfolg, um Sieg oder Niederlage. Dies ist der Reiz für Jugendliche und davon lebt der Fußball. Bleibt der Erfolg aber aus, führt dies auch häufig zum Vereinsaustritt. Warum wollen wir dies schon den Kindern antun, zumal sie Erfolg oder Misserfolg völlig anders definieren als wir Erwachsenen?!

Uwe Bluhm

Kinderfußball-Geschichten

300x250 DFB-Bücher - Seitenleiste