Kindertraining

Organisationsfehler und Lösungen

In diesem Text befassen wir uns mit Fehlern, die den Ablauf und die Effektivität des Kindertrainings behindern. Es geht hier nicht um Trainingsinhalte, sondern um den Umgang mit den Kindern und bessere Strukturen in den Trainingseinheiten. Die Trainingsinhalte können noch so gut geplant sein, ohne optimalen Trainingsablauf, werden die Kinder sich nur sehr langsam, oder gar nicht weiterentwickeln.

Trainingshilfsmittel für Fußballtrainer

Inhalt:

  • A. Verspäteter Trainingsbeginn: Es wird schon irgendwann anfangen!
  • B. Wartezeiten vor und während des Trainings: Warten auf den Ball!
  • C. Der Trainer als Star: So talentiert ist keiner!
  • D. Taktiktraining: Langeweile für Actionkinder
  • E. Individuelle Effektivität: Ein Trainer und ein Sack voller Kinder
  • F. Übungserklärung: Keiner hört gern lange zu!
  • G. Schwierigkeitsgrad: Der nervige Trainer!
  • H. Zeitdruck: Trainingsstress!
  • I. Leistungs- und Positionstraining: Schublade auf, Kind rein!
  • J. Trainingsende: ..... weg sind sie!
  • K. Zusammenfassung: Visionen sind erlaubt

A. Verspäteter Trainingsbeginn

Es wird schon irgendwann anfangen!

Ein großer Fehler in der Trainingsorganisation ist der verzögerte Beginn. Kinder benötigen klare Regeln, dazu gehört natürlich auch die Pünktlichkeit. Wertvolle Trainingszeiten, auf die Saison hochgerechnet viele Stunden, gehen verloren. Der Trainer oder einige Teammitglieder erscheinen verspätet oder sind zum Zeitpunkt des Trainingsbeginns noch nicht umgezogen oder nicht bereit, mit dem Training zu starten. Die Zeit, die für das Umziehen, Aufbau von Trainingshilfen, Aufpumpen der Bälle oder Öffnen von verschlossenen Türen benötigt wird, ist nicht immer in der Zeitplanung enthalten.

Den Kindern muss klar sein, das Training beginnt auf die Minute genau zu einer bestimmten Zeit. Jedes Kind hat pünktlich und trainingsbereit zu sein. Entsprechend erscheinen die Kinder rechtzeitig vor Trainingsbeginn, um zum Trainingsstart umgezogen auf dem Platz zu stehen. Als Trainer sollte dies konsequent umgesetzt werden. Die Kinder, die zu spät erscheinen können dann auch warten, bis die erste Übung beendet ist. Ein gutes Mittel um zukünftig Pünktlichkeit zu erzwingen. Der Trainer ist im Idealfall bereits vor den Kindern am Trainingsort und zwar so pünktlich, dass genügend Zeit für die Trainingsvorbereitung verbleibt. Hierzu zähle ich ausdrücklich auch den Aufbau von Trainingshilfen für das geplante Training. Wenn die örtlichen Gegebenheiten es erfordern, dass der Coach vor dem Spiel Hilfe benötigt, werden Kinder eingeteilt, die früher beim Training erscheinen, um zu unterstützen.

B. Wartezeiten vor und während des Trainings

Warten auf den Ball!

Vor Trainingsbeginn: Für die Kinder beginnt das Training, sobald sie auf dem Fußballplatz ankommen. Der Trainer ist schon da, aber redet mit Eltern, baut sein Training auf oder kümmert sich um andere organisatorische Dinge. Jede Minute, die ohne Bewegung vergeht, ist für die Kinder eine Qual.
Im Training: Wartezeiten im Training entstehen oft durch Fehler in den Punkten c. bis i. und werden dort abgehandelt.

Ein Beispiel möchte ich hier dann doch nennen. Nicht jeder wird davon begeistert sein, weil es häufig anders gelehrt wird:

In der Trainingspraxis der technischen Ausbildung passiert oft ein ganz gravierender Fehler. Es wird ein, besonders begabtes Kind, herausgesucht, das die Übungen vorführt. Der Rest der Kinder langweilt sich und wartet ungeduldig, endlich ausprobieren zu dürfen. So wird die Übung eine kleine Show für das talentierte Kind und es dauert einige Minuten bis es richtig losgeht. Diese Zeit wird verschenkt, weil die "Vorführung" häufig viel zu lange andauern.

Vor Trainingsbeginn: Was passiert, wenn der Trainingsbeginn sich verzögert, oder wie beschäftige ich Kinder, die früher auf dem Platz stehen? Zunächst muss die Aufsichtspflicht gewährleistet sein und kann von einem Elternteil oder dem Co.-Trainer übernommen werden.

Erarbeite einen Aktivitätsplan. Jedes Kind hat einen Ball, schon bevor das Training offiziell beginnt. Dies ist für die Kinder besser, als auf den Trainer mit dem Ballnetz zu warten. Warten ist grundsätzlich schlecht, die Kinder kommen dabei nur auf dumme Ideen. Ich empfehle die Anschaffung eines kleinen Heftes (Vokabelheft?) und eines Stiftes für jedes Kind. In diesem Heft trägt der Trainer kleine Aufgaben ein, die die Kinder vor Trainingsstart erledigen können. Beispiele: - "Hochhalten des Balles mit dem rechten Fuß". Das Kind trägt dann Datum und den besten Versuch ins Heft ein. - "10 x Schuss aus 10 m Entfernung auf ein 2 m breites Tor". Das Kind trägt dann Datum und die Anzahl der erfolgreichen Versuche ein. Haben zwei Kinder diese Aufgabe in ihrem Heft, können sie sich gemeinsam organisieren. Es gibt unzählige Aktivitäten, deshalb ist es sinnvoll, jedem Kind drei bis vier Varianten einzutragen. Das Heft wird dann nach einigen Monaten erweitert und die Inhalte besprochen.

Im Training: "Learning by doing" ist der Grundsatz. Auch bei technischen Übungsteilen können alle Kinder sofort die Bewegungsabläufe imitieren. Wenn überhaupt, reicht ein kurzes "Vormachen". Die Kinder verarbeiten das Geschehen sehr schnell visuell, es sind keine langen Demonstrationen notwendig. Die Korrektur erfolgt dann individuell.

Im Idealfall hat jedes Kind ständig einen Ball zum Spielen, dies kommt ihrem Bewegungsdrang am Nächsten. Wettkämpfe, Dribblings, Drehungen, Sprints, Sprünge und Torschüsse sollen jedem Kind eine Höchstzahl von Ballkontakten ermöglichen. Die individuelle Bewegungsfreiheit ist für die Kinder sehr wichtig, aber auch die Disziplin bei Übungsabläufen.

C. Der Trainer als Star

So talentiert ist keiner!

Mit der Überschrift provoziere ich, aber wer hat es nicht schon erlebt: Der Trainer spielt beim Trainingsspiel in einem Team mit und zeigt was er kann.

Ebenso ist es einem Trainer oft unmöglich, nicht direkt in eine Übung einzugreifen. Er übernimmt den Ball, führt Dribblings aus und schlägt Pässe. Der Trainer hat dann oft die meisten Ballkontakte und die Kinder schauen der Arbeit des Trainers zu, dabei sollte es doch umgekehrt sein. Wer profitiert von solchen Übungsformen?

Noch ein Beispiel: Der Trainer will den Zweikampf schulen, zum Beispiel das Spiel 1 gegen 1. Er übernimmt die Rolle des Verteidigers. Ein Erwachsener tritt gegen ein Kind in einem physischen Duell an. Das Kind steht so stark unter Druck, es wird den Kopf nicht heben und ist chancenlos im Zweikampf. Was soll das Kind dabei lernen?

Trainingsspiel: Hier hat der Trainer nichts zu suchen. Besser eine Mannschaft spielt in Unterzahl oder es gibt einen freien Anspieler, der immer bei der angreifenden Mannschaft mitspielt, als den Trainer als Spielmacher.

Der Coach hält sich aus den Übungsabläufen physisch raus. Für einen korrekten Übungsablauf wird der Trainer als Mitspieler nicht benötigt. Bei großen Problemen wird die Übung kurz gestoppt und der Fehler mit einer kurzen Anweisung beseitigt. Kurz gestoppt? Geht dabei nicht unnötige Aktivität und Zeit verloren? Nein! Nur dann nehmen Kinder die komplexen Anweisungen bewusst auf. Während eine Übung läuft, können nur kleine Korrekturen durch Zuruf ausgeführt werden. Ansonsten lobt der Trainer, oder feuert die Kinder an. Im Idealfall kann ein Kind zur individuellen Fehlerkorrektur kurz aus der Übung genommen werden, wenn die Übung dies zulässt.

Merke: Ein Trainer der mittrainiert, stört den Übungsablauf, die Konzentration und die Entwicklung der Kinder. Es ist besser auf die Durchführung von Übungen zu verzichten, als physisch am Ablauf teilzunehmen.

D. Taktiktraining

Langeweile für Actionkinder

Na ja, dann ist da noch die Sache mit dem Taktiktraining. Der Trainer packt auf dem Feld seine Tafel aus, die Kinder versammeln sich im Halbkreis um den Trainer. Dann beginnt er mit dem Erzählen und Erklären und glaubt, die Kinder würden ihm zuhören. Eigentlich warten sie nur darauf, gegen den Ball treten zu können, denn deshalb stehen sie auf dem Platz.

Verzichte auf lange, insbesondere taktische Gespräche während des Trainings. Hierfür gibt es witterungsbedingte Trainingsausfälle oder andere gute Momente, wenn es denn erforderlich ist. Auf dem Platz ist Fußball ein Actionsport. Die Kinder wollen und sollen aktiv sein.

E. Individuelle Effektivität

Ein Trainer und ein Sack voller Kinder

Ein Trainer, 20 Kinder und keine Helfer, die den Trainingsaufbau kennen. In dieser Situation neigen Trainer immer wieder zu Übungen, die in großen Gruppen durchgeführt werden können. Gerade das Training mit großen Gruppen muss sehr gut geplant sein, sonst langweilen sich die Kinder schnell, weil die Wartezeiten zu lang sind. Es gibt tolle Übungen, in denen die Ballkontakte nicht zu kurz kommen, insoweit verurteile ich Training mit Großgruppen nicht pauschal. Ein individuelles Eingreifen ist dem Trainer jedoch nur schwer möglich.

Je kleiner die Gruppen, desto effektiver das Training. Wie soll das gehen, wenn der Trainer nicht alle Kinder gleichzeitig beobachten kann und die Helfer nicht in die Trainingsplanung involviert sind?

Eine Möglichkeit wäre, das Team aufzuteilen. Der Trainer übt mit 1/3 der Gruppe, die anderen 2/3 des Teams machen ein kleines Spiel. Sollten die spielenden Mannschaften nicht aus der gleichen Anzahl von Kindern bestehen, kann ein neutraler Spieler eingesetzt werden, der immer in dem Team spielt, das in Ballbesitz ist. Die Kinder lieben diese Spiele, dürfen dabei aber nicht ohne Aufsicht bleiben. Um dieses Match kann sich ein Elternteil oder ein Co-Trainer kümmern. Der Coach konzentriert sich dann völlig auf sein Training. Nach einiger Zeit wird gewechselt. Das Team, welches mit dem Coach trainiert hat, wird gegen eine Mannschaft des Wettkampfspiels ausgetauscht. So sind alle Kinder immer beschäftigt und das Training wird wesentlich intensiver, als ein schlechtes Training mit einer großen Gruppe.

Aber auch mit diesem Vorschlag, wird die Trainingszeit nicht optimal genutzt, weil immer nur ein Teil des Teams intensiv trainieren kann. Auf Dauer ist ein Co-Trainer unumgänglich, zum Wohle der Kinder.

F. Übungserklärung

Keiner hört gern lange zu!

Der Trainer erklärt einen Übungsablauf: "A passt auf B, B dribbelt, passt und läuft zu C...." Damit können Kinder nichts anfangen.

Starte mit der Übung ohne große Erklärung. Jedes Kind kennt aus dem Fernsehen die Superzeitlupe, versuche es einmal damit. Die Kinder haben Freude daran.

G. Schwierigkeitsgrad

Der nervige Trainer!

Die geplante Übung ist zu komplex fürs Team, der Trainer will zu viel. Damit ist niemanden geholfen. Die Kinder kommen nicht in Bewegung und der Coach ist genervt.

Beginne bei Kindern immer mit einer einfachen Einleitung. Anfangen, nicht erst lange erklären! Durch den einfachen Start, kann die Bewegung sofort beginnen und die Kinder haben schnell ein Erfolgserlebnis. Auf Soccerdrills.de haben wir die Übungseinheiten entsprechend eingeteilt, viele haben als Einstieg in die Übung ein "Einfach" und lassen sich dann ausbauen.

Steigere den Schwierigkeitsgrad langsam, indem die Übungsfelder verkleinert werden, die Anzahl der Kinder reduziert wird, die Laufwege ausgebaut/verändert oder mehr Bälle hinzugenommen werden. Häufig können auch zusätzliche Abwehrspieler Übungen intensivieren, zunächst passiv, dann halbaktiv bis zum Attackieren in Wettkampfform.

Übungen, die viele Bewegungsformen und technische Elemente haben, sind eine hervorragende Methode, um die koordinativen Fähigkeiten zu verbessern. Wiederholungen, gerade bei koordinativen Bewegungen, lieben die Kinder. Der Trainer sollte dies ausnutzen, und technische Übungen immer wieder anbieten. Die Übungen können sich dabei in der Ausführung unterscheiden, nur der technische Anspruch ist identisch.

H. Zeitdruck

Trainingsstress!

Der Trainer ist immer gut vorbereitet und möchte seinen Trainingsplan konsequent durchziehen. Das ist falsch, weil Übungen mehr Zeit beanspruchen können, als geplant war. Nicht jeder Tag ist gleich und so wird es Trainingseinheiten geben, die nicht reibungslos funktionieren.

Jeder Trainer sollte Zielvorgaben haben, diese sind aber über einen längeren Zeitraum zu erreichen und nicht von einem Training abhängig Ein Trainer bleibt immer geduldig, denn es ist besser eine Übung zu perfektionieren, als fünf Übungen unter Zeitdruck abzuhaken. Es kommt auf die Klasse an, nicht auf die Masse der Trainingsinhalte. Jeder erfahrene Trainer kann schnell auf veränderte Situationen reagieren und variiert oder streicht geplante Übungen.

I. Leistungs- und Positionstraining

Schublade auf, Kind rein!

So ganz kann ich dann doch nicht vor Fehlern im Trainingsinhalt lassen, jedenfalls am Rande. Denn diese Fehler behindern auch die Trainingsorganisation. Trainer teilen im Gruppentraining die Kinder oft nach Leistungsstärke auf, damit jedes Kind optimal gefördert wird. Stures Positionstraining ist auch immer wieder im Kindertraining anzutreffen. Kinder, die in der Abwehr spielen, werden bei Übungen auch als Verteidiger eingeteilt, der Torwart ist und bleibt auch im Training Torwart. Also bereit sich der Coach ständig auf ein Training für unterschiedliche Leistungsmerkmale und verschiedene Spielpositionen vor. Dies ist nicht nur ein riesiger Erklärungsaufwand und damit Zeitverlust, es ist im Trainingsablauf auch nicht mehr ausreichend zu kontrollieren.

Fehlen bestimmte Kinder beim Training, können geplante Übungen können nicht mehr ausgeführt werden, weil der Ausbildungsstand bei den Kindern unterschiedlich ist. Der Trainer muss organisatorische Änderungen ausführen, die den Trainingsfluss behindern.

Die Gruppeneinteilung nach Leistungsvermögen lässt sich nicht immer vermeiden, sollte aber selten erfolgen. Die Kinder merken schnell, dass sie nach Leistungsvermögen aufgeteilt werden und damit kann schnell die Trainingsmotivation sinken. Ein Kind, das sich "schwach" eingestuft fühlt, wird schnell keine Freude mehr am Vereinsfußball haben.

Eine Vision des Trainers wäre, die Kinder alle auf den gleichen Leistungsstand zu bringen, erst dann ist eine optimale Ausnutzung der Trainingszeit gegeben. Dies ist unmöglich, aber ein guter Trainer verzichtet, wo immer es geht, auf diese Aufteilung.

Die Differenzierung nach Spielposition verstößt schon im Ansatz gegen die Grundsätze der optimalen Trainingsgestaltung. Der moderne Fußball verlangt eine vollständige fußballerische Entwicklung der Kinder, nicht nur als Angreifer oder Verteidiger. Hierzu gehört auch und gerade der Torwart, der immer wieder im Feld spielen muss. "Rotation" ist das Zauberwort im Kinderfußball. Jeder trainiert und spielt auf sämtlichen Positionen. Keine Spezialisierung auf Positionen im Kinderfußball. Den Kindern darf nicht die Möglichkeit genommen werde, sich frei zu entwickeln.

J. Trainingsende

..... weg sind sie!

Das Training ist beendet, die Kinder sind verschwunden und der Trainer räumt Platz und später auch noch die Kabine auf.

Das Team hilft dem Trainer beim Aufräumen des Trainingsplatzes. Die Helfer werden vorher namentlich festgelegt. Ein allgemeiner Aufruf hilft selten, einige Kinder werden sich dann nie beteiligen, deshalb ist eine genaue Festlegung der Namen erforderlich. Ebenso ist es sehr effektiv einen Kabinendienst einzuführen, der für das saubere Hinterlassen der Kabine und evtl. Vorräume verantwortlich ist. Die Aufgabenverteilung kann wöchentlich wechseln.

K. Zusammenfassung

Visionen sind erlaubt

Das Training beginnt pünktlich und die Kinder haben keine Langeweile. Die Übungen laufen ohne Verzögerungen ab. Zeitverluste und Wartezeiten werden durch das Aufteilen in Gruppen, kurze und klare Einleitungen und einen einfachen Einstieg in jede Übung vermieden. Der Trainer leitet und überwacht das Training, die Kinder üben. Geplante Inhalte werden nicht immer konsequent verfolgt, sondern dem Trainingsverlauf angepasst. Es findet -

-überwiegend- ein Mannschaftstraining statt. Dem Coach steht ein Co-Trainer oder Elternteil zur Seite. Der Trainer und das Team räumen gemeinsam den Trainingsplatz auf und achten auf Sauberkeit in der Kabine.

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Uwe Bluhm

Kinderfußballtrainer

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