Grundkurs - 8. Abend

Der 8. und letzten Abend des Basisteils ist schon erreicht, wir wollen aber noch letzte Lücken schließen. Willkommen dazu!

1.) Das pädagogisches Handwerkszeug für Fußballtrainer

a. Leitsätze für Jedermann

Lehrer Lämpel im Fußball
© stboy/Fotolia.com

Pädagogik, Erziehung bzw. der richtige Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist ein umstrittenes und sehr weites Feld, dem wir hier im Trainerkurs kaum gerecht werden können. Trotzdem möchten wir euch ein paar wichtige Tipps geben und Sachen ansprechen, die letztlich unbestritten sind, selbst unter den Hardcoreverfechtern des „Laissez-faire“-Erziehungsstils:

  • Man braucht mit seinen Übungen erst gar nicht anfangen, wenn nicht ein Mindestmaß an Bereitschaft und Konzentration der Trainingsteilnehmer gegeben ist. Zur Not muss man dieses am Anfang einfordern bzw. herstellen, etwas Neues und Interessantes anbieten, eine zusätzliche Pause vorschalten oder ähnliches.
  • Man soll Kinder- und Jugendliche immer dort „abholen“, wo sie gerade sind, d.h. man schaut, was können sie in dem Moment tatsächlich, und darauf baut man dann schrittweise im Training auf. (Was sie eigentlich in dem Alter können sollten, steht auf einem ganz anderen Blatt.)
  • Man soll vom Einfachen zum Schwierigen, vom Simplen zum Komplizierten, vom wenig Anstrengenden zur echten Herausforderung kommen. Das passiert über die Jahre hinweg als Gesamtausbildung, aber möglichst auch im ganz Kleinen bei jeder einzelnen Trainingseinheit.
  • Wir leben im Zeitalter der Forderung nach individueller Förderung und individueller Forderung von Kinder- und Jugendlichen, dafür müssen Gruppen auch mal etwas Unterschiedliches trainieren, Kinder- und Jugendliche sind unterschiedlich. Vielleicht gibt es sogar mal ein Extratraining. Mit dem Torhüter machen wir das später ja auch.
  • Beim „Fordern“ arbeiten wir so, als ob wir ein Gummiband mit dem Spieler daran immer leicht auf Spannung halten. Fordern wir zu viel, dann reißt es. Fordern wir zu wenig, dann kommt der Spieler kaum voran. Der Grad der Herausforderung und Schwierigkeit muss immer passen und ist von Kind zu Kind auch stark unterschiedlich! Fingerspitzengefühl ist gefragt!
  • Wir trainieren heute ausgerichtet an zu erreichenden, altersabhängigen Kompetenzen bzw. Saisonzielen. Man muss sich das so vorstellen, dass der Spieler eine Treppe hoch steigt. Immer, wenn er eine Stufe erreicht hat, dann versuchen wir, ihn auf die nächste Stufe zu bringen. Eigentlich ist es aber eher eine „Wendeltreppe“, denn wie bei einer Spirale kommen Dinge im Laufe der Jahre immer wieder im Training vor, nur "eine Etage höher" bzw. schwieriger, komplizierter oder später auch schneller („Spiralcurriculum“).
  • Der Trainer lobt, schimpft und bestraft immer angemessen. Loben kann er dabei als einziges eher zu viel als zu wenig. Mit Belohnungen erreicht man in der Regel auch mehr als mit Bestrafungen.

b. Schrittigkeit bei Disziplinarmaßnahmen

Pädagogik?
© Markus Bormann/Fotolia.com

Macht ein Spieler mal nicht mit und stört den Trainingsablauf, dann reagieren wir besonnen und ebenfalls schrittweise. Eine generelle Empfehlung für manchmal leider doch nötige Maßnahmen lautet:

  • Der mahnende, böse Blick in die Richtung des Kindes.
  • Die namentliche Nennung des Kindes mit der freundlichen Bitte, das zu unterlassen, in normaler Lautstärke.
  • Die namentliche Nennung des Kindes mit der erneuten Bitte, das zu unterlassen, in einem ärgerlichen Tonfall.
  • Die Androhung, das Kind für die nächsten ca. 5-10 Minuten (eine Übung) vom Training auszuschließen.
  • Das persönliche Gespräch mit dem Kind unter vier Augen. "Was stört dich?" "Was ist los?"
  • Das Kind wird tatsächlich von der nächsten Übung ausgeschlossen.
  • Die Androhung des Ausschlusses von nächsten Training oder Spiel.
  • Das Kind bekommt eine "Denkpause" für das nächste Training oder Spiel. Die Eltern werden informiert und man fragt in der Zwischenzeit nach möglichen Gründen für das auffällige und störende Verhalten. Wo gibt es Probleme?

Achtung: Wenn ich etwas androhe, dann muss ich es auch machen! Das will vorher sehr gut überlegt sein. Ansonsten verliere ich im Laufe der Zeit den Respekt und meine nötige Grundautorität.

Alles verstanden? Ok, dann bitte weiter zur nächsten Seite.

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