Interview: Qualifizierungstag Kinderfußball im VIP-Bereich des Aachener Tivoli!

Ein Kind lacht 400x am Tag, ein Erwachsener 18x

Ein vielleicht großer Tag für den Kinderfußball ist vorbei und ich hatte die Gelegenheit Ralf Klohr, den Initiator der FairPlayLiga dazu zu interviewen.

Der Qualifizierungstag Kinderfußball im VIP-Bereich des Aachener Tivoli fand am 08.09.2012 statt! Eingeladen dazu hatte der Jugendausschuss des Fußballkreises Aachen.

Qualifizierung im Kinderfußball
© ChepkoDanilVitalevich/shutterstock.com

Ralf, wie war es?

Einfach nur gut! Die Alemannia hat sich optimal auf unsere Bedürfnisse eingestellt. Es war alles vorbereitet.

• Wir haben eine tolle Begrüßung auf der Haupttribüne erlebt,
• hatten zwei perfekt ausgestattete Vortragsbereiche,
• in der Mittagspause gab es leckere Stadion-Currywurst
• und die abschließende Praxiseinheit mit dem DFB-Mobils konnte auf den neuen Kunstrasenplätzen stattfinden.

An dieser Stelle noch mal „Herzlichen Dank“ an Meino Heyen, den Präsidenten der Alemannia, der uns das in dieser Qualität ermöglicht hat, aber auch an sein Team, die sich super um uns gekümmert haben.

Von vorne, warum habt ihr das gemacht und wer war eingeladen?

Unser Ziel ist es, den Kinderfußball aus seinem Schattendasein in die öffentliche Wahrnehmung zu holen.

Wir wollen darauf aufmerksam machen, wie man mit Kinderfußball umgehen muss, denn da läuft einiges schief.

Eingeladen war von jeder Kindermannschaft im Kreis Aachen ein Trainer. Unser Ziel war hier, alle 300 Trainer auf einen gemeinsamen Wissensstand zu bekommen. So haben sie die Möglichkeit, sich bei ihren wöchentlichen Spielen auf Augenhöhe auszutauschen und sich im Sinn der Kinder zu ergänzen.

Wie muss ich mir das vorstellen, was habt ihr am Samstag gemacht?

Wir haben die vier Säulen des Kinderfußballs in zwei Themenblöcke aufgeteilt, psychologisch und sportspezifisch.

Für jede einzelne Säule konnten wir einen Spezialisten gewinnen: Den psychologischen Block haben von der DSHS (Anm: Deutsche Sporthochschule), Fr. Dr. Babett Lobinger und Werner Mickler abgedeckt, den sportspezifischen Block Claus Adelmann vom FVM und Paul Schomann vom DFB (Anm: langjähriger U-Trainer des DFB, jetzt u.a. als DFB-Trainer für den Basisfußball zuständig).

Was muss man sich unter dem psychologischen Block vorstellen?

Werner Mickler hat sich um die Psyche des Kindes gekümmert. Er hat erklärt, welche Bedürfnisse Kinder haben und wie z.B. Lob und Tadel auf die Psyche eines Kindes wirken.

Man muss sich nur einmal vor Augen führen, dass ein Kind am Tag 400mal lacht. Wir Erwachsenen schaffen es im Schnitt gerade 18mal. Daran lässt sich schon erkennen, dass die Kinder in einer ganz anderen Erlebniswelt leben als wir Erwachsenen. Darauf müssen wir uns einstellen.

Babett Lobinger hat das Fan/Elternverhalten unter die Lupe genommen. Hierbei muss man wissen, dass die Bedürfnisse der Kinder und die Vorstellungen und Wünsche der Erwachsnen beim Kinderfußball oft nicht übereinstimmen. Wir wollen Eltern dafür sensibilisieren, dass sie beim Kinderfußball ihre Emotionen genau hinterfragen müssen. In ihren Emotionen und Ansprüchen verbergen sich viele Gefahren für die Kinder.

Wir wollen auch versuchen, die Eltern für den Kinderfußball aktiv zu gewinnen. Ein Kindertrainer hat unglaublich vielfältige Aufgaben und dabei braucht er von der Elternschaft Unterstützung.

Um das mal klar zu sagen: Eltern sind für den Kinderfußball unverzichtbar!

... und der sportspezifische Block?

Paul Schomann vom DFB hat die Schlüsselrolle des Trainers in den Mittelpunkt gerückt. Da dürfen wir uns auch nichts vormachen, mit einem Kindertrainer steht und fällt der Kinderfußball. Er hat klar gemacht, dass ein Kindertrainer zunächst einmal ein Herz für Kinder braucht. Er hat die Aufgaben des Kindertrainers erläutert und unterstrichen, dass sich jeder in den Kinderfußball hineinentwickeln kann. Dafür gibt es ganz gezielte Ausbildungsangebote für den Kinderfußball.

Claus Adelmann vom FVM hat die Aufgaben und Chancen des Vereines rund um den Kinderfußball erläutert. Er hat vor allem darauf aufmerksam gemacht, dass Kinderfußball bei vielen Vereinsverantwortlichen keine große Rolle spielt. Das ist ein zentraler Punkt, den wir dringend ändern müssen.

Was ist das Fazit des Tages? Seid ihr zufrieden mit dem Ergebnis?

Zuerst möchte ich sagen, dass wir sehr zufrieden sind. Wir haben bestimmt nicht alle Kindertrainer in ihren Köpfen erreicht, aber sehr viele. Jetzt wird die Zeit arbeiten, denn die Trainer sehen sich jede Woche auf irgendeinem Fußballplatz und haben somit auch jede Woche die Gelegenheit etwas zu verbessern.

Ich habe bei meinen Recherchen in Sachen Kinderfußball immer wieder den Satz „Kinderfußball ist Erlebnisfußball und kein Ergebnisfußball gelesen“. Kannst du das noch kurz erläutern?

Als sich der Kinderfußball entwickelt hat, hat man einfach die Strukturen aus dem Erwachsenenfußball übernommen und Meisterschaften mit Tabellen ausgetragen. Eigentlich war es an dieser Stelle schon passiert. Wer in der Tabelle ganz oben stehen will, muss gewinnen. Wer gewinnen will, muss seine „derzeit“ stärkste Mannschaft auf das Feld schicken und kann dabei keine Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kinder nehmen. Er muss ja gewinnen! So einfach passiert es dann, dass Kinder, die noch nicht soweit sind oder einfach noch nicht genug Spielpraxis haben, durch das Sieb fallen und dem Fußball verloren gehen.

Erlebnisfußball heißt, die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt stellen und die Kinder Fußball als Spiel erleben zu lassen, auch wenn es mal nicht so funktioniert. Für Kinder ist das einzelne positive Erlebnis viel wichtiger, als der mannschaftliche Erfolg. Ein Kind kann ein Lob in seiner Psyche wie einen Sieg feiern.
Ich habe eingangs gesagt, dass ein Kind am Tag 400-mal lacht und ein Erwachsener 18-mal.
Nur das sagt schon aus, dass Kinder ein Spielergebnis viel schneller verarbeiten als Erwachsene, die sich noch Tage später über ein verloren gegangenes Kinderfußballspiel aufregen können, wo die Kinder schon längst wieder lachen.

Ralf, du und deine Mitstreiter engagieren sich unglaublich für den Kinderfußball. Die Euphorie bei vielen Teilnehmern war nach der Veranstaltung sehr groß und ich weiß von vielen Trainern, dass sie sich solche Veranstaltungen auch in ihren Regionen wünschen. Woran scheitert das und könntet ihr organisatorisch unterstützen?

MeWePro Kinderfußball-Sticker
©Soccerdrills.de

Es ist mir 2005 gelungen meinen Schalter umzulegen und ich habe angefangen zu denken und zu kämpfen. Da in unserem Kreisjugendausschuss mutige Verantwortliche sind, ist es gelungen 2007 mit der FairPlayLiga zu starten.

Jetzt am Samstag sind wir endlich zum Punkt gekommen. Dafür haben wir fast sieben Jahre gebraucht. Also, alles nicht so einfach. Ich hatte das Glück mit den Jahren viele prominente und kompetente Unterstützer zu finden.

Ich habe auch mit viel Aufmerksamkeit den Trainertalk verfolgt und hier unglaublich viel gelernt. An dieser Stelle einen schönen Gruß an Günter aus dem Saarland ;-)
Am Samstag hat dann alles gepasst. Der Veranstaltungsort und die Referenten waren top. Das war ein Glücksfall. Ob uns das so noch einmal gelingt weiß ich nicht. Wir haben die Veranstaltung aber in Bild und Ton dokumentiert. Wir müssen jetzt mal schauen, ob wir das mit unseren Mitteln online bekommen, dann könnten ALLE die Referate an ihrem Bildschirm erleben. Jetzt wo du mich fragst, kommt mir die Idee, dass jemand aus dem Trainerforum, von euren Facebook-Freunden oder einer der vielen Besucher dieser Seite uns unterstützen kann. Das wäre doch eine tolle Sache. Auf den Internetseiten www.kifu-aachen.de oder www.fairplayliga.de sind meine Kontaktdaten zu finden. ;-)

Vielen Dank für den kurzen Einblick in die Veranstaltung. Vielen Kindertrainern wird dadurch deutlich werden, was alles möglich ist ... zum Wohle der Kinder.

Uwe Bluhm

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