Muskelkrampf – wie entsteht er?

Experte: Dr. med. Markus Klingenberg - Autor: Christian Riedel

Spätestens wenn ein Fußballspiel in die Verlängerung geht, wird der eine oder andere Spieler von Krämpfen geplagt. Vor allem bei hohen Temperaturen steigt die Zahl der Kicker, die mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Platz liegen und sich von ihren Kollegen die Wadenmuskeln dehnen lassen. Krämpfe sind dabei nicht unbedingt ein Indiz, dass der Profi schlecht trainiert ist.

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Bei einem Muskelkrampf ziehen sich die Muskeln unkontrolliert stark zusammen. Dies kann mit großen Schmerzen verbunden sein. Das weiß jeder, der schon einmal von Krämpfen geplagt wurde. Bei der Entstehung der Krämpfe muss man zunächst unterscheiden, ob die Kontraktion während oder nach dem Sport ausgelöst wird.

Anders als Schweregefühle und Schwellungen treten Wadenkrämpfe sehr abrupt auf. Wie die schmerzhaften Verhärtungen der Wadenmuskulatur entstehen, ist nicht vollständig geklärt. Wadenkrämpfe können orthopädische Gründe haben (zum Beispiel, wenn ein Senk-Spreizfuß die Wadenmuskulatur ständig falsch belastet), auf Elektrolytstörungen beruhen, lästige Begleiterscheinung einer Stoffwechselerkrankung oder auch Zeichen einer Venenschwäche sein. „Nächtliche Wadenkrämpfe sind häufig eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente. Dazu gehören Kortisonpräparate, Diuretika und Cholesterinsenker“, sagt Dr. Markus Klingenberg, Sportmediziner am Petrus-Krankenhaus in Bonn.

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Kontrahieren die Muskeln beim Sport, ist meistens ein Magnesiummangel der Auslöser. Da man stark schwitzt, verliert der Körper auch viele Mineralien. Sofern man vor dem Sport kein ausreichendes Polster hat oder den Magnesium-Vorrat immer wieder auffüllt, kann das verlorene Magnesium die Krämpfe auslösen. Im Gegensatz dazu ist ein Kalziummangel meist der Auslöser, wenn im Ruhezustand Krämpfe auftreten.

Auch ein Mangel an Kalium oder Natriumchlorid (Kochsalz) kann Krämpfe auslösen. Daher ist es wichtig, vor allem beim und nach dem Sport seinen Elektrolythaushalt mit entsprechenden Getränken wieder auszugleichen. Apfelschorle oder alkoholfreies Bier sind hier besser geeignet als normales Mineralwasser. Auch Sportgetränke helfen bei der Wiederherstellung des Elektrolyt-Haushalts, sind aber meistens teurer.

Was bewirkt Magnesium?

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Magnesium ist ein zentraler Faktor bei der Entstehung von Muskelkrämpfen. Es ist der Gegenspieler von Kalium bei der Entstehung von Muskelkontraktionen. Ist der Magnesiumspiegel hoch genug, ist auch der Rücktransport von Kalium in die Muskelzelle (Sarkomer) gewährleistet. Die Muskeln, benötigen Kalium, um den Kalzium-Einfluss in die Zelle zu stoppen. Dadurch wird ein Aktionspotenzial beendet und die Kontraktion des Muskels gestoppt. Zu wenig Magnesium bedeutet umgekehrt, dass die Kalium-Konzentration im Muskel zu hoch ist und Kontraktionen nicht mehr gelöst werden können.

Bei einem Magnesiummangel ist außerdem die Reizbarkeit der Nerven geringer. Die Erregbarkeit der Neuronen wird reduziert. Dadurch ist auch die Nervenleitgeschwindigkeit reduziert.

Muskelkrämpfe verhindern

Um diese Form der Krämpfe, die durch Sport oder eine Störung des Elektrolythaushalts entstehen können, zu verhindern, sollte man schon vor dem Sport ausreichend Magnesium zu sich nehmen. Dabei reicht es meistens nicht, vor dem Training ein Sportgetränk zu sich zu nehmen. Besser ist, durchgängig auf eine ausreichende Versorgung mit Magnesium zu achten. Pro Tag liegt der Bedarf bei rund 300 – 400 Milligramm. Bei Sportlern kann er auch darüber liegen. Magnesiumreiche Lebensmittel sind beispielsweise Vollkornprodukte, grünes Gemüse, Nüsse, Bohnen oder Erbsen.

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2004 stellten der US-Sportwissenschaftler M.P Schwellnus und sein Team eine andere Theorie auf. Schwellnus zu Folge könnte kein Elektrolyt-Mangel, sondern eine neuronale Dysfunktion in den Zielmuskel-Muskelspindeln und den Golgiorganen Schuld an den Krämpfen sein. Diese Theorie muss allerdings noch genau überprüft werden.

Weitere Krampf-Ursachen

Neben einem Mineralienmangel können auch andere Faktoren beim Sport Krämpfe auslösen. Ist die Blutversorgung beeinträchtigt, beispielsweise durch Kompressionsstrümpfe oder zu enge bzw. zu eng gebundene Schuhe, können Krämpfe entstehen. Auch eine Überlastung, ein unzureichender Trainingszustand, Krampfadern, eine Infektion oder eine alte Muskelverletzung können Muskelkrämpfe beim Sport auslösen.

Was tun, wenn die Wade plötzlich krampft?

„Die beste Selbsthilfe ist die Dehnung. Sie entspannt den Muskel passiv“, sagt Klingenberg. Regelmäßige Fußgymnastik beugt den Krämpfen zudem wirkungsvoll vor. „Gerade für Freizeitsportler ist es wichtig, ausreichend zu trinken, um den Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt zu stabilisieren.“ Ist eine ernsthafte Grunderkrankung ausgeschlossen, kann auch ein Therapieversuch mit Magnesiumpräparaten sinnvoll sein. Der Mineralstoff soll das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln verbessern.

Originalartikel: netzathleten.de

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