Keine Angst vorm Kopfball ... richtiges Training macht es möglich

Schritt für Schritt zum angstfreien Kopfball!

Irgendwann kommt der Tag, an dem der Kindertrainer mit dem Kopfballtraining beginnen muss. Viele Experten meinen ab der U13 oder U12 ist der Start ins Kopfballtraining früh genug, andere meinen ab der U10 geht es richtig los.

Erfolgreiche balleroberung
©contrastwerkstatt/Fotolia.com

Da sind sie wieder diese Schubladen, die viele Trainer zur Verzweiflung bringen. Welches ist denn jetzt das richtige Alter? Jeder Trainer kennt sein Team am besten und bevor mutige Spieler unkontrolliert mit den Kopfball beginnen, sollten die technischen Grundlagen erlernt werden. Informationen hierzu findest du unter "Kopfball - Die Grundlagen".

Bedeutet, ein guter Trainer spürt die Bereitschaft eines Spielers zum Kopfball und sollte dann Schritt für Schritt mit der Technikschulung beginnen. Bewusst schreibe ich "Spieler" und nicht "Team", denn ein Spieler muss dazu bereit sein und ist er es nicht, dann hat er eventuell zu viel Angst. Bei einer tatsächlichen Angst macht Kopfballtraining keinen Sinn und der Einstieg muss extrem leicht gestaltet werden.

Bitte deshalb den Kopfball in jungen Jahren niemals im Spiel fordern, entweder freiwillig oder gar nicht. Ohne die technischen Grundlagen vermittelt zu haben, kann die Forderung von Kopfbällen sogar zu Gesundheitsschäden führen.

Uns geht es hier nicht um die Spieler, die mutig zum Kopfball gehen, wir wollen die Ängste nehmen und das ist gar nicht so schwer. Diese Ängste bestehen übrigens auch bei den Erwachsenen, die sich über die Gesundheit ihrer Kinder Gedanken machen. In den USA geht es sogar so weit, dass von Eltern eine Helmpflicht im Kinder- und Jugendfußball gefordert wurde. Näheres dazu kannst du im Artikel "Macht der Kopfball blöd?" nachlesen.

Der erste Schritt - Einstieg ins angstfreie Kopfballspiel

Um den Einstieg ins angstfreie Kopfballspiel zu trainieren eignet sich hervorragend das Hallentraining, denn wir benötigen wenig Platz, außerdem muss bei der Planung die Witterung nicht berücksichtigt werden.

Ganz wichtig, wir benutzen keine "normalen" Fußbälle, sondern nehmen Lightbälle, leichte Plastikbälle oder sogar Wasserbälle bzw. Luftballons. Die Aufzählung der Ballsorten zeigt schon, dass jeder Trainer den Ball nutzen sollte, der zum Leistungsvermögen seines Teams passt.

Das Kopfballtraining sollte sehr dosiert eingesetzt werden, denn eine komplette Trainingseinheit mit Kopfbällen kann schnell zu Kopfschmerzen führen und schon ist der Spaß weg.

Zunächst sollte jeder Spieler sich den Ball selbst hochwerfen und mit der Stirn nach oben drücken und wieder fangen. Dann zweimal hochköpfen und fangen und so weiter.

Auf die Techniken (Nackenmuskulatur etc.) gehe ich hier nicht weiter ein, beachte dazu den obigen Link. Achte aber sehr intensiv schon beim Einstieg auf die Einhaltung dieser Grundlagen.

Im nächsten Schritt wird der Ball dann zugeworfen. Beachte hierzu unsere Einstiegsübungen:
Erste Kopfbälle
Kopfball - Mit Partner
Kopfball - Doppelkopf

Bei den Partnerübungen kommt es dabei oft zu ungenauen Zuwürfen, denn das ist für viele Spieler nicht einfach. Diese Rolle können Trainer und/oder Co-Trainer übernehmen. Ich erwähne es nur, der leichte Zuwurf erfolgt natürlich von unten mit beiden Händen. Die Spieler stellen sich dann in einer Reihe auf und kommen nacheinander zum Kopfball. Dies hat auch den Vorteil, dass der Trainer beim Zuwurf das individuelle Leistungsvermögen und die Angst des Spielers berücksichtigen kann.

Im nächsten Schritt kann der Zuwurf dann direkt von einer Position neben dem Tor erfolgen, die Spieler können so mit einem Torerfolg zusätzlich motiviert werden.

Als Highlight ist dann die Übung "Naka-Naka" zu empfehlen, dabei vergessen die Spieler die Sorge vor dem Kopfball. Der Ablauf wird in der Leseprobe genau erklärt.

Es geht richtig los - der zweite Schritt

Die neue Trainergeneration

Nachdem der Einstieg und die Abläufe gut funktioniert haben, können wir den Schwierigkeitsgrad von Training zu Training steigern. Zunächst lösen wir uns von den Einstiegsbällen, wobei der Lightball immer erhalten bleibt. Deshalb sollten wir die leichten Einstiegsübungen ggf. wiederholen.

Stimmt bei den Spielern die Technik? Notfalls muss der Trainer individuell korrigieren.

Wir vergrößern die Abstände und die Zuwürfe werden schwieriger. Beim Kopfball aufs Tor sollen die Spieler jetzt gezielt nach Vorgabe in eine Ecke köpfen. Nutze die Übungssammlung "Kopfball" und suche dir die Übungen heraus, die zum Leistungsvermögen deines Teams passen.

Wenn wir die Angst beim Kopfball wirklich beseitigen wollen, sollten in den nächsten Trainings immer wieder Spielformen angeboten werden, denn beim Wettkampf vergessen die Spieler ihre Angst.

Bereits beim Aufwärmen eignet sich hierzu "Handball-Kopfball". Zwei Tore, zwei Teams sie sich untereinander und gegeneinander den Ball zuwerfen und ein Tor darf nur per Kopf erzielt werden.

Und noch ein Tipp:

Buch - Spielintelligenz im Fussball

Im Soccerdrills-Hallentraining findest du die Übung "Flugkopfball". Unscheinbar und wird oft von Trainern jüngerer Mannschaften gerne übersehen, weil Flugkopfball kein Thema in jungen Jahren ist. Sie eignet sich nicht für völlige Kopfball-Anfänger, aber Kinder haben einen Riesenspaß dabei und vergessen die Angst vorm Kopfball häufig komplett. Die Zuwürfe lassen sich vom Trainer hervorragend an den einzelnen Spieler anpassen und du wirst dich wundern, was einzelne Spieler unter "Schwer" leisten.

Mit großer Vorsicht, gut dosiert und mit viel Spaß hatte ich nie Probleme, den Spielern die Ängste zu nehmen. Habe viel Geduld und biete immer wieder Kopfballtraining an, aber vergesse niemals das Schulen der Grundtechniken.

Uwe Bluhm

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