So klappt es mit dem Kapitän

Welcher Mannschaftskapitän ist gut für den Fußballtrainer und das Team?

Unser Zusammenleben wird immer häufiger in flachen Hierarchien geregelt. Das ist der Trend, nicht nur auf dem Arbeitsplatz, auch im Fußball. Das Spieler für andere Spieler die Taschen tragen, sollte nur noch ein Relikt aus vergangenen Zeiten sein.

Kapitän - wählen oder bestimmen?
©Bernd_Leitner/Fotolia.com

Diese flachen Hierarchien im Fußball bedeuten aber auch, dass jeder irgendetwas zu sagen hat und seine Vorschläge einbringt. Das ist nicht immer einfach, denn letztendlich trägt der Trainer die Verantwortung für das Wohl der Mannschaft. Ständige Diskussionen kann er sich gar nicht erlauben, sie stören den geregelten Trainings- und Spielbetrieb. Wenn auf dem Platz jeder Anweisungen gibt, führt das nicht selten zum Chaos.

Deshalb benötigt der Trainer einen "verlängerten Arm". Das kann der Co-Trainer sein, der aber auch nichts ohne den Trainer entscheiden darf und schon ist der Chefcoach wieder voll in die Diskussion einbezogen. Weil der Trainer nicht ständig jeden Spieler erreichen und mit ihm diskutieren kann, benötigt er einen Hauptansprechpartner im Team, den Kapitän bzw. Mannschaftsführer.

Die Aufgaben des Kapitäns

Bevor wir überlegen, wie der Trainer den besten Kapitän bekommt, sollten wir einmal beschreiben, was von einem Mannschaftsführer alles verlangt wird. Im heutigen Fußball reicht es nicht mehr aus, dass der Kapitän die Seitenwahl durchführt, mit dem Schiedsrichter spricht und für die Getränke nach dem Spiel sorgt.

Der Kapitän ist der Kopf des Teams, trägt Verantwortung und seine Mitspieler folgen seinen Anweisungen auf und neben dem Platz. Wegen seiner Führungs- und Sozialkompetenz wird er von den Mitspielern respektiert, genießt hohes Ansehen und verhält sich diszipliniert. Für die Spieler ist er eine Vertrauensperson, die jederzeit ansprechbar ist und notfalls zwischen Team und Trainer vermittelt. Trotz dieser hohen Anforderungen ist er voll ins Team integriert. Außerdem sollte der Kapitän zu den Leistungsträgern auf dem Feld gehören und über entsprechend hohe Einsatzzeiten verfügen. Nur so werden seine Anweisungen auf dem Feld akzeptiert.

Der ideale Kapitän für den Trainer

Thema: die richtige Einstellung
©Soccerdrills.de

Als ob das nicht schon genug wäre, was wir von einem Kapitän erwarten. Er ist nicht nur der verlängerte Arm zwischen Team und Trainer, sondern auch zwischen Trainer und Team.

Zwischen dem Mannschaftsführer und dem Trainer sollte ebenfalls ein besonderes Vertrauensverhältnis herrschen. Welche Aufgaben und Kompetenzen ein Kapitän haben kann, ist immer vom Alter, von der Erfahrung und von der Persönlichkeit abhängig. Die Hierarchie lässt sich so ganz einfach feststellen: Trainer, Co-Trainer, Kapitän und Team. Genau in der Reihenfolge und eventuelle Betreuer reihen sich, je nach ihrer Funktion und dem Verhältnis zum Trainer ein. Uneingeschränkter gegenseitiger Respekt ist dabei natürlich die Grundvoraussetzung.

Der Kapitän erkennt Stimmungen oder Konflikte im Team oft frühzeitiger als der Trainer, deshalb sollten immer wieder persönliche Gespräche zwischen Trainer und Kapitän stattfinden. Der Kapitän darf nie vergessen, dass seine Mitspieler ihm ein besonderes Vertrauen entgegenbringen, er ist kein "Petzer".

Er ist der erste Ansprechpartner des Trainers und seine Kompetenzen gehen oft soweit, dass der Trainer den Kapitän in die Aufstellungsplanung und die Beurteilung von Leistungen und Spielvermögen einzelner Spieler einbezieht. Die endgültige Entscheidung trifft natürlich immer der Trainer, aber der Kapitän kann wertvolle Anregungen liefern und deshalb kann ihm ein gewisses Mitspracherecht eingeräumt werden.

Soll der Trainer den Mannschaftsführer bestimmen oder wählen lassen?

Ein gesundes Demokratieverständnis lässt eigentlich gar keine andere Möglichkeit zu, als den Kapitän vom Team wählen zu lassen.

Bekommt das Team dadurch den Mannschaftsführer den es benötigt, oder der Trainer seinen Wunschkandidaten?

Der Coach sollte vor der Wahl deutlich erklären, welche Aufgaben ein Mannschaftführer hat. Der eine oder andere Kandidat springt dann vielleicht sogar freiwillig ab. In vielen Teams wird nämlich nicht die geeignetste Spielerpersönlichkeit zum Mannschaftskapitän, sondern der "beste" oder "coolste" Spieler gewählt. Auch eine Abstimmung im "Nationalitäten-Block" ist nicht selten. Bei neu zusammengestellte Mannschaften gibt es dann noch weitere "Blockbildungen", die eine neutrale Wahl behindern.

Dann wäre es also besser, der Trainer benennt den Kapitän?

Eigentlich ja, zumindest von der C- bis A-Jugend (ca. 13 bis 19 Jahre alt). Wo diese Altersgrenzen liegen, ist stark abhängig von der sozialen Kompetenz der Mannschaft und ob sich Spieler im Team befinden, die die beschriebene Verantwortung übernehmen können. Allerdings ist der vom Trainer bestimmte Kapitän immer der "Auserwählte", das "Lieblingskind". Neid und Missgunst sind so wahrscheinlicher, als wenn der Mannschaftskapitän von seinen Mitspielern gewählt wird.

Eine Mischform zwischen Teamwahl und Bestimmung durch den Trainer ist für die meisten Mannschaften die beste Lösung. Die Mannschaft wählt dabei zwei, drei oder vier Mannschaftsführer und der Trainer bestimmt aus diesem Kreis den Kapitän.

Der Kapitän im Kinderfußball

Teambuilding
©Soccerdrills.de

Eine ganz andere Bedeutung hat der Mannschaftsführer im Kinderfußball. Hier beschränken sich die Aufgaben des Kapitäns tatsächlich nur darauf, das Team aufs Feld zu führen und die Seitenwahl vorzunehmen.

Der Kapitäns-Effekt ist ein ganz anderer, als in den älteren Jahrgängen. In der Regel wird die Kapitänsbinde stolz getragen und ein Kind ist sich seiner besonderen Rolle durchaus bewusst.

Jetzt wird diese "Ehre" im Kinderfußball oft nur einem Kind während der gesamten Saison übertragen. Das ist schade, denn mit keiner anderen Aktion lässt sich so einfach Selbstbewusstsein vermitteln.

Wird der Kapitän vom Trainer bestimmt, muss es nicht zwangsläufig der "beste" Spieler oder das "Trainerkind" sein. Mit einer Teamwahl sind die jüngsten Jahrgänge oft überfordert und es kann zu großen Enttäuschungen kommen.

Der Kinderfußball-Trainer macht es sich unnötig schwer bei der Auswahl eines Kapitäns und sorgt nicht selten für unnötige Diskussionen bei den Eltern. "Natürlich der Sohn des Trainers...", oder ".. wie immer wird XY bevorzugt.." können die Reaktionen sein.

Diesen ganzen Diskussionen kann man aus dem Weg gehen, wenn der Mannschaftskapitän von Spiel zu Spiel bestimmt wird. Bestenfalls abwechselnd, aber auch besondere Vorkommnisse können das beeinflussen. Tolle Trainingsbeteiligung, Geburtstag oder Oma und/oder Opa besuchen zum ersten Mal ein Spiel. Das Kind wird um mindestens zwanzig Zentimeter wachsen und Oma/Opa werden stolz auf ihren Enkel sein. So einfach ist das und der Trainer schafft sich keine unnötigen Probleme. Der Kapitän im Kinderfußball ist wichtig ..... für das Kind, das die Kapitänsbinde tragen darf.


Uwe Bluhm

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