Das große Geschäft mit den Kindern! (3)
4. Fallbeispiel Brasilien
Brasilien ist das Land mit den meisten Fußballtalenten und deshalb für den
Kinderhandel besonders anfällig. Geschäftsleute suchen gezielt nach jungen Talenten,
die Methoden sind dabei sehr zweifelhaft. Es geht ums Geld, man nennt das dann
"Ausbildungsvergütung". Barcelona hat mit derartigen Manövern Erfahrung. Das Beispiel gehört zwar nicht nach Brasilien, aber lässt sich auf andere Spieler übertragen. Argentiniens Lionel Messi kam mit 13 zusammen mit seinem Vater. Grund für den Wohnortwechsel: in Argentinien waren die Behandlungskosten für Messis Wachstumsprobleme nicht aufzubringen. Barca bezahlte gerne die ca. 700 € monatlichen Behandlungskosten. Er hat es geschafft, der Armut zu entkommen, aber was wäre gewesen, wenn?
Schätzungsweise werden in Brasilien jährlich 100 Millionen Euro mit dem Handel von
Kindern und Jugendlichen als Fußballer verdient. Das Volumen ist ca. doppelt so hoch
wie beim Kaffeehandel.
Der Name Carlos Roberto dürfte einigen Lesern noch bekannt sein. Er hat bis zu
hundert "Talente" unter Vertrag und alle stammen aus armen Verhältnissen. Damit hat
Carlos die Rechte an den Kindern. Carlos: "Zuerst säen wir, dann ernten wir und schließlich verkaufen wir unser
Produkt auf dem Markt. Direkt auf den Tisch des Verbrauchers. Unser Hauptabsatzmarkt
ist Europa." Die Kinder werden in einem "Aufzuchtprogramm" gefördert. Es gibt viele solcher
"Fußballschulen" in Brasilien.
Sportjournalist Dalmo Pessoa: "Das Königreich, also der europäische Fußball, zwingt
uns, einen Rohstoff von höchster Qualität zu liefern. Und dafür zahlt uns dieses
"Königreich" soviel, wie es ihm passt." Noch ein letztes Beispiel:
Die Fußballschule in Mirassol, eine neue Heimat für talentierte Kinder. Hier im
Bundesstaat Sao Paulo wurden früher Bäume geholzt, später Gold gewaschen, dann
Rinder gezüchtet - und jetzt Torjäger. Mit wöchentlichem Taschengeld und vier
Mahlzeiten am Tag fühlen sich die Kids in der ländlichen Tristesse bereits auf der
Sonnenseite des Lebens. Doch fußballerisch gesehen befinden sich die Superstars in
spe hier in der zweiten Regionalliga. Eine Scheinwelt, in der Hoffnungen geweckt
werden, die nie in Erfüllung gehen. Arm und minderjährig - aber Geschäft ist Geschäft und wer nicht zu verkaufen ist,
wird abserviert und dies ist die Masse der talentierten Kinder. Hast Du Kinder? Was würdest Du machen, wenn Barcelona anruft?
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