Die undurchschaubare Taktik des Pep Guardiola

Ein heilloses Durcheinander mit Konzept

Wenn eine Mannschaft in den vergangenen Jahren die Welt des Fußballs dominiert hat, dann der FC Bayern München. Nicht nur innerhalb von Deutschland konnte das Team zahlreiche Erfolge verzeichnen, auch im europäischen Fußball und im allgemein internationalen Vergleich war die Mannschaft so gut wie unschlagbar. Unter Trainer Pep Guardiola, der zur vergangenen Saison zu den Bayern stieß, hat das Team sogar noch mehr aus sich gemacht, und das obwohl zuvor mit dem erreichten Triple schon alles gewonnen schien, was nur möglich war. Guardiola, der zuvor beim FC Barcelona tätig war, hat seine ganz eigene Taktik mit nach München gebracht, die stark an die seines „Entdeckers“ und Trainers Johan Cruyff erinnert, der ihn als Spieler ganz groß heraus brachte.

Keine festen Aufstellungen wie „Telefonnummern“

Die Taktik und Strategie, die Guardiola beim FC Bayern etabliert hat, ist insofern schwierig zu beschreiben, als dass es schwer fällt, hier ein Muster zu erkennen. Ansonsten geläufige Zahlengebilde bei der Aufstellung sind dem Trainer ein Dorn im Auge, er hält sie für nichts anderes als „Telefonnummern“ und konzentriert sich lieber darauf, dass die Spieler so flexibel wie möglich am besten mehrere Positionen in nur einem Spiel bedienen können. Erfolge geben dieser Taktik Recht, denn seit Guardiola das Zepter in der Hand hat, konnte sich die Münchner Mannschaft sogar noch weiter verbessern. Fußball Quoten und Medien sprechen für das bayerische Team, das sich schon nach wenigen Spieltagen in der laufenden Saison wieder an die Spitze der Bundesliga gesetzt hat.

Mehrere Spieler auf verschiedenen Positionen

Es ist eine Menge Arbeit, eine Mannschaft so darauf hin zu trainieren, dass einzelne Spieler innerhalb von 90 Minuten im Zeitraum von nur wenigen Sekunden so gekonnt und taktisch die Positionen wechseln. Bei den Bayern ist dies wohl auch nur deshalb so gut zu realisieren, weil man es hier mit einigen der besten Spieler auf der ganzen Welt zu tun hat. Die Formation der Mannschaft ist, wie man zum Beispiel kürzlich beim Champions League Spiel gegen ZSKA Moskau sehen konnte, so schnell wieder aufgelöst und neu aufgestellt wie sie sich gebildet hat. Man muss sich dabei nur die einzelnen Spieler einmal genau ansehen. Da wäre Außenverteidiger Philipp Lahm auf der rechten Seite, der sich ganz plötzlich in der Mitte befindet und dort zentral angespielt werden kann, oder David Alaba, der im zentralen Mittelfeld zu finden ist, nebenbei aber auch die Rolle als Angreifer oder linker Verteidiger übernimmt.

Noch kleine Unreinheiten auf dem Weg zur Perfektion

Was manchmal wie ein reines Wirrwarr wirkt, hat Konzept. Und Guardiola legt viel Wert darauf, dass dieses Konzept immer weiter perfektioniert wird. Mit der Qualität seiner Mannschaft hat er gute Chancen darauf, dies mit Bravour zu meistern, auch wenn es an manchen Stellen noch immer etwas hapert. Beim Spiel gegen ZSKA Moskau waren dies zum Beispiel die fehlenden Torchancen. Den Endstand von 1:0 konnte Bayern München nur durch einen Elfmeter erzielen und halten, weil Manuel Neuer seinen Job im Tor wieder einmal hervorragend erledigte. Wenn Guardiola es aber schafft, diese kleinen Unsicherheiten auszubügeln und die Abstimmung seiner Taktik des flexiblen Fußballs unter Kontrolle zu bekommen, dann könnte Bayern München bald so unschlagbar sein, wie sie es schon jetzt gerne wären.

Uwe Bluhm

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