Der "Falsche Neuner" schafft den klassischen Mittelstürmer ab

"Falscher Neuner" - das stürmerlose Spiel, aber offensiv

-Falscher Neuner - das stürmerlose Spiel, aber offensiv
©Natursports-Shutterstock.com

Der Trend ist kaum noch aufzuhalten, der klassische Torjäger wird langsam aber sicher abgeschafft und durch vielseitige Spieler ersetzt. Ähnlich wie bei Abwehrspielern und Torhütern reicht es nicht mehr aus, allein die positionsspezifischen Aufgaben zu erfüllen.

Nehmen wir als Beispiel eine "Nummer 9", wie sie ursprünglich definiert wurde: Gerd Müller. Er war im Strafraum immer präsent, lauerte auf Fehler der Abwehrspieler, Querschläger oder Zuspiele seiner Mitspieler. Bis heute weiß keiner wirklich warum das funktionierte, einfach genial, aber ein Allround-Spieler war Müller nie. Auch ein Horst Hrubesch das "Kopfball-Ungeheuer", schafft heute als DFB-Trainer seine frühere Spielweise selbst ab. Ob diese Spielertypen es heute und insbesondere in der Zukunft in die Weltspitze schaffen würden, ist mindestens fraglich.

Die "Nummer 9" der Zukunft ist kein Speziallist, sondern ein Alleskönner. Er sollte sich viel mehr in den Dienst der Mannschaft stellen, offensiv Lücken reißen und uneingeschränkte Defensivarbeit leisten.

In naher Zukunft wird kein Platz mehr für die klassische "Nummer 9" sein, es sei denn man muss kurz vor Schluss mit der "Brechstange" ein Ergebnis korrigieren.

Der "Falsche Neuner"

Als "Falscher Neuner" bezeichnen wir den Mittelstürmer, der nicht nur auf seine Torchance wartet, er spielt mit, sowohl offensiv als auch defensiv. Er bietet sich an und wird ins Kombinationsspiel einbezogen. Seine Körpergröße spielt dabei keine Rolle mehr, er muss ein intelligenter und technisch sehr begabter Spieler sein.

Natürlich ist Lionel Messi hierfür das beste Beispiel. Er lässt sich immer wieder aus seiner Position ins Mittelfeld zurückfallen und schon ist er eine "Falsche Neun".

Trotzdem ist die Idee, mit einer "Falschen Neun" zu spielen nicht ganz neu. Schon die Ungarn spielten 1954 mit einem ähnlichen System. Der klassische Mittelstürmer Hidegkuti wurde ins Mittelfeld zurückgezogen und die Verwirrung der Abwehrspieler war groß, zumal die Manndeckung damals das Maß aller Dinge war. Hidegkuti war so nicht nur ein Torjäger, er konnte durch tolle Pässe seine Mitspieler in Szene setzen.

Ist der "Falsche Neuner" ein Spielmacher?

Ja, der "Falsche Neuner" ist auch ein Spielmacher, denn den klassischen Spielmacher gibt es fast nicht mehr. Jeder Spieler der im Mittelfeld agiert ist ein Stück "Spielmacher", womit wir wieder beim Allround-Spieler sind. Messi trägt ja auch die "Nummer Zehn" des Spielmachers und ist trotzdem ein "Falscher Neuner", man kann sich auf nichts mehr verlassen ;-)

Der "Falsche Neuner" ist ein "Chaos-Spieler"

Ein Team, dass mit einem "Falschen Neuner" agiert, sollte in der Offensive über zwei Außenspieler verfügen. Rückt der "Falsche Neuner" ins Mittelfeld zurück, ist die Mittelstürmer-Position nicht mehr besetzt, der Druck auf die Abwehr soll aber erhalten bleiben.

Jetzt kommen wir zu den Problemen des Gegners. Durch das Vorrücken des "Falschen Neuners" ins Mittelfeld, entsteht dort ein Überzahlspiel. Das Kombinationsspiel, verbunden mit viel Ballbesitz und erdrückender Dominanz, wird so erleichtert.

Die gegnerische Innenverteidigung verliert einen Gegenspieler und eigentlich müsste ein Innenverteidiger der "Falschen Neun" folgen. Jetzt können die beiden Außenstürmer geschickt in die freien Räume einrücken und die entstehenden Lücken in der Hintermannschaft ausgenutzt werden. Egal wie, mit dem Einrücken ins Mittelfeld durch die "Falsche Neun", stellen wir die Innenverteidigung des Gegners vor große Probleme und im Mittelfeld spielen wir in Überzahl.

Der "Falsche Neuner" ist also ein Chaos-Spieler. Er sorgt für Verwirrung, ist ein Torvorbereiter, aber auch ein Torjäger und Spielmacher. Noch interessanter wir es, wenn auf der Position der "Falschen Neun" im Spiel rotiert wird.

Zug zum Tor

Das Spielen mit einer "Falschen Neun" führt, durch die Überzahl im Mittelfeld, zu viel Ballbesitz. Oft wird dabei das eigentlich Ziel verfehlt, Torchancen zu erarbeiten und Tore zu erzielen.

Dann ist es brotlose Kunst und oft tragen hierfür die Außenstürmer die Verantwortung. Rücken sie nicht geschickt ein und reißen Lücken in die gegnerische Abwehr, meistens durch horizontale Laufbewegungen, ist kein Anspiel in die Tiefe möglich. Aber auch der "Sechser" oder "Zehner" sollte situationsbedingt ins Zentrum starten und anspielbar sein. Selbst die Außenverteidiger sollten Lücken erkennen und nutzen. Nur durch eine hohe Laufleistung und intelligentem Fußballspiel, wird das Spiel mit dem "falschen Neuner" auch erfolgreich sein.

"Falscher Neuner" auf dem Kleinfeld

Ja, auch auf dem Kleinfeld hat der "Falsche Neuner" seine Existenzberechtigung. Wenn der Gegner nicht nach dem Prinzip "Alle verteidigen, alle greifen an" spielt, entstehen häufig riesige Lücken im Mittelfeld. Hier ist viel Platz und den kann der Mittelstürmer übernehmen, als "Falsche Neun". Oft sieht man den Mittelstürmer bei den gegnerischen Abwehrspielern stehen und er wartet dort, bis der Ball irgendwann mal kommt, eigentlich schade, oder?

Uwe Bluhm

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