Hallo, Trainer!

Der nachstehende Text wurde mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Der Name der Verfasserin ist bekannt, soll hier aber ungenannt bleiben. Ich bedanke mich hier nochmals ausdrücklich für diesen Brief und den netten Kontakt über viele Wochen.

Kinderseelen
Foto: © Doreen Salcher
Fotolia.comkavcic@arcor.de

Ein Sommermärchen für die Zukunft

Die Verfasserin ist zwischenzeitlich eine junge Frau, engagiert, absolut zuverlässig und liebt den Fußball. Nur ihrer starken Persönlichkeit ist es zu verdanken, dass sie dem Fußball erhalten geblieben ist.

Eine Profispielerin wird sie nicht werden, aber sie ist eine Teamplayerin, wie sie sich jeder Trainer wünscht. Entnehme dem Text, was sie in den Jahren beim Fußball erlebt hat. Die Entwicklung der Persönlichkeit zeigt sich erst nach vielen Jahren, nicht nur fußballerisch.

Dieser Brief ist ein Aufruf an viele Trainer, über den Umgang mit vermeintlich leistungsschwächeren Kindern nachzudenken.

Hallo Trainer,

ich habe das Bedürfnis, Dir einmal mitzuteilen, wie zufrieden ich mit Dir bin. Ich sehe, dass Du viel Zeit, Liebe und Engagement in die Arbeit mit unserem Team steckst und kann Dir gar nicht sagen, wie sehr mich das freut! Leider muss ich rückblickend feststellen, dass nicht alle Trainer von Mannschaftssportarten - in dem Falle natürlich Fußball - auch Teamplayer sind oder suchen, wenn sogar fördern.

Zu meinen ersten Trainern gehörte einer, der meiner Meinung nach hauptsächlich die Absicht hatte, seine "kleinen Kiddies" zu fördern. Ich war genervt, merken zu müssen, dass ich wenig "Beachtung" bekam und somit auch keine effektive Rückmeldung über meinen Trainingsstand. Obwohl dies wahrscheinlich nur zur Hälfte der Wahrheit entspricht - Beachtung bekam ich mit rüffelnden Sprüchen wie etwa: "Lauf gefälligst mal ein bisschen schneller! Da ist meine Oma im Tiefschlaf ja noch schneller!". Das war nicht schön zu hören und verringerte mein Selbstvertrauen - ich versuchte mir dennoch bewusst zu machen, dass er es bestimmt nur gut meinte und mich motivieren wollte. Meine Spieleinsätze hingen meist davon ab, wie viele Spieler ihm an dem Tag zur Verfügung standen; waren es wenige, durfte ich auch "mal ran". Nach weiteren - vor allem persönlichen - Enttäuschungen von ihm, war ich froh, als er aufhörte und ging. Ich will das Wort Hass nicht ins Spiel bringen, aber etwas mit ihm zu tun haben, möchte ich nie wieder.

Es folgte eine Trainerin, die einen besseren Zugang zur Truppe fand und mit der ich sehr gut zurecht kam. Ich war motivierter, sah meine Chance, mich vielleicht nun einmal verbessern zu können. Ich war noch häufiger beim Training, dachte, durch meine Zuverlässigkeit und meine gute Trainingsbeteiligung dränge ich mich regelrecht für einen Spieleinsatz auf. Nichts da. Ich spielte noch weniger als bei meinem vorherigen Trainer. Wenn ich eingewechselt wurde, dann kam kurz vor der Halbzeit rein und wurde in der Pause wieder ausgewechselt. Dass sich das nicht toll anfühlte, ich mir Unnütz vorkam und mein Selbstvertrauen stetig sank, kannst Du Dir bestimmt denken. Meistens hoffte ich sogar, keinen Ballkontakt zu haben, dann konnte ich wenigstens nichts falsch machen und womöglich beim nächsten Spiel gar nicht eingesetzt werden. Schön unauffällig bleiben - immerhin besser, als einen schlechten und unsicheren Eindruck zu vermitteln. Mein Selbstvertrauen war schließlich bei Null angekommen.

Einen Neuanfang konnte ich machen, als Du bei meinem Verein, eine Mannschaft aufzubauen begannst. Ich war 16 und musste somit das Team wechseln. "Musste", ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich war, neu beginnen zu können. Nach wenigen Trainingseinheiten sah ich bereits, dass Du ganz anders bist - eine ganz andere Mentalität als "alle anderen" an den Tag legst. Du versuchst, allen im Team gerecht zu werden, gibst allen Verbesserungsvorschläge und versuchst alle bei den Spielen zu berücksichtigen. Das wurde mir vor allem in den ersten Spielen bewusst, als ich, trotz meiner mangelnden Erfahrung auf Großfeld, von Anfang an ran durfte. Es war noch sehr frustrierend, merken zu müssen, dass ich gegen meine älteren Gegenspieler nicht ankam, ihnen nur hinterher zu laufen schien und mein irgendwo-auf-dem-Fußballrasen-verlorenes-Selbstvertrauen wiederzufinden suchte. Ich habe mich selbst "an den Pranger" gestellt und war oft verzweifelt, dass vieles noch nicht so klappte, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hatte wenig aus den Jahren zuvor "mitgenommen" - aber mit Deiner Unterstützung habe ich es schließlich geschafft, meine sportlichen Defizite nach und nach zu vermindern oder gar ganz wegzubekommen. Ich bin Dir so dankbar, dass Du diese Geduld mit mir hattest. Ich kam mir oft schlecht vor, wenn ich spielen durfte, weil ich das Gefühl hatte, dem nicht gerecht werden zu können und vielleicht das Team zu schwächen. Keiner aus der Mannschaft - Du auch nicht - hat mich je einen Zweifel an meiner Person spüren lassen - das fühlt sich sehr schön an; es ist einfach schon immer eine Selbstverständlichkeit gewesen, dass ich dazu gehöre. Aber wie gesagt, genau das war es, was mich so motivierte, mich unbedingt weiterhin verbessern zu wollen. Ich möchte Dir das Vertrauen, das Du mir entgegenbringst, doch wieder zurückgeben.

Mein gestecktes Ziel vor der Saison war es, in einigen Spielen in der Startformation zu stehen. Nun gehöre ich zur Stammelf. Wie Du und auch außenstehende Personen mir immer wieder bestätigen - zu Recht. [...]

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