Nicht so geknickt - Bänderriss im Sprunggelenk

Autor: Christian Riedel -Netzathleten-Sportpartnerschaft-


Der Bänderriss im oberen Sprunggelenk ist eine der häufigsten Verletzungen im Sport. Grund genug, diese Blessur einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Kann man sich davor schützen und wie kann man den Heilungsprozess beschleunigen?


Nicht so geknickt - Bänderriss im Sprunggelenk
Foto: ©Jeanette Dietl - Fotolia.com

Bei jedem Sport, bei dem gesprungen wird, besteht die große Gefahr, bei der Landung mit dem Knöchel umzuknicken. Viele Fußballer, Basketballer, Handball- oder Volleyballspieler hatten einmal einen Bänderriss oder zumindest eine Bänderdehnung im Sprunggelenk gehabt. Häufiger tritt dies übrigens auf der nicht dominaten Seite auf, also beim Rechtshänder am linken Sprunggelenk.


Schätzungen gehen davon aus, dass sich jeden Tag einer von 10.000 Einwohnern pro Stadt einen Bänderriss zuzieht. In einer Stadt wie Köln mit rund 1 Million Einwohnern, sind es so rund 100 Bänderrisse am Tag oder 36.500 Bänderrisse pro Jahr. Auf ganz Deutschland hochgerechnet reißen die Bänder im Sprunggelenk geschätzt knapp drei Millionen Mal. Meist sind es die Bänder im oberen Sprunggelenk, die reißen.


Laut Sportmediziner Dr. Markus Klingenberg ist ein wirkungsvoller Schutz in der Tat möglich. „Ein ausgiebiges Training der Schienbeinmuskulatur und eine gute Dehnung der Wadenmuskulatur sind neben einem guten Schuhwerk eine hervorragende Prophylaxe vor einem Distorsionstrauma wie es der Sportmediziner nennt.“


Anatomische Ursachen


Beobachtet einmal was passiert, wenn jemand auf die Zehen geht. Die Sprunggelenke knicken ein wenig nach innen genau in die Richtung, in die man meist auch umknickt. Das ist biomechanisch auf Grund des Verlaufes der Achillessehne ein ganz normaler Vorgang. Ist die Wadenmuskulatur allerdings verkürzt und unzureichend gedehnt, wird diese Bewegung verstärkt. Ist zusätzlich auch der Antagonist, also der muskuläre Gegenspieler in Form der Schienbeinmuskulatur nicht kräftig genug, so ist es schnell passiert und der Sportler ist umgeknickt.


Das Sprunggelenk ist das Verbindungsgelenk zwischen dem Fuß und dem Unterschenkel. Im oberen Sprunggelenk sind die unteren Enden des Schienbeins (Tibia) und des Wadenbeins (Fibula) durch mehrere Bänder mit dem Sprungbein (Talus) verbunden. Besonders die Außenbänder sind häufig von Umknickverletzungen betroffen (Riss, Zerrung, Dehnung). Mit rund 20 Prozent Anteil ist eine Außenbandruptur die häufigste Sportverletzung. Man knickt leichter nach innen um. Darum ist eine Supinationsverletzung (nach innen – die Außenbänder sind betroffen) häufiger als ein Pronationstrauma (Fuß nach außen).


Knochenverletzungen im Oberen Sprunggelenk hingegen sind eher selten. Bei extremen Belastungen kann es allerdings zu einem Knöchelbruch oder zu einer Absprengung von knöchernen Anteilen kommen. Im akuten Stadium ist die Unterscheidung für den untersuchenden Arzt oft nicht eindeutig möglich betont Dr. Markus Klingenberg. Daher ist ein Röntgenbild obligat. Bleiben die Schmerzen auch nach 6 Wochen Bewegungstherapie mit einer Aircast- Schiene, empfiehlt er auch ein MRT (Kernspintomographie) durchführen zu lassen um einige seltenere, aber für den Sportler sehr folgenschwere Verletzungen auszuschließen.


So entsteht der Bänderriss


Von alleine reißen die Bänder nicht. Die Verletzung entsteht entweder durch besagtes Umknicken, oder durch externe Einwirkung von außen, wie beispielsweiße ein Tritt beim Fußball. Dadurch werden die Bänder gelockert, überdehnt oder im Extremfall reißen sie. Zudem reißen lokale Blutgefäße, es entsteht ein Bluterguss und der Knöchel schwillt schnell stark an. Dies ist mit großen Schmerzen verbunden, wie jeder, der schon einmal einen Bänderriss hatte, bestätigen kann.


Erste Hilfe beim Bänderriss


Beim akuten Bänderriss hilft nur Kühlen mit Eis. Das lindert den Schmerz und verhindert ein starkes Anschwellen des Knöchels. Ansonsten sollte der Knöcheln nicht mehr belastet werden. Aber auf diese Idee kommt aufgrund der Schmerzen wohl sowieso keiner.


Die Diagnose


Früher wurde bei dem Verdacht auf Bänderriss gerne einmal unter dem Röntgenapparat eine gehaltene Aufnahme gemacht. Das war nicht nur schmerzhaft, sondern führte ab und an auch zu einer Verschlimmerung der Verletzung.


Heute testet der Arzt das Sprunggelenk auf Beweglichkeit, Stabilität, Schmerz und Schwellung. Sind ein oder mehrere Bändern gerissen, ist die manuelle Beweglichkeit im Gelenk deutlich vergrößert. Man sollte das Gelenk aber nur dann auf Beweglichkeit testen, wenn man einen Knöchelbruch ausschließen kann.


Hält der Schmerz länger an (man spricht hier von Schmerzpersistenz), sollte man schnell ein MRT durchführen lassen.

 


Die Therapie beim Bänderriss


Sind die Bänder nur gedehnt und nicht gerissen, wendet man am Besten die PECH-Methode zur Therapie an. PECH steht dabei für Pause, Eisanwendung, Kompressionsverband und Hochlagerung. Zusätzlich kann man kühlende Salben oder Medikamente zur Blutverdünnung anwenden, damit der Bluterguss schneller abgebaut werden kann. Sobald Schwellung und Schmerzen vorüber sind, kann man auch wieder Sport treiben. Die Heilung dauert meist zwischen zwei und drei Wochen.


Beim Bänderriss sieht die Therapie ähnlich aus: Kühlen, schonen und Hochlagern. Allerdings sollte das Sprunggelenk für 4 bis 6 Wochen geschont werden. Sind mehrere Bänder gerissen, wird bisweilen auch operiert. Durch eine OP kommt man zwar schneller auf die Beine, nach rund 2 bis 3 Monaten ist das Ergebnis von OP und konservativer Therapie aber weitgehend gleich. Insofern muss man sich gut überlegen, ob man das Risiko einer Operation auf sich nehmen möchte.


Verletzungen vorbeugen und vermeiden


Einen Bänderriss kann man schlecht verhindern, außer man spielt Schach oder Minigolf. Um das Umknick-Risiko zu minimieren, kann man gerade bei Sprungsportarten wie Basket-, Hand- oder Volleyball Schuhe tragen, bei denen die Gelenke zusätzlich gestützt werden.


Christian Riedel


Originalartikel: netzathleten.de

 

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