Der Psychologie-Mythos vom Angstgegner (2)

Einschränkung: Medien können Gegner zum Angstgegner machen
Darüber hinaus kann jedoch auch die Berichterstattung einen nicht unerheblichen Einfluss darauf haben, ob aus einem Gegner ein Angstgegner wird: „Im Spitzensport, wo das mediale Interesse groß ist, wird ein Gegner schneller zu einem Angstgegner (gemacht) als im Amateurbereich. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass diese Thematik noch einmal eine zusätzliche Brisanz schafft. Wenn ein Sportler in einem Interview dann Sätze sagt wie ‘Wir müssen das irgendwie bewältigen‘, ist das immer auch ein Eingeständnis, dass er sich von der Thematisierung des Angstgegner-Phänomens in der Berichterstattung hat anstecken lassen.“
Szenario Deutschland-England bei der WM
Man stelle sich beispielsweise vor, was in deutschen und englischen Medien los wäre, wenn Deutschland bei der Weltmeisterschaft in Südafrika auf England treffen würde (eine Begegnung, zu der es theoretisch bereits im Achtelfinale kommen könnte). Während hierzulande vor allem die Siege von 1972, aber auch von 1990 und 1996 im Elfmeterschießen aus der Mottenkiste geholt würden, würden englische Medien mit ziemlicher Sicherheit versuchen, den Geist von Wembley ‘66 wieder zu erwecken – und zugleich darauf hoffen, dass dem eigenen Team die miserable Quote in K.O.-Spielen und Elfmeterschießen gegen Deutschland entfallen würde.
Dabei ist besonders interessant, dass mit ziemlicher Sicherheit keiner der Spieler, die 2010 in den Aufgeboten beider Länder stehen werden, bereits bei einem der angesprochenen Spiele auf dem Platz stand. Aber möglicherweise gibt es in solchen Fällen ja so etwas wie eine Erblast…
Experte: Sportpsychologe Jens Heuer www.bestleistung.com
Marco Heibel
Originalartikel: netzathleten.de
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